Die Naumburg auf der Lammerich
Die Naumburg – Burg oder Herrensitz?
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Ringwall auf der Lammerich
Ringwall auf der Lammerich

Nach der Chronik des Wigand Gerstenberg soll es in Gladenbach eine weitere Burg gegeben haben. Landgräfin Sophie habe sie nach der Zerstörung des Blankenstein auf einem benachbarten Hügel angeblich als Gegenburg errichtet. Die Burg habe man "Neue Burg" oder Naumburg genannt. Sie sei jedoch niemals fertiggestellt worden.

In Gerstenbergs Chronik steckt aber so manche Ungereimtheit und auch dieser Bericht erweckt große Zweifel. Da soll die Landgräfin 1248 den Blankenstein zerstört und sofort mit dem Bau einer Gegenburg begonnen haben, obwohl sie doch ihre Gegner gerade vertrieben hatte und die rechtmäßigen Besitzer ihre Anhänger waren. Mit geringen Mitteln hätte sie die alte Feste schneller wiederaufbauen können. Das klingt wenig überzeugend.

Tatsächlich finden sich heute noch auf der Lammerich, einem verhältnismäßig flachen Hügel südwestlich von Gladenbach, dessen Gipfel Naumburg genannt wird, Reste einer alten Befestigungsanlage.
Ein Ringwall und ein 2 Meter tiefer und 7 Meter breiter Graben schützen ein Plateau von ca. 47 Metern Länge und 22 Metern größter Breite. Planmäßige Ausgrabungen wurden bisher nicht vorgenommen.

Bei Versuchsgrabungen fanden sich 1954 Scherben aus dem 13. und 14. (?) Jahrhundert. Es fanden sich jedoch keine Ruinenreste, und nichts deutet auf Mauern oder einen Turm hin. In älteren Berichten und Urkunden ist davon auch nie die Rede.
 

Ausgrabungszkizze

Auch der gut erhaltene Ringwall spricht gegen eine unvollendete Burg.
Der Wall wäre zweifellos in dieser Perfektion erst nach der Fertigstellung der Anlage errichtet worden, weil er, ebenso wie der gut erhaltene Graben, Baumaßnahmen viel zu sehr behindert haben würde.
Keinesfalls aber hätten Wall und Graben den Abbruch einer teilweise fertiggestellten Burg überstanden. Der Hügel ist ohne Frage für die Anlage einer Befestigung geeignet. Ob für eine bedeutende Burganlage, das muß bezweifelt werden. Er ist von drei Seiten leicht zugänglich, und es fehlt die für Burgen typische Felskuppe. Der Berg ist bei weitem nicht so gut zu verteidigen wie etwa der Blankenstein. Eine herrliche Fernsicht in die Täler des Bornsbachs, der Kehlnbachs und der Salzböde ist sein größter Vorzug.
Was wollte die Landgräfin aber mit einer Burg, die nur schlecht zu verteidigen war und vor allem zu der wichtigen Straße in keinerlei Beziehung stand?

Die Naumburg erinnert viel mehr an den Sitz eines begüterten Geschlechtes, das hier zum eigenen Schutz und zur Unterstreichung seiner Bedeutung um sein Gehöft einen Ringwall errichtete, so wie die Herren von Dernbach ihren Hof im Ahrtal zunächst auch nur mit einem Wassergraben versehen hatten. Solche Befestigungsanlagen errichtete der Ortsadel häufig nach dem Vorbild der "curtis regiae", der Königshöfe, um seine vereinzelt liegenden Gehöfte zu schützen und als Herrensitze herauszuheben. Diese Herrensitze behielten zum Teil noch in einer Zeit, in der sich das Gemarkungsrecht durchzusetzen begann ihre Selbständigkeit. Die Naumburg hatte einst eine solche eigene Gemarkung. Der Zehnte wurde getrennt von dem Gladenbacher Zehnten abgerechnet und stand in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts beispielsweise den Herren von Schwalbach zu, obwohl zu dieser Zeit die Gemarkung Naumburg der Gladenbacher Gemarkung längst zugeschlagen gewesen sein muß.
In einem Rittergeschlecht, das sich nach Gladenbach benannte und vermutlich aus einer Centgrafenfamilie hervorgegangen war, möchten wir die Besitzer der Naumburg vermuten. 

Dieser Ortsadel tritt allerdings erst aus dem Dunkel der Geschichte hervor, nachdem seine Brücken zu Gladenbach völlig abgebrochen waren. Im Jahre 1270 verkaufte ein Ritter Tammo, genannt Remey (Tammo dictus Remey), mit Zustimmung seines Onkels Tammo von Gladenbach seine Erbansprüche auf den halben Zehnten zu Kaldern dem dortigen Kloster. Der Ritter Volpert Kolbe (Kolbo) von Gladenbach verkaufte gemeinsam mit seiner Frau Guda 1294 seinen Zehnten im gleichen Ort. Er bestätigte gleichzeitig die Schenkung des kleinen Zehnten durch seine Eltern Tammo und Luckhard. Einen letzten Hinweis auf diese Familie, von der nur wenige Glieder die alte Herkunftsbezeichnung beibehielten, finden wir in einer Urkunde des Jahres 1329. Adelheid, Witwe Gumperts von Gladenbach, verkaufte zusammen mit ihren drei Kindern eine Gülte im Wert von 4 Schillingen Marburger Pfennige und einigen Naturalien in Friebertshausen.
Die Gladenbacher Ritter müssen schon in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ihren Stammsitz verlassen haben. Falls sie nicht im Geschlecht der Herren von Weitershausen aufgingen, eine Vermutung, zu der gewisse Übereinstimmungen in den Vornamen Anlaß geben, dann traten sie in den Ministerialenstand über und bezogen ihren Wohnsitz in Marburg.
Dort wurden auch alle ihre Urkunden ausgefertigt.
Die Irritationen kommen von der Verwendung der Bezeichnung "Naumburg" für die alte Anlage. Bei genauem Hinsehen taucht diese aber nur bei Gerstenberg auf. Im Volksmund und im Sprachgebrauch des Amtes findet sie keinen Niederschlag.

Dagegen begegnen wir in geschichtlichen Quellen öfters dem Namen "Naumark" für den "Burghügel".
Von der "Naumark" bezogen die Herren von Schwalbach den Zehnten, und in der "Naumark" wurde nach Winckelmann um 1750 nach Zinnober gegraben.
Georg Wilhelm Justin Wagner deutet den Namen einfach als Neuberg und unterstreicht, daß der Hügel, auf dem er außer einem 240 Schritte langen Ringwall keinerlei Mauerreste fand, gewöhnlich "Naumerk" genannt wurde.
Das läßt allerdings auch den Schluß zu, daß nach der Aufgabe des befestigten Hofes dessen Ländereien als "neue Mark" der Gladenbacher Gemarkung einverleibt wurden, und das wiederum täuschte den späteren Chronisten Gerstenberg, der ähnliche Schlüsse wie Wagner von ...merk über ...berg bis ...burg gezogen haben dürfte.