Bellnhausen
Karte
Unser Stadtteil Bellnhausen
Die Bellnhäuser Erwsgeier (Erbsengeier)

Ortsmitte von Bellnhausen
Sicht aus der Ortsmitte von Bellnhausen
auf die schlichte Kapelle in Ständerfachwerk aus dem 15. Jahrhundert. 
Foto: Bernd Nassauer 15/04/2007


Themenlinks:
 

Daten zu Bellnhausen *Stand 21.12.2006
 
PLZ:
Fläche:
Höhe über NN:
Höchste Erhebung:
Einwohner:
Gesamte Großgemeinde:
35075
365 ha
Dorfmitte 208 m
280 m
202 Einwohner
13.210 Einwohner

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Ortslage Bellnhausen

Bellnhausen liegt in einem kleinen Talkessel der Allna, 3,5 km nordostwärts Gladenbach-Kernstadt.
Der Ort ist heute noch ein typisches Bauerndorf. Die Straße Runzhausen - Sinkershausen führt durch den Ort und hat in der Ortsmitte einen Abzweig zur B 453. Der Flurname "auf der Grub" und alte Stollenanlagen sowie Hausnamen ("Staijisch" Steigers) erinnern noch heute an frühere Berg werksbetriebe. Im Jahre 1697 ist ein Vitriolbergwerk genannt, das vermutlich mit dem späteren Kupferbergwerk identisch ist. Dieses wurde bis in die zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts betrieben. Am nordwestlichen Ortsrand wurde ab 1840 in zwei Gruben (Ludwigshoffnung, Holzenbach, Germershecke) Nickelerz abgebaut. Es wurde von 1849 mit Unterbrechung bis etwa 1887 in Erdhausen (Aurorahütte, Nickelerzhütte) verarbeitet. Bis zu 200 Personen haben zeitweilig in den Gruben gearbeitet. Um 1875 wurden im Nickelwerk der Hütte täglich 2 t Erz benötigt. Ende der Nickelförderung 1887, nach Umstellung der Aurorahütte auf die Produktion von Eisenguß (Herde, Ofen).
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Veränderungen des Ortsnamens

1296    erstmals als Bedelinhusen erwaehnt.
1308    Badelogehusen
1344    Bedelnhussen
1369    Bedilhusen
1423    Beidillinhusen, Bedelingehusen
1502    Bedelnhussen
1702    Beddelnhausen
1802    Bellnhausen
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Vorgeschichtliche Funde und Bodenaltertümer

Ostwärts Bellnhausen, südlich der Straße nach Sinkershausen, hegen in Ackerland Reste von drei Stufenrainen. Das System war früher wohl 700 m lang. Ein weiteres altes Feldsystem ist am Südhang der Höhe 309 zu erkennen. Kaum wahrnehmbar dagegen sind alte Ackerraine südlich des Ortes an der Verbindungsstraße zur B 453. Westlich, am Südhang des Hahnkopfes, verlaufen im Wald einige Raine. Und weiter westlich, z. T. schon in Runzhausen, wurden im Hochwald des Langenroth sechs Stufenraine gefunden. Zwischen diesen und einem Bach liegt eine kleine Ebene, in deren Umgebung mittelalterliche Scherben gefunden worden sind. Weitere Raine liegen in der Nordwestecke der Gemarkung, z. T. mit Köhlerplätzen, nördlich vom Hahnkopf und im Gebiet südostwärts des Quelltals vom Lanzenbach. Im wesentlichen eingeebnet sind vier Raine (40-50 cm hoch) am Nordosthang vom Hahnkopf, wohingegen ein Feldsystem am Südhang noch sechs Stufenraine gut erkennen läßt.
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Aus der Geschichte Bellnhausens

