Bei Ausschachtungsarbeiten im Hof des Alten Gladenbacher Pfarrhauses an der vormaligen Schulstrasse, die jetzt nach der Neubenennung »An der Martinskirche« heißt, legte der Bagger im September 1977 ein Massengrab frei. Erste Vermutungen, daß die Knochen und Schädel aus einem Gebeinhaus stammen, haben sich nicht bestätigt. Im Mittelalter dehnte
sich um die Martinskirche der große Friedhof aus, der sich wahrscheinlich
bis zur jetzigen oberen Bahnhofstraße, dem Bornrain und der Marktstraße
hinzog. Der Haupteingang lag da, wo heute das Modehaus Kluska steht.
So benennt man noch
heute verschiedene Wege, die von Kehlnbach, Rüchenbuch und Friebertshausen
zur Kernstadt führen den »Dureweg« (Totenweg).
Ausgenommen von der Bestattungspflicht waren damals die Kinder unter fünf Jahren, die seit der Amtszeit von Pfarrer Stockhausen (1713 - 38) nach der Errichtung eigener kleiner Friedhofe an den örtlichen Kirchen beerdigt wurden. Zurück zum Pfarrhaus
und der Fundstätte. Man vermutet, daß es sich um ein Massengrab
aus der Zeit des 3Ojährigen Krieges handelt. Wie in der Festschrift
zur 700-Jahr-Feier von R. Acker zu lesen ist, hatte die Pest von 1625 bis
1627 und 1635 bis 1637 im Hinterland stark gewütet.
In Rüchenbach
sind von 11 Familien sieben ausgestorben, in Biedenkopf lebten nach der
Pest nur noch 70 Familien und in Gladenbach soll die Epidemie so gehaust
haben, daß man nicht alle Leichen einzeln beerdigen konnte. Die Toten
wurden an Feuerhaken aus den Häusern gezogen und in Massengräbern
bestattet.
(Foto: Acker)
© 2001, Bernd Nassauer, Gladenbach |