Erdhausen
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Unser Stadtteil Erdhausen
Die Erhäuser Rattebleeser (Rattenbläser)

Blick über Erdhausen
Blick über Erdhausen                                                      Foto: Bernd Nassauer 28/06/2000


Themenlinks:
 

Daten zu Erdhausen *Stand 21.12.2006
 
PLZ:
Fläche:
Höhe über NN:
Höchste Erhebung:
Einwohner:
Gesamte Großgemeinde:
35075
573 ha
Dorfmitte 260 m
(Koppe) 454 m
1.352 Einwohner
13.210 Einwohner

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Ortslage Erdhausen

Erdhausen liegt 2,0 km südwestlich der Kernstadt. Es ist ein ,,mehrgliedriges Straßendorf in Talmündungslage (Hist. Ortslexikon, 4, 1986). Der Hauptteil des Ortes ist auf die jetzige Bundesstraße 255 und auf die in Ortsmitte abzweigende Straße nach Rodenhausen linienförmig ausgerichtet. Im Westen ist Erdhausen modern bebaut. Nach Nordosten liegen Gewerbe- und Industrieansiedlungen (Aurorahütte, Fa. Zimmermann, Wagner Holzbau- u. Sägewerk) und Wohnbaugebiete. In die Alte Schneeberger Landstraße mündete früher von Süden die Straße von Wetzlar bzw. Gießen nach Biedenkopf. Erdhausen hat eine Haltestelle der Eisenbahn Niederwalgern-Herborn.
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Veränderungen des Ortsnamens

1324    Erthusen (Staatsarchiv Würzburg Amöneburger Kellereirechnungen)
1370    Erthusin, im Amt Blankenstein
1502    Erthussenn
1630    Erdthaussenn
1324    Erdhausen
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Vorgeschichtliche Funde und Bodendenkmäler

Zwei Streifensysteme liegen westlich der Höhe 396. Eins wird von der Alten Schneeberger Landstraße im Ort zerschnitten. Unterhalb davon liegt nahe der Straße eine kleine ebene Fläche. Darauf wurden vor einiger Zeit im Gestrüpp frühmittelalterliche Keramikscherben gefunden. Es gibt außerdem in der Nähe einen Hügel (40 cm hoch), dessen Bewuchs aus Disteln und Brennesseln darauf hinweist, daß es sich um einen sehr alten Abfallhaufen handeln kann.
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Aus der Geschichte Erdhausens