Bellnhausen wird 1296 zum ersten Mal erwähnt. Der Deutsche Orden beurkundete in jenem Jahre, daß ein gewisser Engel (Angelus) Koch am Fronhof bei Marburg, mit Zustimmung des Ordens seinen Teil der Güter in Bellnhausen an den Wetzlarer Bürger Hermann gen. Selig verkauft hat, der schon den anderen Teil der Güter besitzt (Wyss 1 Nr. 609), und Hermann Selig und seine aus Marburg stammende Ehefrau schenken am 22. April des gleichen Jahres ihre sämtlichen Güter zu Bellnhausen bei Gladenbach (universe bona nostra in bedelinhusern apud Gladenbach) dem Kloster CaIdern (UB Wetzlar Nr. 417). Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Besitzurkunden aus dem folgenden Jahrhundert. 1333 verkauften die von Weitershausen ihr Bellnhäuser Gut an Hillen, die Witwe des verstorbenen Wetzlarer Schöffen Gerbrecht Heinemann, und 1362 verkaufte der Ritter Kraft Döring sein Drittel an Zinsen in Bellnhausen (Beidillinhußen) an Johann von Breidenbach.
Der Zehnte stand den Dynasten von Falkenstein zu, die ihn 1344 den von Bicken zu Lehen gegeben hatten. Die Bickener verlehnten ihn weiter an die Rode. Von den Falkensteiner Oberlehnsherrn muß der Zehnte dann an die hessischen Landgrafen übergegangen sein, denn 1577 standen diesen Dreiviertel des Bellnhäuser Zehnten zu. Um 1400 gab es 14 Hausgesäße. 1502 waren es nur noch acht. Dann stieg die Zahl wie der leicht an: 1546 auf neun, 1577 auf zwölf, 1600 auf dreizehn Häuser, und dabei blieb es zunächst.
Von den 12 Hausgesäßen des Jahres 1585 hielten sieben Pferde, eins zwei, die anderen drei. Ein Bauer hatte den Lehnszins an die Herren von Rollshausen und Schwalbach zu zahlen, zwei Bauern an Georg von Breidenbach und ein weiterer an die Universität Marburg. Die Familien Döring und Heidwolff besaßen außerdem noch Streubesitz im Dorf. Gab es 1585 insgesamt 20 Pferde im Dorf, dann waren es 1630, mitten im Dreißigjährigen Kriege, immerhin noch 15.
Acht Gehöfte meldeten, nachdem niederhessische Truppen 1633 das Amt Blankenstein besetzt hatten, Schäden in Höhe von 212 Taler 17¾ Albus an. Die Bevölkerung selbst kam einigermaßen glimpflich davon. Nur Just Schneider "sagdt ja, er were auch geschlagen worden. Einer aus seinen reutern hab ihn geschlagen außm Hauß gejagdt, sein hausfraw genötigdt, das sie ihm 2 Seiten Speck holen müssen, undt ihr darzu ohnangesehen sie hochschwanger, zu erschießenn getrawett (gedroht)", und Peter Berhard und seine Frau gaben an, "der Corporal were volgewesen undt ihren sohn mitt einer büchsen gestossen". Die Pest, 1635 ebenfalls aus Niederhessen eingeschleppt, forderte unter den 27 bedepflichtigen Bewohnern sieben Tote. Als die Seuche erlosch, standen von 13 Häusern vier leer.
Die Einquartierung kaiserlicher, d. h. befreundeter Truppen im Jahre 1640 kostete das Dorf 1266 Reichstaler 172 Albus. Acht Einwohner hatten Verluste und Schäden in dieser Höhe gemeldet, darunter 1 Pferd, 5 Schweine, 33 Bienenstöcke, 269 Mött Korn, 35 Mött Gerste, 25 Mött Erbsen, 12 Mött Heidelkorn, 160 Mött Hafer und 36 Wagen Heu.
Die letzten Jahre des langen Krieges müssen dem Dorf noch einmal tüchtig zugesetzt haben. Gab es noch 1645 sieben bewirtschaftete und sechs leere Häuser, so waren es bei Kriegsende 1648 nur noch drei bewohnte, aber 10 leerstehende Häuser. In den Amtsrechnungen heißt es: "Beddelnhausen bey noch drey alleinigen Einwohnern deren keiner einzigen Pflug hatt resten (bleiben) 2 malter Grebenhafer zu zahlen".
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Das Wachstum nach dem Kriege:

Häuser
1666
1700
1750
1780
1810
9
12
17
17
17

Einwohner
1834 1846 1865 1900 1925 1939 1946 1950 1061 1970
110 154 123 133 139 147 209 214 201 204

Der Rückgang im vorigen Jahrhundert ist durch die Einstellung des Erzabbaus bedingt.
1835 ,,ein evangelisches Filialdorf an der Alnau 3/4 Stunden von Gladenbach mit 116 Einwohnern welche Ackerbau und Viehzucht treiben" (Amtsarzt Dr. Deibel in seiner medizinischen Topographie).
1867 arbeiteten 69 Personen in der Landwirtschaft. 1961 dagegen waren 57 in der Land- und Forstwirtschaft, 31 im prod. Gewerbe, 4 in Handel und Verkehr und 4 in Dienstleistungen und sonstigen Berufen untergekommen.
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Aus der Schule geplaudert Schulverhältnisse von 1832 bis 1936

