Die Geschichte
von Schloss Blankenstein
Schloss Blankenstein
Kupferstich von Wilhelm Scheffer gen. Dilich aus dem Jahre 1605

Zeittafel: 
- um 1150 Erbauung der Burg durch die Ritter von Gladenbach.
- 1237 Die Burg kommt unter den Einfluß des Erzbischofs von Mainz.
- 1249 Eroberung und Zerstörung durch die Landgräfin Sophie von Brabant.
- 1256 Wiederaufbau zum Schutz der Siegener "Hohen Strasse".
Die Burg wird landgräfliches Lehen.
- ab 1300 Die Burg wird vom Landgrafen eingezogen und als Pfand benutzt.
- ab 1398 Sitz der hessischen Amtsverwaltung und Umbau zum Schloss mit für den Landesherren reservierten Räumen.
Am Schloßberg entsteht ein Brauhaus.
- 1471 Landgraf Wilhelm III. wird hier geboren.
- 1478-80 Erzbischof Ruprecht von Köln wird hier gefangen gehalten und verstirbt nach 2 Jahren Gefangenschaft.
- 1526-27 Zufluchtsort für Herzog Ulrich von Württenberg.
- 16. Jhd.,2.Hälfte Bau von Scheunen und Stallungen innerhalb der Ringmauer.
- 1635 Errichtung von Barrikaden vor dem Tor, die Zufahrt wird verlegt.
- 1647 Zerstörung und Einäscherung durch niederhessische Truppen.
- 1648-65 Neubau eines Amtshauses
- 1770 Umzug der Amtsverwaltung nach Gladenbach und Verfall des Schlosses
- ab 1775 Nutzung der Ruine als Steinbruch.

Ruine von Burg Blankenstein
Blick um das Jahr 1800 vom Kehlnbacher Tal auf die Ruine des Blankenstein


Luftaufnahme der Burgruine um das Jahr 1960

Nennungen: 

  • 1261    Blanckenstein
  • 1317    Blankinstein
  • 1334    Blancksteyn
  • 1477    Blangstein
Zur Geschichte: 

In den Jahren 1248 oder 1249 liess es die Landgräfin Sophie von Hessen, Tochter der heiligen Elisabeth, zerstören, weil die Besitzer Beziehungen zum feindlichen Erzstift Mainz unterhielten. Später wurde das Schloss jedoch wieder aufgebaut.

Um das Jahr 1261 war es Aufgabe der Burgherren die öffentliche Strasse von Niederrhein nach Marburg  zu schützen. Mehrfach wechselten die Besitzer und Lehnsherren, bis die hessischen Landgrafen um 1300  einen Amtmann als Herrn der Burg einsetzten. Dieser wahrte die Hoheitsrechte im Amt Blankenstein und später auch im Breidenbacher Grund. Als Grenzburg war der Blankenstein noch im Dreißigjährigen Krieg ein militärischer Stützpunkt, wurde jedoch kurz vor Friedensschluß zerstört.

Auf diesem Amtsschloss hat der Erzbischof Ruprecht von Köln in den Jahren 1478 - 1480 bis zu seinem Tode als Gefangener gesessen. Fünfzig Jahre später wohnte hier Herzog Ullrich von Württemberg. Landgraf Philipp, der Großmütige, hatte diesem aus seinem Lande vertriebenen Fürsten auf dem Blankenstein Asyl gewährt (1526 - 1534). Die Landgrafen von Hessen weilten zur Jagd und Erholung öfters auf dem Schloss Blankenstein. Im Jahre 1471 wurde hier der spätere Landgraf Wilhelm III. und seine Schwester Mechthild, spätere Herzogin von Jülich und Kleve geboren.