Die Mühle von Erdhausen (molendinum in Erthusen) hatte im 14. Jahrhundert Abgaben an den Erzbischof von Mainz zu leisten und lieferte diese bei dem sog. Keller auf der Amöneburg ab. Da der Kellermeister ab 1324 genaue Aufzeichnungen über diese Einnahmen machte, finden wir bei ihm den ältesten Nachweis über das Dorf. Die Mühle bestand bereits 1261. Am 22. März jenes Jahres verpfändeten nämlich die Herren der Burg Blankenstein, Ernst von Rodheim und Gottfried von Rotenstein, der Landgräfin Sophie als Sicherheit für versprochene Dienstleistungen 20 Talente von ihren Gütern, darunter auch zu "Bruchmühlau" und es ist zu vermuten, daß es sich dabei um die Erdhäuser Bruchmühle handelte. 1370 erscheint ,Erthusin' in den Zinsregistern des Deutschen Ordens, der hier Besitz hatte. Ein ausführliches Beforchungsbuch des Ordens beschreibt 1556 nicht nur alle Grundstücke, sondern auch ihre Lage und nennt die ältesten Flurbezeichnungen des Dorfes.
Um 1400 war Erdhausen mit 25 Hausgesäßen das zweitgrößte Dorf des Blankensteiner Untergerichtes. Dann stieg die Zahl bis zum 30jährigen Krieg beharrlich an. 1502 waren es 20,1577 35, 1600 44 Gehöfte.
Das Dorf war schon um 1400 nicht mehr rein landwirtschaftlich orientiert. Von den 22 Haushalten waren nur zehn, die man als Vollerwerbsbauern ansehen könnte. Unter den übrigen gab es drei Knechte, einen Hirten und einen, der sich offensichtlich als Torwächter auf dem Blankenstein verdingt hatte (eyn wechter uff dem Huße). Die anderen konnten sich zwar bei etwas eigenem Grund und Boden als Saisonarbeiter verdingen. Es deutet jedoch die hohe Zahl von Nichtlandwirten auf anderweitige Erwerbsmöglichkeiten, wie z. B. Bergbau, hin. Außerdem darf man nicht vergessen, daß das Dorf an einer Nord-Süd-Straße lag, die im 13. und 14. Jahrhundert besondere Bedeutung erhielt, weil sie die für den Landgrafen besonders wichtige Verbindung zwischen den Burgen Hermannstein, Königsberg, Blankenstein hin bis Biedenkopf und später zwischen den Ämtern Blankenstein und Königsberg aufrecht erhielt.
1586 gab es 28 Häuser und zwei leerstehende. Acht Bauern hatten drei Pferde, sieben zwei und einer ein Pferd. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe hatte sich also durch Teilungen oder Rodungen beträchtlich erhöht. Im Dreißigjährigen Kriege, im Jahre 1630, gab es immerhin noch 27 Gehöfte mit 30 Pferden. Acht Anwesen waren ohne Pferde.
Der Dreißigjährige Krieg brachte sehr viel Unheil. 1633 entstanden hier Kosten durch Kriegslieferungen, Beschlagnahmungen, Plünderungen und Zerstörungen in Höhe von 630 Talern und 5 Albus. Es waren die weitaus höchsten im ganzen Untergericht. 18 Gehöfte büßten ein:
4 Pferde, 22 Rinder (groß und klein), 4 Schweine, 3 Bienenstöcke, 187,5 Mött Korn, 3,25 Mött Weizen, 42 Mött Gerste, 9 Mött Erbsen, 3 Mött Wicken, 12 Mött Heidelkorn, 112,5 Mött Hafer und 74 Wagen Heu. Die Gesamtsumme aller Schäden durch Abgaben, Plünderungen und Zerstörungen an 18 Gehöften betrug 630 Taler 5 Albus.
Wie es den Menschen in dieser Zeit erging, zeigt die Aussage des Bauern Caspar Rüffel: Seine drei Reiter haben "ihn genötigdt er solte ein maß bier uff ein mahl austrinken, weil er aber solches nichtt vermochtt were err hart geschlagen worden, hetten ihn auch nicht wollen gehen lassen, bis er endtlich hinden über das dach herauß kommen, hette sich nitt wieder dortten sehen lassen .
Sagdt sein reuter hetten ihm undt seiner hausfrawen dermaßen zugesetztt das sie mitt den Kindernn ausreissen müssen. Da were Nicolaus Rodtt undt die magdtt im hause gepliebenn, die Reuter aber hetten Nicolausen vor die schin getretten das ihm das blutt zun schuen hineingelauffen, solten die magdtt genötigdt haben, wisse aber aigentlich nitt obß geschehen oder nitt".
1635/36 schleppten Söldner die Pest aus Niederhessen hier ein. Von 64 bedepflichtigen Erwachsenen starben 26. Von den 29 Häusern standen 16 leer oder wurden nicht mehr bewirtschaftet.
Ständig zogen Truppen durch und requirierten und plünderten. 1640 wurde ein Schreckensjahr, das den Überlebenden noch lange in Erinnerung blieb. Eigentlich fing es schon 1639 an. Eine schwedische Kompanie hatte in Erdhausen 14 Wochen lang im Quartier gelegen. Die Belastungen waren ungeheuer: Da aber die Soldaten in den eigenen Unterkünften nur selten plünderten, blieb das Dorf wenigstens davon weitgehend verschont. Im Frühjahr 1640 kamen schließlich weimarische und dann befreundete kaiserliche Truppen. Was die letzteren im Einzelnen anstellten, wurde durch eine Kommission Gehöft für Gehöft genau ermittelt. Abgaben und Schäden betrugen diesmal bei den 19 Betroffenen 1439 Reichstaler, 18 Albus, 6 Pfennige.