Vor dem Jahre 1832 fand Unterricht in dem Nachbarort Runzhausen statt, und zwar in der Wohnung des Lehrers. Lehrer Leonhardt hielt Schule. Später ging diese Wohnung in den Besitz des "Landreuthers" Johannes Thomas über. Er war ein Nachkomme des aus Bellnhausen stammenden und im 18 Jahrhunderts über Hessens Grenzen hinaus bekannten Taubstummenlehrer Stöcker. Die "Doppelschule" Runzhausen/Bellnhausen wurde erst im Jahre 1896 aufgehoben. Während wohl früher nur in Runzhausen Schule gehalten wurde, war es später dann so, daß der Lehrer zeitweilig über Land ging und in beiden Orten getrennt unterrichtet. Der letzte Lehrer der Doppelschule Louis Wagner aus Usingen schreibt nämlich in der Schulchronik, daß er vom 1. November bis zum 1. März den beschwerlichen Weg nach Bellnhausen zur Schule machen mußte. Am 15. Januar 1896 tritt Lehrer Wilhelm Rangel seinen Dienst in Bellnhausen an. Er ist zwanzig Jahre alt und stammt aus Kraftsolms. Aber schon ein halbes Jahr später starb er im Hause seiner Eltern. Sein Nachfolger war Friedrich Heidersdorf, der seine Wohnung in Bellnhausen nahm. Bei der Visitation am 9. März 1897 waren zugegen: 23 Kinder (11 Knaben, 12 Mädchen), Schulinspektor Braun II, Pfarrer in Gladenbach, Beigeordneter Friebertshäuser und Peter Happel aus Bellnhausen.
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Brezeln zu Kaisers Geburtstag -  nebst Fackelzug

Am 22. März 1897 jährte sich der Geburtstag des 1888 verstorbenen Kaisers Wilhelm 1. zum hundertsten Mal. Wie wohl in allen Schulen des damaligen Deutschen Reiches, wurde auch in Bellnhausen gefeiert. Die Schule war Veranstalter. Lehrer Heidersdorf schreibt: "Die Feier, an welcher sich auf Einladung des Lehrers die ganze Gemeinde fast beteiligt hatte, wurde mit Gesang und Gebet eingeleitet. Nachdem der Lehrer den Kindern das Leben und Wirken Kaiser Wilhelms des Großen vorgeführt hatte, fand die Feier durch Liedvorträge und Deklamationen von seiten der Schüler ihren Abschluß. Den Kindern waren von seiten der Gemeinde Brezeln zur Austeilung gekommen. Nach der Feier zogen die Kinder mit Gesang durch das Dorf in die Wohnung des Lehrers, wo selbst die Fahne abgegeben wurde. Zur Feier des Tages ist letztere neu an geschafft worden. Abends um 8 Uhr fand ein Fackelzug nebst Freudenfeuer statt. Daran hatten sich die Schulkinder und der Gesangverein beteiligt."
Derartige Feiern - sei es aus Anlaß gewonnener Schlachten (z. B. Sedan, 2. Sept.), oder aus Anlaß von Geburtstagen hoher Herrschaften
und Staats- bzw. Reichsjubiläen - nehmen in den Schulchroniken vor 1914 immer einen beträchtlichen Raum ein. Sie zumindest zu erwähnen, wird nie versäumt.
Sie hatten im Lebensablauf damals einen hohen Stellenwert.
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"Traurig, aber wahr" - von zehn Wochen Unterrichtsausfall und einer halben Bibel

Weniger befriedigend war dann der weitere Verlauf des Schuljahres.
Lehrer Heiderßdorf mußte seIne militärische Übung ableisten. Zehn Wochen fiel der Unterricht aus. Der Lehrer trägt danach mißmutig in seine Chronik ein: "Die Resultate beim Beginn der Schule am 25. November waren sehr traurige, sodaß der Lehrer mit allem Fleiße arbeiten mußte, um die Schule wieder auf das alte Geleise zu bringen. Traurig, aber wahr." Vom Lehrer Heidersdorf erfahren wir auch, wie eine Schule um die Jahrhundertwende ausgestattet war. In einer Dorfschule waren folgende "Utensilien":
 