Ruine der Burg Blankenstein
Heute steht die Ruine unter Denkmalschutz.
Foto: Bernd Nassauer  28.06.2000

Lage und Befestigung: 

Der Blankenstein liegt ca. 172 km nordöstlich des alten Ortskerns von Gladenbach, direkt über Kehlnbach, dessen Bewohner das Schloß in früherer Zeit mit Wasser versorgen mußten. Rund um den Burgberg führten einst Wege, im Norden der Fahrweg nach Kehlnbach und im Süden der sogenannte Obergerichtsweg, die Hauptverkehrsader zum Obergericht, der heutigen Großgemeinde Bad Endbach.
Die eigentliche Zufahrt zur Burg muß einst sehr steil gewesen sein, denn sie führte vom Hain aus direkt zum Burgtor.
1635, also während des Dreißigjährigen Krieges, wurde sie auf Befehl des Landgrafen Georg von Hessen-Darmstadt entlang des Halsgrabens verlegt und führte in einer Serpentine, die heute noch als Zufahrt genutzt wird, zum Hain. Das Tor selbst schützte man vor direktem Beschuß durch starke Palisaden, deren Schanze heute noch sichtbar ist.'
Der Blankenstein hatte ursprünglich eine eigene Gemarkung, zu der der gesamte Burgberg bis ins Kehlnbacher Tal und der Hain nördlich des alten Weges bis zur Runzhäuser Gemarkungsgrenze gehörte.
Der Amtmann ließ die Felder bewirtschaften, weil ihre Erträge Bestandteil seiner Besoldung waren.

„Ein uraltes Schloß im Ober-Fürstenthumb Hessen eine starcke Meyl wegs von Marpurg. Ligt auff einem kleinen Hügel unnd ist mit starckem Gemäwer wol verwahrt". Mit diesen Worten beschrieb Matthäus Merian den Blankenstein und fertigte vor 1624 eine in Detail und Perspektive vortreffliche Radierung davon an. Bereits um 1600 hatte Wilhelm Dilich eine entsprechende Ansicht vom selben Standort aus gemacht, und da beide Künstler mit größter Präzision arbeiteten, gleichen sich auch die Bilder der beiden ganz verblüffend.

Aussehen und Anlage: 

Wir können uns heute nur durch einen Kupferstich Wilhelm Dilichs aus dem Jahre 1605, der bei dem Turm wahrscheinlich zwei von verschiedenen Standpunkten aufgenommene Ansichten kombinierte, eine genauere Vorstellung von dem Schloß Blankenstein machen. Alle anderen Bilder, auch das spätere von Merian, haben Dilichs Vedutenaufnahme als Vorbild.
Dilichs Schloßansicht stimmt mit einer Beschreibung aus dem Jahre 1585 überein: „Itzt gemelt Schloß mit seinen stellen, scheuren und begrieff. Ist mit einer Ringmauer umbfangen und stehen ein Brauhauß und Scheuer ufm Platz vorm Schloß. welches alles der Renthmeister, so daß Schloß bewohnet, auch darzu gebraucht. Seine fg. halten Järlichs einen Pfortner im Schloß, der die thor uf und zu schleußt, und uf die gefangene wartet ...".
Ein verhältnismäßig gut erhaltener Wallgraben, die im Ansatz erkennbare Ringmauer und Fundament-und Turmmauer ergänzen das Bild Dilichs ebenso wie Reparaturrechnungen und Inventarverzeichnisse des 15.-17. Jahrhunderts. Ausgrabungen haben Bild und Beschreibung weitgehend bestätigt.
Neue Erkenntnisse brachten sie nicht, weil man nach wenigen Spatenstichen sofort auf den blanken Fels stößt. Eine Information jedoch gab das Ruinenfeld her, die man dem dürftigen Beschreibungen nicht entnehmen kann: Ursprünglich stand an der  Stelle des späteren Schlosses eine mittelalterliche Ritterburg mit viereckigem Bergfried. Die Reste dieses Turmes wurden später in einen großen Wohnturm integriert.

(a) Wohnturm, (b) Gesindewohnungen und Stallungen, (c) Zwinger
(d) Ringmauer und Wehrgang, (e) Palas und Pferdestall am oberen Burghof
(f) Torhaus, (g) Halsgraben

Die Innenräume: 

Einem Inventarverzeichnis von 1600 kann man entnehmen, daß das Haus Blankenstein folgende Räume enthielt:
 1. Gemach des Fürsten
 2. die Kammer daran
 3. Erkerzimmer neben der Kammer
 4. kleine Stube neben dem Erker
 5. die 1. Kammer auf dem langen Gang
 6. die andere Kammer
 7. die 3. Kammer, die als Stube genutzt wird
 8. die 4. Kammer
 9. die Küche
10. die Magdkammer an der Küche
11. die Stube neben der Küche
12. die Kammer daran
13. das Speisekämmerlein
14. die Badestube
15. die Schreibstube vor der großen Saalstube
16. die große Saalstube

