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zu Mornshausen *Stand 21.12.2006
Ortslage Mornshausen an der Salzböde Mornshausen liegt 2 km südostwärts
der Kernstadt. Das Dorf ist geschlossen angelegt und hat einen regelhaften
Grundriß. Die ältesten Teile der Siedlung liegen auf einem leicht
nach Südwesten auslaufenden Hang. Entlang der Straße von Gladenbach
nach Lohra liegen die Häuser in einer Reihung.
Vorgeschichtliche Funde und Bodendenkmäler An vier Stellen der Gemarkung
lassen sich die Reste von Langstreifen fluren erkennen. Sieben Stufenraine,
die im Bogen von Nordost nach Südost verlaufen, liegen auf der Nordostseite
des Dreisberges, elf Raine mit einer Länge von etwa 750 m befinden
sich unter Mischwald am Nordhang des Dreisberges. Diese Raine sind schlechter
erhalten als die auf der Nordostseite. Zwei Kilometer südsüdwestlich
von Mornshausen am Südosthang des Dreisberges finden sich noch Überreste
ehemaliger Feldsysteme. Die Abstände der einzelnen Raine voneinander
betragen etwa 20-22 m. Weitere Stufenraine kann man westsüdwestlich
von Mornshausen sehen. Sie liegen teils im Ackerland, teils unter Wald.
Bei einer Wiesenregulierung fand die Tochter von Dr. F. J. Pitz mit einigen
Spielgefährten ein altes Schleudergeschoß von kreisförmiger
Gestalt (Pitz in Festschr. "Concordia", 1959). Der Umfang war für
die Schleuderschnur eingerillt. Auf jeder Flachseite war "ein kultisches
Sinnzeichen eingeritzt". Das Alter des Fundes wurde von Fachleuten in Marburg
mit etwa 3000 bis 4000 Jahren angegeben. Ein zweiter Fund an derselben
Stelle erwies sich als alter Fäustel aus der Steinzeit.
Aus
der Geschichte Mornshausens
Bei dieser Urkunde handelt
es sich um die älteste Nennung Mornshausen a.S. 1324 verfügte
das Mainzer Erzstift über Zehntrechte (in Mornshausen) in Höhe
von 3 Malter Weizen und 3 Malter Hafer, die nach Amöneburg abgeliefert
werden mußten. Diese Rechte wurden zusammen mit anderem mainzischen
Besitz 1341 an die Grafen von Solms und seit 1342 an die Herren von Rollshausen
verpfändet. Es handelte sich dabei; wie man einer Aufstellung von
1360 entnehmen kann, um den halben Zehnten in Mornshausen. Gleichzeitig
haben auch noch die Döringe Zehntrechte (1338). Moroldeshusen war
kein Schreibfehler, sondern die übliche und von allen Kanzleien benutzte
Schreibweise für Mornshausen. Am 4. September 1275 übertrug die
Begine Hedwig von Moroldeshusin dem Deutschen Orden zu Marburg eine Gülte
in Mornshausen, am 30. November 1300 schenkte Geba von Allna dem Deutschen
Haus ihre Güter "in Moroldeshusen juxta Gladenbach sita". Beatrissa,
die Schwester Helwin Münzers von Marburg verkaufte dem Kloster Kaldern
1291 ihre Güter in Lohra (Lare) und in Mornshausen (Moroldeshusen).
Die Mornshäuser Güter erbrachten einen jährlichen Zins von
9 Schillingen und einem Pfennig. Es gibt noch eine Fülle weiterer
Verkaufs- und Schenkungsurkunden, die Mornshausen betreffen. Einige seien
noch aufgeführt.
1630 gab es, bedingt durch
Dreißigjährigen Krieg und die Pest im Jahre 1624, nur noch 34
bewohnte Häuser. 1585 gab es bei 34 Hausbesitzern nur 17 Pferdehalter
mit insgesamt 34 Pferden, 1630 besaßen 20 Bauern 33 Pferde. Ein Hof,
genannt das Offenhäuser Gut, war 1577 den Herren von Rollshausen,
von Schwalbach und den Schützen von Lohra zinspflichtig, zwei Höfe
dem Philipp Rode, ein Hof der Universität Marburg und weitere zwei
Höfe dem Deutschen Orden. Der Deutsche Orden, Johann von Linsing und
Graf Ernst zu Solms besaßen außerdem noch diversen Streubesitz
in der Gemarkung.
Häuser
Einwohner
Im Gegensatz zu anderen Dörfern
war Mornshausen schon im Mittelalter kein reines Bauerndorf mehr gewesen.
