Karte |
Unser Stadtteil Römershausen
Die Römershäuser
Foißelong |
Eingebettet zwischen Wiesen
und Felder.....
Foto: Bernd Nassauer 15/04/2007
Themenlinks:
Daten
zu Römershausen *Stand 21.12.2006
 |
PLZ:
Fläche:
Höhe über NN:
Höchste Erhebung:
Einwohner:
Gesamte Großgemeinde: |
35075
618 ha
Dorfmitte 309 m
(Grüner Stein) 523
m
380 Einwohner
13.210 Einwohner |
Ortslage
Römershausen
Als geschlossene Ortschaft
liegt Römershausen 3,5 km nordwestlich der Kernstadt auf einem nach
Süden auslaufenden Hügel. 1255 wird dieser Ort das erste Mal
urkundlich als Rembreteshusen erwähnt. Ab 1707 wird Römershausen
geschrieben. Dieser Ort ist somit ältester aller Gladenbacher Stadtteile.
 |
Ortseinfahrt
in Römershausen
Foto: Bernd Nassauer 28/06/2000 |
Straßenverbindung besteht
heute nach Weidenhausen/Bad Endbach und Rachelshausen/Runzhausen sowie
über einen Fahrweg über Kehlnbach nach Gladenbach.
Herkunft
des Ortsnamens und Wappens
Römershausen hat in
der Ortsmitte ein besonderes Wahrzeichen: eine uralte Ulme mit etwa 3,5
m Stammumfang, die aber im Volksmund "die Linde" genannt wird. Wir finden
den Baum deshalb auch als Linde im Dorfwappen dargestellt.
Unser Raum lag niemals im
Einflussbereich der Römer. Der Namen stammt deshalb nicht aus der
Römerzeit, wie das Wappen vermuten läßt, sondern von einem
der ersten Siedler, wie wir es bei Friebertshausen z.B. mit Fredebracht
oder in Mornshausen mit dem Eigennamen Morold zu tun haben.
Vorgeschichtliche
Funde und Bodendenkmäler
Als Geländedenkmal ist
der »Sonnenstein" anzusehen. Er steht am alten Weg nach Runzhausen.
Es handelt sich bei ihm um eine Felsklippe aus verkieseltem Roteisenerz.
Nicht auszuschließen ist, daß der ,,Sonnenstein" in vorgeschichtlicher
Zeit kultischen Zwecken diente.
 |
Abgebrochener
Schleifstein,
gefunden in der Gemarkung
Römershausen.
(Nach Inv. vor- u. frühgesch.
Denkm. Hessen, 1973) |
Aus
der Geschichte Römershausens
Im Jahre 1255 schenkte Graf
Reinhold von Solms seinen Anteil am Zehnten in Rembreteshusen dem Kloster
Altenberg und versprach, binnen Jahresfrist die Zustimmung seines Lehnsherrn
einzuholen. Mitbesitzer am Zehnten war der Ritter
Kraft von Rodenhausen.
1344 ist dieser Zehnte falkensteinsches
Lehen der Herren von Bicken.
1261 setzten die Herren von
Rodheim und von Rodenstein ihre Güter in Reymershusen der Landgräfin
zum Pfand, als sie von ihr mit der Burg Blankenstein belehnt worden waren,
und 1272 schenkte schließlich der Ritter Johannes von Vetzberg dem
Deutschen Orden einen Hörigen in Rimershusin.
Es handelt sich hier um die
ältesten Nennungen Römershausens, und sie zeigen, daß an
dem Dorf in jener Zeit reges Interesse herrschte. Das lag sicher daran,
daß Römershausen in stetem Auf- und Ausbau begriffen war. Man
sieht es an der zunehmen den Zahl von Häusern, die das Dorf vor dem
Dreißigjährigen Kriege zu einer der größten Ortschaften
im Untergericht des Amtes Blankenstein machten.
1400 10 Häuser, 1502
17 Männer,
1570 39 Familien,
1586 40 Häuser,
1600 45 Häuser (die
Zahlen der Männer dürfte mit der Zahl der Häuser übereinstimmen)
Damit konnte Römershausen
für sich beanspruchen, die größte Wachstumsrate zu haben.
Das lag vermutlich am viel befahrenen Obergerichtsweg, der durch Römershausen
führte und der zusätzliche Einnahmen versprach und dadurch kleinere
Nebenerwerbsbetriebe existenzfähig machen half. Der Name "Else under
dem Wege" im Jahre 1400 bestätigt noch die interne Bedeutung dieser
Verbindung.
Es gab um 1400 neben einer
Mühle nur noch einen großen Hof und allenfalls zwei kleine,
die sich ohne zusätzliches Einkommen nur mühsam halten konnten.
Um 1585 hatte sich die Vermögensstruktur völlig verändert.