In dieses Verzeichnis wurden natürlich Verließ, Keller- und Lagerräume sowie Kornböden nicht aufgenommen, wenn sie kein amtseigenes Inventar enthielten.
Unterstellt man, daß sich Registratoren und Schreiber zur Erfassung des Inventars Raum für Raum vornahmen, und daß sie ganz oben im Wohnturm begannen - denn ein Erkerzimmer gibt es nach Dilich und Merian nur auf dem Dachboden -, dann lassen sich drei Wohnebenen in dem gewaltigen Turm ausmachen. Die ersten 4 Räume, darunter das fürstliche Gemach, befanden sich ganz oben. Die Räume 5-8 sowie die Magdkammer über der Küche (von der vermutlich eine Treppe oder eine Leiter zur Küche führte) müssen in der 1. Etage gelegen haben und die Räume 9 und 11-14 im Parterre. Übrig bleiben noch die Schreibstube die große Saalstube und ferner zwei Wachstuben, die in dem Register von 1640 erwähnt wurden, weil ein eiserner Ofen aus der Badestube in die unterste Wachstube und ein weiterer Ofen, der immer in der Saalstube gestanden hatte, in die obere Wachstube gestellt worden war.
Für die beiden Wachstuben, die Schreibstube und die große Saalstube, die einen ansehnlichen Vorraum mit eigenem Kamin hatte, gab es aber im Wohnturm keinen Platz, denn unter den Wirtschaftsräumen mit der Küche lag der blanke Fels.

Nun, des Rätsels Lösung: An den Wohnturm muß zu späterer Zeit ein Pallas, eine große Saalstube mit weiteren Räumen, angebaut worden sein. Da dieser Anbau einen eigenen Kamin erhielt, kam gleich noch ein Backhaus mit dazu. Dieser Neubau machte die Burg zum Schloß. Er bildete zusammen mit Wohnturm und Pferdestall einen "oberen Schloßhof", von dem in vielen Dokumenten die Rede ist.
Der Erker auf dem Turm erhielt ein kleines Glöckchen, mit dem man ankommende Gäste begrüßte, und vor dem Halsgraben im sogenannten langen Garten entstanden ein Brauhaus und eine Scheune für die Lagerung des Braugutes, denn der Landgraf hatte dem Amtmann zugestanden, für sich und seine Frau "einen sonderlichen trunck Bieres" brauen zu dürfen. Brunnen der Burg BlankensteinVon dieser Anlage ist heute noch der Brunnen erhalten, der für den Gerstensaft gerade genug Wasser spendete. Angesichts vieler Gäste ersparte man damals den leibeigenen Untertanen des Amtes durch die Errichtung der beiden Gebäude nicht nur den lästigen Biertransport, man hatte auch stets genügend von dem Getränk vorrätig. Ein schmuckes schlankes Türmchen auf dem Brauhaus, das Dillich und Merian in ihrer Liebe zum Detail genauestens festhielten, hat so manchen Heimatforscher verleitet, ausgerechnet dieses Gebäude weltlicher Genüsse für eine Kapelle zu halten! Die Ringmauer erschien aus der Vogelperspektive oval. Sie hatte einen Durchmesser von ca. 50 x 25 m und besaß einen ca. 4-5 m tiefen Halsgraben. Innen lehnten sich zum Teil Wirtschaftsgebäude, Pferdeställe, Kuhställe, Schweineställe und Scheunen an. 