Schon um 1400 betrieb ein Einwohner hauptberuflich die Schneiderei. So
richtig führte aber erst der Bergbau und die Errichtung der Schmelzmühle
einen Strukturwandel zur Arbeitergemeinde her bei.
![]() 1961 arbeiteten 141 Personen in der Land- und Forstwirtschaft, 321 im prod. Gewerbe, 70 in Handel und Verkehr und 60 im Dienstleistungsgewerbe und in sonstigen Berufen.
Erinnerungen
an den Postraub in der Subach
Blick in das
Tal der Sagenumwobenen Subach
Foto: Bernd Nassauer 04/05/2003
Allmonatlich wurden die in dem
Hinterlande eingegangenen Staatsgelder auf einem Postkarren, den ein Gendarm
begleitete, nach Gießen spediert und von dort zur Hauptkasse nach
Darmstadt geleitet. Von wo sie dann, aber in kleineren Sendungen verteilt,
wieder den Rückweg nach der Provinz an traten. Ein alter Schäfer,
namens Geiz, hatte mit seinen beiden Söhnen, seinen zwei Neffen und
einem Vetter den Postwagen in der Subach überfallen, den Postillon
geknebelt und das Geld geraubt. Der Gendarm hatte geschossen, stand aber
im Verdachte, mit im Komplott gewesen zu sein und nur blind geladen zu
haben. Die ganze Bande wurde gefangen. Der Gendarm erschoß sich,
der Vetter entkam auf rätselhafte Weise; der Schäfer Geiz mit
seinen Söhnen und Neffen wurden enthauptet. Wir hatten die Exekution
mit angesehen, und ich muß gestehen, daß es uns einigermaßen
gruselte, wenn wir durch die Subach gingen. Um uns Mut einzuflößen,
stimmten wir dann mit hellen Lauten das Schinderhanneslied an, das August
Becker, der rote August, von den Geizen selbst gelernt hatte.
Der aktenmäßige Bericht aus dem Jahre 1825, den Vogt wohl auch kannte, diente dann rund 150 Jahre später, nämlich im Jahre 1971, als Vorlage für einen Film mit dem Titel: "Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach." Unter der Regie Volker Schlöndorffs wurden vor allem sozialkritische Akzente gesetzt. Der Überfall wird von der arm seligen Situation der Beteiligten abgeleitet, nicht von der Bandentätigkeit. Schlöndorff (Postraub in der Subach, Marburg 1978, Jonas Ver lag, letzte Umschlagseite): ,,Wir müssen versuchen, unsere Geschichte kritisch zu lernen und zu verstehen. Deshalb ist es wichtiger und aufschlußreicher, eine solche Episode aus der Vergangenheit in ihrer Zeit zu belassen, sie streng historisch darzustellen, als sie zu aktualisieren, ein Gleichnis, eine Parabell oder ähnliches daraus zu machen? . . Es genügt, den Text des "aktenmäßigen Berichts" zu lesen, um zu verstehen, wie eine gewisse Struktur der Gesellschaft es den Benachteiligten unmöglich macht, ihre Lage zu durchschauen und diese zu verändern." Eigenartig ist, daß man nicht am Orte des Geschehens gefilmt hat. Die Subach mit ihren Hohlwegen hätte sich gut geeignet. Eigenartig auch - und das hat die Kritik aufgegriffen - "daß nicht Hinterländer Mundart, sondern südhessische gesprochen wurde. Aber das ist mit anderen Filmen zur hessischen Geschichte nicht anders gewesen. Die Beurteilung des Geschehens in der Subach wird auch kommende Geschlechter bewegen. Dabei wird die Frage nach rein verbrecherischer Verstrickung oder nach Auswirkungen gesellschaftlicher Strukturen immer wieder neu beantwortet werden. In relativ friedlichen Zeiten sicher anders als in Zeiten spektakulärer Überfälle auf Banken, Geldtransporte oder auf andersdenkende bzw. mißliebige Personen! Das berühmte Wort vom "Bild einer Persönlichkeit", das in der Geschichte "schwankt", gilt auch für Ereignisse wie etwa den Postraub in der Subach. Insofern ist er mehr als nur ein lokales Gruselelement in den Gemarkungen der beteiligten Gemeinden. Wie
die Mornshäuser ihren Spitznamen "Heringe" erhielten
In kurzer Zeit waren acht bis zehn Pferdegespanne unterwegs nach Frohnhausen, um den Dünger in Empfang zu nehmen. Der Bahnbeamte staunte nicht schlecht über die Anzahl der Abholer und schmunzelte. Er nahm den Herrn, der die Avis an sich genommen hatte, mit in den Lagerschuppen und zeigte ihm die Abholung - ein Faß mit Heringen! Wie es, wenn man es gelesen hätte, aus der Avis hervorging. Jedenfalls bedachte man fortan die Mornshäuser mit Spott und dem Spitznamen "Heringe". Die Hochsmühle bei
Mornshausen a.S.