Erdhausen im Jahre 1930
Dorfansicht von Erdhausen um 1930
Aufn.1933

Im Jahre 1648, gegen Ende des langen Krieges, nachdem kurz vorher noch der unselige Hessenkrieg hier in der Gegend getobt hatte, standen von 33 Häusern 20 leer. Von diesem Schlag erholte sich das Dorf viele Jahrzehnte lang nicht, und es bedurfte vieler Anstrengungen, um den alten Stand wieder zu erreichen.
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Das Wachstum nach dem Kriege:

Häuser
1666
1700
1750
1780
1810
25*
31
37
36
40
*davon fünf unbewohnt

Einwohner
1834
1846
1900
1939
1946
1961
1970
320
396
471
660
970
880
928

1961 arbeiteten 105 Personen in Land- und Forstwirtschaft, 237 im produzierenden Gewerbe, 57 in Handel und Verkehr und 34 im Dienstleistungsgewerbe und in sonstigen Berufen.
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Aus der Chronik von Erdhausen

Im Frühling 1957 beginnt der Schreiber Lehrer i. R. Albert Damm, seinen Eintrag stimmungsvoll, wie man es nicht oft in Chroniken findet: "Nach den wolkigen, düsteren Regentagen der vergangenen Zeit wurde der Welt heute ein herrlicher Frühlingstag beschert. Die Sonne stand hoch über dem Berg, und ein warmer Südwestwind wehte durch unser Tal. Die Koppe, deren kahle Bäume bei darüberziehenden Wolkenschatten violett schimmern, wird von grünenden Äckern und frischgrünen Wiesen umsäumt. Die Schneeglöckchen in den geschützten Dorfgärten sind schon abgeblüht. Sie haben in diesem Jahr keinen Schnee gesehen. Ein Kind trug heute sein erstes Veilchensträußchen. Gelb leuchten die Blüten des Huflattichs an dürren Wegrainen, und die Masse der Gänseblümchen hat sich im Grase versteckt... Im Dreisberg hörte ich die Ringeltaube locken. Alle Blüten drängen zur Entfaltung, und in dieser Stimmung soll diese Chronik von Erdhausen begonnen werden..." Die Chronik umfaßt die Jahre von 1880 im Rückblick bis 1957 und dann weiter bis zum Jahre 1968.
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Herbst: 1881 - Gründung des Gesangvereins

Auch hier beginnt der Chronist mit einem Stimmungsbild, das uns recht anschaulich die Zeit vor hundert Jahren beschreibt: "Das Crummet der Wiesen im Salzbödetal lagerte in den Scheunen, und die Kartoffeln von den nicht sehr fruchtbaren Hängen der Berge waren in die niedrigen Keller der Bauernhäuser gebracht worden. Friedlich träumten diese am schützenden Hang des ,Berges' dem Winter entgegen. Auf den Brachäckern weidete die Schafherde. Die Straßen und Gassen des Dorfes sahen um diese Jahreszeit nur noch wenige Fuhrwerke. Von Gießen her führte die alte Schneebergstraße ins Dorf, und die Kolonialwarengroßhandlung Tribus und Sundheim aus dieser Stadt versorgte noch einmal vor Einbruch der kalten Jahreszeit den einzigen Laden des Dorfes, und die Walfischbrauerei Balbach aus Biedenkopf belieferte ab und zu die beiden Gastwirtschaften Lenz und Weigand. Das Dorf hatte damals 380 Einwohner; der Mehrzahl nach waren es Bauern. Die Aurorahütte bestand noch nicht, und der nächste Bahnhof war Fronhausen a. d. Lahn. So lag das Dorf fern vom Verkehr und der Unrast unserer Tage, in den Spätherbstnebeln des Tales am Fluß der schon mit Reif bedeckten Koppe. Da kamen an den langen Abenden einige Männer des Dorfes auf den Gedanken, am Wochenende zusammenzukommen, um zu singen und den Lehrer des Dorfes, Herrn Jost Premer, zu bitten, die Leitung eines zu gründenden Vereins zu übernehmen. Dieser, selbst ein musikalischer und sangesfreudiger Herr, er klärte sich dazu bereit. So konnte schon am 7. Januar der Gesangverein gegründet werden. Nach einer Niederschrift von diesem Tage waren es 33 aktive Mitglieder." Vom Zweck des Vereins kündet § 1 des aufgestellten Statuts: "Gesittung und Förderung edler Gesinnung durch Ausbildung des Gesangs und die sich daran knüpfende Vereinigung zum Genusse erhebender gesellschaftlicher Vergnügungen." Das erste öffentliche Auftreten fand am 10. November 1883 statt. An diesem Tage wurde die breitästige Linde zur Erinnerung an Dr. Martin Luthers Geburtstag vor 400 Jahren an der alten romanischen Kirche gepflanzt.
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Straßen, Wege und Eisenbahn