  • Zwei Subsellien (Anm.: Schulbänke)
  • Ein Tisch
  • Ein Stuhl
  • Zwei Bänke
  • Eine Wandtafel
  • Eine Bibel
  • Eine Lehrerbibel, von dieser gehört Runzhausen die Hälfte
  • Ein Gesangbuch
  • Ein Katechismus der christlichen Lehre
  • Praktisches Rechenbuch von Niepoth
  • Chronik der Schule zu Bellnhausen 
  • Absentenliste
  • Schülerverzeichnis
  • Bild: Dktr. Martin Luther, im Kreise seiner Mitarbeiter, die hl. Schrift verdeutschend. Ein Geschenk Sr.Majestät des Kaisers
  • Ein Lineal
  • Ein Zirkel
  • Drei Teile des Deutschen Lesebuches
  • Weber, Lesebuch für die Fortbildungsschule
Für die damals geübte Sparsamkeit spricht wohl die Tatsache der "halben Bibel". Man würde gern wissen:
Wie teilte man sie sich? Für Runzhausen war das Alte Testament, für Bellnhausen das Neue?
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"Vier Schläge auf den Rücken..."

Was Lehrer Heidersdorf in seiner Inventarliste nicht erwähnt, was aber vorhanden war, ist das Strafbuch.
Es umfaßt die Jahre von 1896 bis 1931. Denn tatsächlich hat es bis dahin noch körperliche Schulstrafen gegeben. Mancher Delinquent hat möglicherweise gar nicht gewußt, daß seine "Untat" und die "gehörige Strafe" fein säuberlich eingetragen worden sind. Übrigens: vor Ausführung der Schläge! Von Affekt und sonstiger Erregung des Lehrers etwa ist in den Einträgen nichts zu spüren. Keine Anzeichen für Zorn oder Wut! Kühl und sachlich eingetragen: Personalien, Datum, Vergehen, Strafe. Der Schulinspektor und später der Schulrat haben sich das Buch von Zeit zu Zeit durchgesehen und es abgezeichnet. Alles ist ordnungsgemäß abgelaufen. Nur über den pädagogischen Wert der Strafen erfährt man nichts. Interessant aber, wenn auch heute kaum mehr vorstellbar, was alles gestraft wurde und wie oft mit unter an einem einzigen Schultag. In unserer Vorstellung waren ja die Schüler in der guten alten Zeit, zumal im Kaiserreich, so brav, daß man sich nicht denken kann, daß damals ein Lehrer zum Stocke greifen mußte. Aber lesen wir selbst! Am 5. Mai 1896 wurden allein sieben Übeltäter - zwei Mädchen und fünf Jungen (von nur 20-23 Kindern!) gestraft. Ein Mädchen zweimal.

Es wurden verteilt:
1maI 4 Schläge auf den Rücken (bei Mädchen und bei geringeren Vergehen)
4maI 4 Schläge auf das Gesäß (bei Jungen)
2maI 6 Schläge auf das Gesäß
1maI 8 Schläge auf das Gesäß

Wofür, so fragt man sich, und findet die Antwort in der entsprechenden Rubrik: Für Faulheit, Lüge - an diesem Tag. Etwas allgemein ausgedrückt. Man wüßte es gern genauer. Zum Beispiel so, wie an anderen Tagen dieser Jahrzehnte: Vier Schläge auf das Gesäß, weil "!sie ins Feld gegangen sind und dort Gurken und Bohnen abgebrochen haben, desgleichen auch mit Steinen in die Apfelbäume geworfen haben. Man denkt, das hätte eher ins Feldfrevelbuch des Feldhüters (vgl. Kap. Erdhausen, S. 246) gehört. Aber nein, für Schulkinder war die Schule die Ordnungsmacht auch außerhalb von Schule und Unterricht. Noch in der Mitte unseres Jahrhunderts verschwanden in der Regel alle Kinder beim Feierabendläuten von der Straße, aus Angst oder Respekt oder - was auch immer - vor dem Lehrer. Die Zeiten sind vorbei. Mancher mag's beklagen.
Ein anderes Mal hat vor rund 85 Jahren ein Mädchen in der Stunde (!) "Papier gekaut". Drei Schläge auf den Rücken waren fällig. Auch die "leichtsinnige Anfertigung von schriftlichen Arbeiten" (heute als flüchtig bezeichnet) wird gebüßt. So im März des Jahres 1901: Drei auf das Gesäß. Dasselbe Quantum auch für "unreine Schrift". Gelegentlich werden auch Untaten an Vögeln und ihren Nestern geahndet. "Wieder ein Nest gebrutscht" (Anm.: zerstört) - das ist so der landläufige Ausdruck dafür. Beliebte Objekte: Rotschwänzchen und Neuntöter. Auffallend ist, daß in den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts die Begründungen ausführlicher werden und z.T. halbe Seiten einnehmen. Es kündet sich wohl das baldige Ende dieser aus unserer Sicht heute schon damals unzeitgemäßen - Maßnahmen an. Die letzten Einträge werden mit ausführlichem Protokoll vorgenommen. Es geht um Hausauf
gaben und Schuleschwänzen. Es taucht auch eine neue Strafe auf: Urlaubssperre. Ob das als Strafe wirkt, ist nicht zu ermitteln. Zu bedenken bleibt, daß auf dem Lande Urlaub vom Unterricht für das Schulkind in der Regel Urlaub für Feldarbeit bedeutete. Und die war ja unter Umständen doch anstrengender als Schule.
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Der Schulneubau 1912