Foto: Bernd
Nassauer 04/05/2003
Auch über die Hochsmühle
gibt es nur wenig Informationen. Der Name der Mühle stammt von einem
früheren Besitzer namens Hoch. Sie wurde Anfang der 20-iger Jahre
von einer Getreidemühle zu einer Schreinerei umgebaut. Das Wasserrad,
das einen Durchmesser von 3,2 m hatte, entfernte man bereits im Jahre 1920.
Die Wasserkraft blieb im folgenden ungenutzt. Nach Aufgabe seines Betriebes
zu Beginn des Zweiten Weltkrieges bewohnte die Familie das Anwesen noch
bis zum Tod von Kathrina Barth im Jahre 1965. Die heute noch vorhandenen
Gebäude gehen zum Teil noch auf die ursprüngliche Mühle
zurück, vor allem das alte Wohnhaus.
Die Hüttenmühle und die Hangottsmühle Die Hüttenmühle,
zwischen Gladenbach und Mornshausen 1 km talabwärts vom Kirchberg
gelegen, wurde in den Jahren 1562/63 eigens zum Zwecke dem Kupferschmelzung
erbaut. Bisher hatte man sämtliche Erze zum Schmelzen nach Silbach,
nördlich von Winterberg, transportiert. Der Weg war lang und führte
durch unwegsames Gelände. Die Transportkosten waren dementsprechend
hoch.
Als erster Teil der geplanten Hütte konnte 1563 die Kupferschmelze in Betrieb genommen werden, die Seigerhütte war kurz darauf betriebsbereit. Mit zwei Wasserrädern für den Antrieb der Blasebälge, zwei Schmelzöfen, einem Treib- und einem Garherd war die Mühle sehr gut ausgerüstet. Der Verhüttungsprozeß begann, so die Erze nicht von Hand geschieden werden konnten ‚ mit dem Pochen. Sodann wurden die Erzstücke durch einen Waschvorgang angereichert und anschließend auf Roh- und Kupferstein verschmolzen. Im Gemisch mit Schwefelpulver und -eisen entstand nach erneutem Verschmelzen das Schwarzkupfer. Zur Entsilberung verschmolz man es nunmehr in einem Schachtofen mit Blei. Dann folgte das Seigern, wobei auf dem offenen, geneigten Seigerherd das Blei, dass den größten Teil des Silbers als Legierung aufgenommen hat, ausgeschmolzen (ausgeseigert) wurde. Während man das stückig gebliebene Schwarzkupfer, die Kienstöcke, auf dem Garherd zu Garkupfer verarbeitete, wurde das auf dem Seigerherd abgelaufene silberhaltige Blei auf dem Treibherd abgetrieben. Hierbei oxydierte das Blei zu Bleiglätte, die auf dem Metallschmelze schwamm und laufend flüssig abgezogen wurde. Zurück blieb das Silber. Durch Brennen, ein nochmaliges Abtreiben nach Zusatz von Blei, entstand das Brandsilber, ein Feinsilber von 998% (40). Aus dem ersten Betriebsjahr
existiert der folgende Geschäftsbericht: "Anno domini 1564 ist von
dem Newen Berckwerge zu Gladenbach nachuolgendt Silber meinen gnedigen
Fürsten und Herrn in die munz gelieffert wordenn. Angefangen im quartal
Reminiscere den 2lten februariy. Reminiscere 463 marck 12 1/2 lot Brandtsilber
Dies waren für die damalige Zeit große Mengen, die überall im Lande Beachtung fanden. In der Hüttenmühle wurde auch das Silber für den 1587/88 erschienenen Gladenbacher Taler, auch Ausbeutetaler genannt, geschmolzen von Landgraf Ludwig III von Hessen, Graf von Ziegenhain, geprägt worden. Auf dem Vorderseite befindet sich das Hessische Wappen zusammen mit dem Wappen von Nidda, Diez, Ziegenhain und Katzenellenbogen, dazu die Unschrift 'Ich getraue Gott in aler Not'. Diese Worte hatte Philipp der Großmütige während seiner Haft In Mecheln in seine Zellentür eingeritzt. Die Rückseite der Münze trägt eine lateinische Inschrift, die besagt, dass Landgraf Ludwig III von Hessen, Graf von Ziegenhain usw. Im Jahre 1587/88 aus den neuen wieder aufgefundenen Gängen der Silbergrube bei Gladenbach diese Münze hat prägen lassen. Im Jahre 1604 wurde mit dem Tode Ludwigs III die Münzprägung eingestellt. Auch das Gladenbacher Bergwerk verfiel Versuche, es in den folgenden Jahren wieder in Gang zu bringen, blieben erfolglos. 