Über den Zustand der Wege und Straßen in früheren Jahrhunderten macht man sich heute kaum Vorstellungen. Auch nicht über den Verkehr. Es ist deshalb verdienstvoll, daß der Chronist die Verhältnisse vor hundert Jahren aus der Erinnerung detailgetreu schildert: Die Straße durch das Dorf, die jetzige Hauptstraße, wurde vor 60 Jahren (also um 1900) nur von den Kuh- und Pferdegespannen der Bauern befahren, die Ärzte in Gladenbach - der alte Dr. Zinser, Dr. Haun, Dr. Gehring und später Dr. Kaltenschnee - besuchten die Kranken, indem sie mit Kutschen - Chaisen - die Straße benutzten. Freitags kam der Sandmann, von dem jede Haushaltung eine gewisse Menge weißen Sandes kaufte, der am Sonnabend in die gekehrte und dann geputzte Stube gestreut wurde, wo er die Woche über liegen blieb. Hin und wieder wurden die beiden Gastwirtschaften des Dorfes - Lenz und Weigand - von der Walfischbräu (Balbach) von Biedenkopf beliefert. Eine Gießener Firma, von der alten Schneebergstraße herkommend, brachte dem einzigen Kolonialwarenhändler des Ortes (Prinz) Kolonialwaren. Es war immer eine Freude für die Kinder, besonders für die Jungen, wenn eine Chaise durch das Dorf rollte, und die Verwegenen unter ihnen erfaßten den richtigen Augenblick, um sich an das Gefährt zu hängen, um ein Stück gratis - vom Kutscher unbemerkt - mit genommen zu werden. Wenn im Winter der Schlitten von Dr. Haun oder dem Fabrikanten Müller, Gladenbach, mit Schellengeläute daherfuhr, so wußten die Dorfjungen genau, wer da gefahren kam, seien es die Genannten oder andere. Diese wenigen Fahrzeuge konnte man sich schon merken. Und im Winter wurde die Straße zur Rodelbahn. Start war bei den letzten Häusern im Oberdorf, wo die Straße nach Rodenhausen abbiegt. Dann jagten die Kinder in Kastenschlitten - oft mehrere zusammengebunden - bis an den Röhrenbrunnen oder gar weiter. Aber beim Feierabendläuten verschwanden alle schlagartig. Jetzt hieß es Schulaufgaben machen. Beim Licht einer Petroleumlampe - nicht zu vergessen! Im Frühjahr bot die Straße andere Attraktionen: Da trabte eine Reiterschar durch das Dorf. Es waren die Gestütswärter von Dillenburg. Sie brachten ihre Hengste zu den einzelnen Deckstationen, z. B. nach Gladenbach. Auch ein Erdhäuser war unter den stolzen Reitern: Ruppert Hannes.
Er hatte bei den Husaren gedient und verstand sich auf Pferde und Reiten.

