Die Baugeschichte der Martinskirche
Schlussbetrachtung von Bernhard Dreier
MartinskircheDie Seitenschiffe der Kirche haben wenig Besonderheiten aufzuweisen. Das nördliche Schiff hatte im vorderen Bereich einst eine Bankreihe und eine erhöhte Bühne mit Treppe.
In einer Rechnung von 1726 heisst es: »Unter der Abseite saßen die Leute unter dem windigen Dach, Bretter brachten Abhilfe«. Weiterhin dienten diese Raumteile den verschiedenen Treppenaufgängen zu den Emporen. An drei verschiedenen Stellen standen Öfen mit je einem Schornstein, bis 1903 die erste Koksheizung eingebaut und mit einem Rost abgedeckt wurde, damit die Warmluft nach oben ziehen konnte. Im Renovierungsjahr 1954 wurde zusätzlich ein Luftkanal mit Ventilator eingebaut. Bei der Umstellung auf Öl war ein grundlegender Umbau nötig.
Seit dem durchziehen Heizkanäle den Fußboden, drei Warmluft-Austritte und entsprechende Ansaugstellen für Frischluft verbesserten den Umlauf der warmen Luft. Dort wo sich heute die Sakristei befindet, war der Pfarrstuhl, mit einem Gitter zum Kirchenraum abgetrennt, das 1921 durch eine feste Wand ersetzt wurde.

Das Fenster der Sakristei wurde 1954 oder 1956 neu bleiverglast mit der Darstellung des Martin von Tour, der seinen Mantel mit dem Bettler teilt.
Im südlichen Seitenschiff ist auf den Ostausgang hinzuweisen, der außen die Jahreszahlen 1717 bis 1921 trägt. Im Jahr 1717 ist in den Rechnungen des Kirchen-Bau und Almosenkastens eingetragen: »Vor eine neue Kirchentür und einen Boden im Pfarrhaus zu machen 13 Gulden und 15 alb.«
Die andere Jahreszahl deutet auf das Renovierungsjahr 1921 hin, in dem die Sandsteinumrandung dieser Tür hergestellt wurde. Über diesem Ausgang ein zweiteiliges gotisches Fenster, bleiverglast mit der Darstellung des Engels vor
dem Paradiestor und daneben Christus als Sieger über den Drachen. Entwurf
und Gestaltung stammen von E. Klonk aus Marburg.
Die jeweils drei Fenster in den Seitenschiffen haben nicht die ursprüngliche
Lage und Größe.
Sie sind zu unbekannter Zeit mit Gewänden neu angelegt worden.
Wahrscheinlich zu verschiedener Zeit, denn sie haben auf der Südseite
groessere Abmessungen.
 
Martinskirche Orgel und Glocken

Über die Orgel, die nach ihrer Restaurierung am 16. April 1967 in Dienst genommen worden ist, gibt es eine Festschrift, aus der man alles entnehmen kann, was bisher erforscht ist.
Die drei Stahlglocken von 1920 sind in den Hinterländer Geschichtsblättern (55. Jahrgang, Seite 45) samt ihren Vorgängerinnen beschrieben. Ihre Inschriften rufen die Gemeinde mit den Worten:
»Steh fest im Sturm der Zeit/Gesegnet sei dein Leid/ Denk an die Ewigkeit«.

Gräber und Grabsteine

Es gab früher Begräbnisse in der Kirche. Wie das Kirchenbuch von 1678 ausweist, wurde der Rentmeister Keipp in der Kirche beigesetzt.
Wahrscheinlich auch seine Frauen aus zwei Ehen 1668 und 1672. In den Rechnungen des erwähnten Kirchbau-Kastens erscheinen 1736 bis 1738 Ausgaben für das Auffüllen von Gräbern und das Heben von Sandsteinplatten
in der Kirche.
In diesen Rechnungen kann man allerlei Arbeiten ablesen, zum Beispiel :
1712: »Neues Kirchentor, 2 Türen am Kirchhof ausbessern.«
1723: »Verehrt Registrator Malcomesius ein leinwandten Altartuch mit
schwarz und weißen Franzen.« Besagtes Altartuch erscheint dann jedes Jahr
in dem aufzustellenden Inventarium der Kirche.
Die Grabsteine im Vorraum können nur teilweise bestimmt werden, denn sie wurden 1879 und 1954 in die Kirche gestellt und sind entsprechend verwittert. Links vom Haupteingang für Pfarrer Johann Georg Buff, einem Onkel von Charlotte Buff aus Wetzlar, gestorben 1773.
Auf der anderen Seite ein Grabstein für Pfarrer Heinrich Christoph Dornseiff, gestorben 1776.
Beide Steine stammen aus einem Kalksteinbruch bei Oberbiel und stehen seit 1879 hier.
Drei weitere Sandsteine sind vermutlich Pfarrer Werner und zwei Rentmeistern gewidmet und 1954 hier aufgestellt.

Quellen: Beschreibung der Kirche durch Pfarrer K. Kastner um 1955; Kirchenrechnungen von 1879; 1887 und 1921; Rechnungen des Kirchen-Bau u. Almosenkasten zwischen 1700 und 1748.