Im Jahre 1907 war die Schulstelle Bellnhausen dem Lehrer Jost Happel aus Römershausen übertragen worden. 30 Schüler besuchten damals den Unterricht. Als Schulraum diente der alte Saal, der mit dem Backhaus zu einem Gebäude vereinigt war., "Es ist Zeit", so schreibt Lehrer Happel in der Chronik, "daß er (der alte Saal) hoffentlich bald in den Ruhestand versetzt wird." Ein Platz gegenüber der alten Schule am Backhaus wird angekauft. Aber erst im Jahre 1912 ist die neue Schule gebaut. Sie bleibt dann Schule mit Dienstwohnung bis zum Jahre 1969.
Dann wird sie zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut.
Im Jahre 1912 vermerkt Lehrer Happel mit Befriedigung, daß das Interesse an der Schule in der Gemeinde gestiegen ist. Die Behauptung, auf dem Lande "kämen zuerst die Pferde und dann die Kinder", will er jetzt "doch nicht mehr wagen., "Wir legen", so fährt er in seinen Eintragungen fort, "mit unserem neuen prachtvollen Schulhaus, mit unserer schönen Allnatalstraße und sogar mit den notwendigen Schulden einen Teil der guten alten Zeit ab, Gott sei dank!" Es müssen aber nicht alle dieser Meinung gewesen sein, denn Happel fügt in Klammern hinzu: wird auch bestritten.
Die Möblierung ist erst Ende Januar 1914 fertig. Der Schulbetrieb kann dann in vollem Umfang beginnen. Im Frühjahr 1914 wird auch die Dienstwohnung bezugsfertig, eine der "anerkannterweise schönsten der ganzen Umgegend!" Lehrer Happel wohnt mit Familie dort bis zum Jahre 1936, als er in den Ruhestand versetzt wird. Was allerdings noch lange genug auf sich warten ließ, war die Wasserleitung zum Schulhaus. Noch in den fünfziger Jahren diente eine Pumpe im Garten der Wasserversorgung. Erst im Jahre 1962, als die Wasserleitung in der Gemeinde gelegt wurde, schloß man auch die Schule an.
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Zeittafel Bellnhausen
 
1903 Ein eigener Lehrer für Bellnhausen: Lehrer Klein aus Usingen Ende der Doppelschule Runzhausen/Bellnhausen
1912 Bau der Schule mit Lehrerwohnung
1934 Aufgrund amtlicher Werbung für die Besiedlung des Ostens ziehen zwei Familien fort, um im Gebiet zwischen Berlin und Stettin zu siedeln.
1936 Im Rahmen des Vierjahresplanes wird wieder Flachs angebaut
1938 Theateraufführung der Schule unter Lehrer Alfred Weber (aus Buchenau, gefallen im 2. Weltkrieg): Zwei Stücke von Hans Sachs (Ein  Bauernknecht wollte zwei Frauen han, Kälberbrüten)
1952 Anfang April: Waldbrand. Mehrere Tag muß Brandwache (nach dem Hand- und Spanndienst) gehalten werden, da es immer wieder in der Humusschicht aufglimmt.
1959 Extremer Trockensommer, fast alle Hausbrunnen sind ausgetrocknet. Das führt zu dem Beschluß, eine zentrale Wasserleitung zu bauen
1962 4. Sept.: Wasserfest in Bellnhausen, Anschluß an das Allendorfer Wasserwerk, Wasserleitung wird in Anwesenheit von Landrat Dr. Sorge zur Benutzung freigegeben
1965 Veränderungen im Schulbesuch: Die Oberstufe (7. u. 8. Sch.) geht nach Gladenbach
1968 Ende der Schule in Bellnhausen
1969 Einweihung des Dorfgemeinschaftshauses

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Quelle: Blume/Runzheimer Gladenbach © 2010, Bernd Nassauer, Gladenbach
Home URL: www.stadt-gladenbach.de