Noch etwas zur Instandhaltung der Straße, ein oft lästiges Kapitel für Gemeindeverwaltung
und -vertretung. Denn hier galt es zu berappen, was man lieber an anderer Stelle ausgegeben hätte. "Aus den Rachelshäuser Steinbrüchen wurden die Grünsteine angefahren und in Abständen am Rande der Straße auf gesetzt. Die Steinklopfer - die meisten waren aus Runzhausen - hatten eine tagelange und schwere Arbeit, um das harte Gestein hinter großen Drahtgittern zu zerkleinern.
Diese Klopfsteine wurden auf die Straße gestreut und mit ,Kummer' aus der Kummerkaute des Jakob Lenz bedeckt. Die Befestigung besorgte die Dampfwalze. ,Ohl-Limburg' war auf ihr zu lesen. Aber diese Schotterstraßen sind nicht mehr." Nicht reibungslos ging es mit der Straße nach Rodenhausen ab. Der Wegmeister Oehs hatte nach Meinung der Gemeindevertretung des Guten zuviel getan. Er hatte so gut gebaut, daß die Kosten auf 1500 Mark gestiegen waren. Das sei nötig gewesen, verteidigte er sich, die Straße sei total abgefahren gewesen. Der Gemeinderat sah das ganz anders: "Man ist der Ansicht, daß die Straße noch in gutem Zustand war, zumal nur einmal in jeder Woche ein Fuhrwerk von Rodenhausen die Straße passiere, und wenn es 100 Fuhrwerke wären, so würde sie doch in gutem Zustand bleiben." Erdhausen war für übergeordnete Verwaltungsinstanzen oft ein schwieriger Partner. Kontroversen waren nicht selten. Immer wieder liest man in der Chronik bei den verschiedensten Projekten: Der Antrag des ... (z. B. Kreisvorsitzenden). . . wird abgelehnt!"
Auch der Kreisausschuß kriegte "sein Fett ab":  "Der Kreisausschuß" - so das Protokoll vom 4. Sept. 1908 - hat uns gezwungen, die alte Schneebergstraße mit einer Decke zu versehen, die 13000 Mark gekostet hat, was wohl gar nicht erforderlich gewesen, weil die Straße, welche fast gar nicht befahren wird, noch in immer gutem Zustand war . .  . " Aus finanziellen Gründen lehnt die Gemeindevertretung in derselben Sitzung auch den Antrag des Kreisvorsitzenden ab, Erdhausen solle 2000 Mark noch für den Grunderwerb für die Eisenbahn Weidenhausen - Herborn geben. Grund für die Ablehnung: "Alle Gemeinden, die an der Bahn liegen, haben Bahnhöfe oder Haltestellen erhalten. Wir haben unsere Haltestelle selbst bauen müssen für 3000 Mark. Der Platz dazu ist auch gestellt worden und hat kein Mensch nichts dazu gegeben". Punktum.
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Aus dem Feldfrevelbuch

In mancher Chronik- sei es für Gemeinde, Kirche oder Schule - gibt es Listen über Frevel und Strafen, die früher im Alltag eine große Rolle spielten, heute aber nicht mehr Mode sind oder gering geachtet werden: Geldbußen und Extradienste in Gemeinden und Kirchen, körperliche Strafen in Schulen (vgl. Kap. über Weitershausen und Bellnhausen).

Vergehen in den Jahren 1842 bis 1867

In einer Tabelle der Erdhäuser Chronik sind fein säuberlich festgehalten:
Zeit und Tag, Name und Wohnung des Angeschuldigten, Vergehen, Name des Geschädigten, Höhe des Schadens. Strenge Sitten herrschten.
Was wurde beanstandet? Wir lesen: Da ist einer einen verbotenen Fußpfad ,,hinter den Krautgärten" mit einer Last Holz gegangen. Ein anderer ist mit dem geschleiften Pflug über den mit gelben Rüben besamten Acker "im Feldbach" gefahren. Einer hat gegen des Großherzoglichen Bürgermeisters Gebot zwei Stiere "an der Boestert" gehütet, im besamten Feld, ohne sie "gekoppelt zu haben". Zwei Schulkinder haben ihre Schweine von der Herde nach Hause treiben wollen. Die sind aber flüchtig gegangen und haben auf einem Acker auf dem "Helgenstock" einige Kartoffelstauden beschädigt. Die Ziegenhirtin wiederum hat am 12. Nov. 1843 zwei Ziegen in die "Hebwiese" gehen lassen, die noch nicht abgeerntet war. Selbst der Großherzogliche Bürgermeister Lenz ist eingetragen: Er hat in der Wiese bei der Brücke sein Pferd geführt. Dabei hat er die dasige Wasserkannel weggeschleift. Der letzte eingetragene Frevel schließt die Tabelle folgendermaßen ab: Es hat Jakob Reinhart Will den Dekan Korndörfer geschädigt, weil sein Knecht von einem abgeernteten Acker 90 Fuß lang und 11/2 Fuß breit mit dem Pflug abgeackert hat, der mit 2 Pferden bespannt war, auf dem "Streitland".
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Aus harter Zeit - Kriegsgefangenschaft 1917 und Vertreibung 1945