1858 wurden erneute Versuchsarbeiten abgebrochen. 1870 wurden die Bergwerksgerechtsame für eine Siegerländer Gesellschaft eingetragen. Nach Stillegung des Bergwerks vollzog sich in der Mornshäusern Hüttenmühle ein Funktionswandel. Die ehemalige Schmelze wurde eine Getreidemühle. Direkt neben der Hüttenmühle soll noch eine zweite Mühle, die Hangottsmühle, gelegen haben. Man nannte letztere auch Lotzmühle, nach dem Besitzer Lotz. Beide Mühlen besaßen, vielleicht als Überbleibsel der Hütte, je ein eigenes Wasserrad, für dessen Antrieb das Wasser der Salzböde durch einen sich kurz vor den beiden Mühlen verzweigenden Mühlgraben geteilt werden musste. Die Hangottsmühle musste 1873 zwangsweise versteigert werden. Zu dieser Zeit befand sich die Hüttenmühle im Besitz der Familie Rühl, die sie von einem Wagnermeister erworben hatte. Da die Familie Rühl keinen neuen Nachbarn wünschte, kaufte Joh. Rühl, der 1873 in die Familie eingeheiratet hatte, die Mühle einschließlich Wasserrecht. Die Familie Rühl war damit im Besitz von zwei Getreidemühlen mit jeweils einem Mahlgang. Wegen des Wasserrechts gab
es trotz des Verkaufs immer wieder Streitigkeiten mit Herrn Lotz, dem ehemaligen
Besitzer dem Hangottsmühle. Dieser bewohnte noch immer die Mühle
und war der Meinung, er hatte noch ein Anrecht auf das Wasser. Aus diesem
Grund entfernte er, wann immer es möglich war, das Brett, das dass
gesamte Wasser auf das Wasserrad der Hüttenmühle überleitete.
Daraufhin kam es zu einem 2Ojährigen Prozeß. Nach dem Tod von
Joh. Rühl ließ seine Ehefrau das Verfahren einstellen. Sie war
sogar gezwungen, die gesamten Unkosten zu übernehmen, da Herrn Lotz
schon zu früheren Zeiten das Armenrecht zugestanden worden war. Nach
Abschluss des Verfahrens mußte die Familie Lotz die Mühle verlassen.
Am 1. Januar 1926 übernahm Joh. Schneider die Mühle offiziell. Der Bau eines neuen Wohnhauses fällt in das Jahr 1928. Ein Jahr später entstand eine neue Hofdurchfahrt. 1930 erfolgte der Kauf eines 2. Walzenstuhls. Weitere Investitionen zeigen sich in dem Massivbau (1932) der Mühle, in der Anschaffung einer Sichtmaschine und eines Plansichters. Bis zum Jahr 1933 bildete die Wasserkraft den Antrieb. Bereits ein Jahr später entfernte man das alte Wasserrad und verkaufte es 1935. An seiner Stelle erfolgte 1934 der Einbau einer Saug- und Druckturbine. 1952 erfolgte die Anschaffung einer Zugmaschine, die das bisherige Pferdefuhrwerk ablöste, das seit etwa 1860 existierte. Ein Pferd behielt man noch für die Landwirtschaft. 1960 hat Joh. Schneider die Mühle und 1963 die dazugehörige Landwirtschaft an seinen Sohn, Heinrich Schneider, abgegeben. Dieser hat seither keine weiteren Neuerungen durchgeführt. Johann Jost Becker kaufte
1913 die Lotzemühle, eine Getreidemühle, über die es leider
kaum Unterlagen und Informationen gibt. Er führte den Mühlbetrieb
nicht fort, sondern baute die Mühle um und richtete dort eine Schlosserei
ein. Diese wurde später von seinem Sohn und Enkel fortgeführt.
Die Mappesmühle
Foto: Bernd
Nassauer 04/05/2003
Die Artikel sind entstanden
in Anlehnung an das Buch "Mühlen im Salzbödetal" von Petra Burk-Wagner,
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