Ausgrabungsskizze
Sie waren mit Schiefer gedeckt und hatten, wie sich aus einer Schilderung des Amtmanns im 30jährigen Krieg ergibt, im oberen Teil einen „Umbgang" zur besseren Abwehr der Feinde. Diese Wirtschaftsgebäude waren jüngeren Ursprungs.
Sie dürften erst in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts errichtet worden sein.
TorhausDer Eingang zum Schloß wurde durch ein besonders starkes, aus der Mauer vorspringendes Torhaus geschützt, das noch im 15. Jahrhundert mit einer über den Halsgraben führenden Zugbrücke versehen war. Ein Pförtner sorgte für das Öffnen des Tores. Er wurde vom Amtmann selbst besoldet und erhielt noch im 16. Jahrhundert ein Jahresgehalt von ganzen vier Gulden. Er bewohnte einen Raum im Torhaus. Durch die Versorgung von Gefangenen, die auf dem Blankenstein Haftstrafen abzusitzen hatten und die man ebenfalls im Torhaus unterbrachte, verdiente er sich etwas dazu. Im 17. Jahrhundert eröffnete man ihm mit der Beforstung des Schelderwaldes eine zusätzliche Einnahmequelle, weil man sein Grundgehalt in Höhe von vier Gulden jährlich (neben der freien Kost) nicht so ohne weiteres erhöhen konnte. Der Blankenstein hat mehrere –wahrscheinlich vier – Ausbauperioden erlebt. Er war zuerst im Stile einer Ritterburg mit Bergfried und Wohngebäuden erbaut worden. Nach der Zerstörung im 13. Jahrhundert errichtete man einen mächtigen, aber platzsparenden Wohnturm. Viel Raum stand auf dem Burghof jetzt zur Verfügung. Nachdem die Burg um 1400 eine Amtsverwaltung aufnehmen mußte, erfolgte der Ausbau zum Schloß und rund 150 Jahre später zum landwirtschaftlichen Gut.
Innenhof mit Torhaus

Geschichten und Sagen um den Blankenstein

Die drei Brüder 

Es war einmal ein König, der hatte drei Söhne. Jeder von ihnen sollte eine Burg bauen. Der erste suchte sich einen Bergkegel in dem Gebiet des Schelderwaldes aus. Er nötigte alle gemeinen Leute und drängte die benachbarten Ritter, ihm bei dem Burgbau zu helfen. Als sie fertig war, nannte man die Burg "Dringenstein = Tringenstein".

Der zweite ging ebenfalls gewaltätig vor. Den Standort wählte er auf einem steil ansteigenden Berg jenseits des Dilltals. Er ergriff jeden, der ihm über den Weg lief und zwang ihn, bei dem Bau zu helfen. So gab man seiner Burg den Namen "Greifenstein".

Der dritte aber war den Menschen freundlich gesonnen und somit in der ganzen Umgebung beliebt. Jedermann bot ihm daher seine Hilfe an. So wuchs nordwestlich von dem Dorf Gladenbach bald ein stattlicher Bau mit weißen Wänden. Die blanken Fenster leuchteten bis hinüber zum Kirchberg in der Sonne.
Daher erhielt die Burg den Namen "Blankenstein". 

Die weiße Frau vom Blankenstein 

Die einzige Tochter des Burgherren vom Blankenstein war eine Schönheit und daher weithin bekannt. Doch sie war auch wegen ihrer Härte und ihres Stolzes gefürchtet. Dies erfuhr so mancher brave Ritter, der um ihre Hand anhielt, denn sie verlangte von den Bewerbern, ihren Mut zu beweisen. So mußte jeder von ihnen auf einem ungesattelten Pferd den steilen, hinter der Burg gelegenen Hang hinab reiten und von dem hohen Felsen in den Kehlnbacher Teich hinabspringen. Doch ihre grausame Forderung hatte ihren Grund, denn von all den Freiern, die bei dem Wagnis den Tod fanden, hatte ihr bisher keiner gefallen. Eines Tages erschien wiederum ein Ritter, weisse Frau vom Blankensteinder um ihre Hand anhielt. Das war der erste, der ihrem Herzen zugetan war. Daher bat sie ihn auch ohne ihre übliche Forderung, ihr Gemahl zuwerden. Doch der Ritter war ein stolzer Mann und ließ sich von dem waghalsigen Ritt nicht abhalten. Aber auch er blieb mit zerschmetterten Gliedern mit seinem Pferd auf dem Talgrund liegen. Darüber grämte sich das Schloßfräulein so arg, daß es krank wurde und bald darauf auch starb. Ruhe hat sie auch im Grabe nicht gefunden, und an verschiedenen Tagen im Jahr mußte sie als Geist in dem nahegelegenen Hain umhergehen.
Vielen Gladenbachern soll sie so im weißen Gewand um die Mitternachtsstunden erschienen sein. 
 
 

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