Die Schrecken des Krieges finden wohl in den Chroniken vergangener Jahrhunderte überall große Beachtung: Plünderung, Besatzungsschäden, Tote, Verwundete, Invalide, Vertriebene. Hier zeigen sich die Folgen konkret am Einzelfall. Hier geht nichts in der großen Zahl und der großen anonymen Masse unter. Die Chronik verzeichnet den Namen. In den zwei Weltkriegen unseres Jahrhunderts sind Gefangenschaft und Vertreibung das Schicksal von Millionen gewesen. Sie haben für die Betroffenen und ihr Umfeld das Leben verändert.

Sie sind zu prägenden Erlebnissen und zur Anklage gegen den Krieg geworden, besser vielleicht: gegen die, die Krieg verursacht haben; denn Krieg ist keine Naturkatastrophe, die wie ein Unwetter losbricht, wenn auch alte Chroniken ihn oft so sehen haben, Krieg wird von Menschen gemacht. Im Krieg werden Menschen gegeneinander gehetzt, die persönlich einander nicht feind, wohl aber durch Befehl und Propaganda zum "Feind" gemacht sind. Dieses Aufbauen von Feindbildern und Verherrlichen des Tötens von Feinden ist wohl das schrecklichste und gefährlichste Element in der Geschichte der Menschheit. Einträge in Chroniken, die uns das "vor Ort" deutlich machen, sind für die Lokalgeschichte deshalb unentbehrlich. Aus der Erdhäuser Chronik sollen einige Eintragungen eines Einwohners für die Erlebnisse vieler anderer stehen. Im Tagebuch heißt es unter dem 4. Oktober 1917, am Tag der dritten Flandernschlacht: ,,Poperinghe. Wir marschieren an der Spitze eines langen Zuges von Gefangenen, überall begafft von an den Straßen stehenden Tommys. Es fängt an zu regnen, die langen Stiefel werden von dem Klatschen der Mantelenden wieder blank. Erst am späten Nachmittag erreichen wir ein Zeltlager in der Nähe von Poperinghe; wir selbst lagern in einem offenen Bretterhäuschen. Jeder erhält 2 Decken. Vor dem Regen sind wir geschützt. Die Nächte aber sind kalt, und am Morgen ist der Körper steif. Aus einem Pappkarton können wir Schiffszwieback essen, der mittags auch in der Suppe ist." Die Engländer sind auf Souvenirs erpicht und tauschen gegen Weißbrot und Marmelade, Corned beef und Zigaretten ein: Gas masken, Orden, Achselstücke. Es geht dann bald nach Le Havre weiter, von da aus nach England. Es ist der 9. Oktober 1917. "Untersuchung, Entlausung, Kaffee, Zwieback. Nächtlicher Aufstieg, denn das Lager ist auf einer Anhöhe. Im Grunde und in der Weite flimmert ein Lichtermeer. - Es regnet. Endlich sind wir oben! In einem großen Zelt werden wir für die Nacht untergebracht. Der Sturm biegt es hin und her; es regnet wie aus Gießkannen. Aber wir schlafen. Die ,Hunnen' schlafen. Es beginnt eine Woche des Hungerns und Wartens. Am 16. Okt. fährt die ,Undine' über den Kanal nach Southampton. Wir sind in England!"
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Bericht eines Heimatvertriebenen

Als im Frühjahr 1945 der Einmarsch der Russen in Teplitz-Schönau/Sudetenland erfolgte, war der Krieg für die Sudetendeutschen zu Ende, aber "gleichzeitig war es der Anfang eines Leidensweges für uns, der wohl für 70 bis 80% der Deutschen fast schlimmer war als der Krieg selbst. Es kamen die sogenannten Partisanen, meistens aus dem Innern der Tschechoslowakei, und ergriffen die Gewalt; von diesem Zeitpunkt an galten alle Deutschen als vogelfrei. In fast jeder Straße gab es ein oder mehrere Familien, die den Freitod als Erlösung vorzogen. Als erstes wurde nach den Funktionären der NSDAP gesucht, doch von diesen hatten die meisten schon vor dem Einmarsch der Russen das Weite gesucht. Dann wurden alle deutschen Betriebe, Fabriken, Geschäfte usw. enteignet und Kommissare eingesetzt, als nächstes mußten alle Reichsdeutschen, die nach 1938 im Sudetenland eingesetzt wurden, das Notwendigste in Rucksack oder Koffer verpacken, ihre Wohnungen verlassen und wurden gesammelt über die Grenze abgeschoben.
Unterdessen hatte bereits eine Verhaftungswelle der NSDAP-Mitglieder und der Angehörigen der Unterorganisationen begonnen. Gleichzeitig begannen die Partisanen von der Außenstadt aus den Häusern und nach der Stadtmitte zu, die gesamten Deutschen aus den Häusern und Wohnungen zu treiben. Das begann meistens um 6.00 Uhr früh, so daß die meisten, aus dem Schlafgeweckt, nur mit dem Notwendigsten bekleidet, mit Rucksack oder Packerln versehen, die Wohnungen verlassen mußten. Sie wurden durch die Straßen getrieben und auf dem Hauptplatz gesammelt. Dort wurden alle noch einmal durchsucht. Alles Wertvolle wurde weggenommen, ja manchen wurden sogar Mantel und Schuhe ausgezogen. Dabei spielten sich oft sehr traurige Vorfälle ab. Dann wurden diese Opfer in langen Kolonnen nach Zinnwald über die Grenze getrieben, so daß viele - ob mit oder ohne Kinder - kaum mit dem Notwendigsten versehen, auf deutschem Boden - sich selbst über lassen - dastanden. Es war das reinste Viehtreiben mit Menschen.
Der Bericht spricht weiter von Verhaftungen, Überfüllung der Gefängnisse (20-30 Personen auf 12 m2), der Errichtung von Lagern. Als die Partisanen durch Polizei ersetzt wurden, verlief alles etwas humaner. Die Arbeitsfähigen wurden zur Arbeit im Bergbau und in Fabriken verpflichtet. Deutschsprechen auf der Straße war verboten. Alle Deutschen trugen weiße Armbinden und mußten abends ab 18.00 von der Straße verschwunden sein. Im Herbst wurden dann endlich Transporte zusammengestellt, die mit der Bahn nach Deutschland gehen sollten. Der Transport erfolgte nach langem Warten "in geschlossenen Viehwägen zu je 30 Personen mit Gepäck (50 kg pro Person, 500 -1000 Mark Reisegeld)." Der Schreiber des Berichts kam mit seinen Angehörigen am 10. Mai 1946 ins Lager und wurde mit der Bahn am 13. Mai in Richtung Bayern ab transportiert. Nach tagelangen Irrfahrten gelangte der Transport - aus 40 Waggons bestehend - in Wilhelmshütte an.
Dort wurde er geteilt: 20 Waggons gingen weiter nach Biedenkopf. Die anderen 20 Waggons wurden entladen. Die Insassen mit Lastwagen in das ehemalige RAD- Lager in Gladenbach gefahren. Von dort wurden die Heimatvertriebenen nach acht Tagen Lagerleben in die einzelnen Gemeinden in der Nachbarschaft verteilt.
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Schlußwort des Chronisten

Am Ende des Jahres 1968 schreibt Lehrer i. R. Albert Damm, dem wir die Chronik Erdhausens verdanken: "Damit beendet der Chronikschreiber seine Eintragungen, die er im Jahre 1957 begann. Er ist nun 80 Jahre alt geworden und hat ein Recht darauf, sich dieser Arbeit zu begeben. Der Minister Schneider hat bei der Einweihung des Bürgerhauses dem Bürgermeister eine schöne Chronik überreicht, deren Seiten noch zu füllen sind. Ich wünsche dem nachfolgenden Chronisten Freude bei seiner Arbeit." Wenn er dann noch sagt, daß seine Chronik im Laufe der kommenden Jahre immer mehr an Wert gewinnt, dann können wir nur bestätigen, daß er recht hat und daß seine Chronik ein schwer zu erreichendes Vorbild für die Nachfolger darstellt.

Alte Kirche in ErdhausenAlte Kirche in Erdhausen. Foto: K.-H. Werner
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Zeittafel Erdhausen
 
1837-1838 Bau der Reichsstraße (später B 255)
1881 Gründung des Gesangvereins
1883  Erstes öffentliches Auftreten des Gesangvereins bei Pflanzen der Linde neben der (alten) Kirche zur Erinnerung an Luthers Geburtstag vor 400 Jahren
1886 Errichtung eines handwerklichen Betriebes durch Jost Zimmermann (Modellbau) und Errichtung der Aurorahütte.
1894 Bahnlinie Niederwalgern - Weidenhauen in Betrieb genommen
1903 Straßenbau Rodenhausen bis zur alten Schneebergerstraße
1808-1809 Bau der neuen Schule
1920 22. Mai (Pfingstsamstag): Zum ersten Mal brennt elektrisches Licht
1921 4. Sept.: Einweihung des Denkmals für die Gefallenen und Vermißten des (ersten) Weltkrieges.
Gründung des Sportverein Kickers 1921
1927 Bau der Wasserleitung "bis in den Keller"
1928 17. März: Großes "Wasserfest'
1930 Verrohrung des Dorfbaches
1935 Beschluß der Gemeindevertreter: "Die Genehmigung zur Benutzung des für die Schule angeschafften Radios muß beim Bürgermeister ein geholt werden."
Ehrenbürger werden Herr Colnot, Herr Fenner und Frau Dr. Stirn, geb. Wehrenbold.
Die Schneebergstraße wird geteert.
1936 Einführung des Hand- und Spanndienstes, der sich dann beim Bau der Volkshalle bewährt
1938 Bau der Volkshalle mit erheblicher Eigenleistung der Gemeinde
1942 Die Glocke von 1730 (aus dem Kirchturm) wird abgeholt, kommt auf den Glockenfriedhof in Hamburg (kehrt 1948 zurück).
Erbauung eines Beobachtungsturmes für Feuermeldungen auf der Koppe
1945 28. März: Die ersten amerikanischen Panzer rollen durch den Ort
1946 Die ersten Heimatvertriebenen (Sudetenland, Ostdeutschland) kommen an. Bis zum Jahre 1950 steigt die Einwohnerzahl auf 684 Personen an
1948 gest. am 1. Mai: Karl Lenz, letzter hessischer Bauernmaler
1956 Erdhausen tritt dem Forstbetriebsverband Mornshausen bei
1959 Planungen für den Bau einer neuen Kirche
1962 Ankauf einer neuen Motorspritze, Beitritt zum Müllabfuhrverband und zum Abwasserverband mittlere Salzböde
1963 Erster evangelischer Gottesdienst im Rohbau der neuen Kirche
1964 Lieferung von drei Glocken durch die Fa. Rincker (davon zwei alte Glocken aus der bisherigen Kirche). 31. Mai: Einweihung der neuen Kirche
1965 Einweihung des Kinderspielplatzes, neue Orgel für die Kirche
1966 Die Oberstufenschüler der Hauptschule besuchen jetzt die Mittelpunktschule in Gladenbach (Freiherr-vom-Stein-Schule), Unwetter über dem Salzbödetal (Dachschäden, Baum- und Gartenschäden) im Juni
1968 Bau eines neuen Turms auf der Koppe, da der alte in den 50er Jahren zusammenbrach
1967 Gründung des Schützenvereins Erdhausen
1968 Einweihung des Bürgerhauses (nach Umbau der Volkshalle)
1983 Der Erhäuser Turm brennt vollständig ab.
1987 Einweihung des neuen Aussichtsturms auf der Koppe

Ortsmitte Erdhausen
Ortsmitte Erdhausen                                Foto: Bernd Nassauer 28/06/2000

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Quelle: Blume/Runzheimer Gladenbach © 2001, Bernd Nassauer, Gladenbach
Home URL: www.stadt-gladenbach.de