Es gab 15 Bauern, die bis auf Philipp Junghans und Theis Naumann jeder
zwei Pferde hielten. Auch 1630 gab es noch 15 Pferdehalter und 20 Einläufige.
Außer dem Hof der
Gladenbacher Martinskirche, der inzwischen geteilt worden war, gab es 1577
noch folgende Grundherren:
-
Philipp Rode (1 Hof)
-
Albrecht von Dernbach (2 Höfe
und Liegenschaften)
-
Universität Marburg (1
Hof, ehemals Lehen des Klosters Kaldern)
-
Happels Erben (1 Hof und verschiedene
Pfandschaften)
-
Ebert Hamer (1 Hof und Liegenschaften)
-
Lorenz Blankenheims Kinder (2
Höfe)
Außerdem besaßen
der Deutsche Orden, Dr. David Lauck, Johann Heckbach und die Herren von
Scheurenschloß noch diverse Liegenschaften, die zeigen, wie weitgehend
die ursprünglichen Lehen inzwischen verteilt worden waren.
Der Dreißigjährige
Krieg spielte dem damals zentralen Dorf übel mit.
1633 betrugen die Verluste
und Schäden 234 Reichstaler. "Der Juncker, Mertin, Catzenbecher und
die beckersche waren gebrügelt wordenn, hetten die fraw geschlagen
das ihr das blutt übern rücken wehr gelauffenn" wußte Hans
Rubners Ännchen und Adam Kaut ergänzte noch: "Ja, der Catzenbecher
wer tödtlich verwundt...".
Herrmann Heck glaubte sogar
die Hintergründe für das miserable Benehmen der Söldner
zu kennen:
"Habe 2 reutter gehabdtt'
einer gnt. Staffel, der ander Wolff under Rittmeister Bilsen Compagnie,
hett sich lassen bedunken das Land wehr nuhn wieder (gegen) des Casselschen
Herrn. Landgraff Georg (von Darmstadt) hett dem papenheim schreiben geschicktt'
die weren von den Casselschen uffgefangenn wordenn. Sonst wehren sie nicht
in diß Landt kommenn, hetten gesagdt, in diesem Landt weren wedder
wendtsche (wetterwendische) schelmen, jetzt hilten wirs mitt den Casselschen,
darnach mitt den Tillischen".
1635/36 starben von 91 bedepflichtigen
Einwohnern 27. Es waren da nach von 41 Häusern 24 unbewohnt.
Im Jahre 1640 entstanden
Schäden und Verluste in Höhe von 371 Reichstalern 36 1/4 Albus.
Das war die weitaus niedrigste Schadenssumme im ganzen Amt Blankenstein.
Selbst auf dem Hülshof war sie fast doppelt so hoch. War das Dorf
vorher schon so stark ausgepowert worden, daß trotz Anwendung physischer
Gewalt diesmal nichts mehr zu holen war oder hatten sich die ,,salva guardien",
eine kleine Schutztruppe, zu deren Unterhaltung sich die 13 Bewohner zeitweise
entschlossen, bewährt? Wir wissen es nicht.
Auch das Ende des langen
Krieges mit dem Zusammenstoß der Truppen beider hessischen Staaten
in unserer Gegend hinterließ in Römershausen seine Spuren. Es
gingen noch einmal zwei Häuser ab und so standen schließlich
22 Häuser leer und nur noch 15 waren bewohnt.
So richtig sollte sich das
Dorf nie mehr von diesem Aderlaß erholen, und seine Entwicklung blieb
künftig hinter der der anderen Orte des Untergerichtes zurück.
Dazu trug die Verlegung der Amtsverwaltung vom Blankenstein nach Gladenbach
ebenso bei wie der Bau von Talstraßen. Der Obergerichtsweg wurde
nicht mehr benutzt. Römershausen geriet ins Abseits.
Das
Wachstum nach dem Kriege:
Die Häuser
|
1666
|
1700
|
1750
|
1780
|
1810
|
|
22
|
26
|
35
|
36
|
37
|
Die Einwohnerentwicklung
|
1834
|
1846
|
1885
|
1900
|
1925
|
1939
|
1946
|
1950
|
1961
|
1970
|
|
253
|
302
|
260
|
302
|
337
|
359
|
526
|
498
|
365
|
372
|
1835 "Römershausen,
evangl. Filialdorf, 3/4 Stunden von Gladenbach, mit 240 Einwohnern, welche
Ackerbau und Viehzucht treiben" (Amtsarzt Dr. Deibel in seiner medizinischen
Topographie).
1867 arbeiteten 80 Personen
in der Landwirtschaft, 4 im Bergbau und Hüttenwesen, 16 in Gewerbe
und Industrie, einer im Handel und einer in der Schule.
1961 gab es in Land- und
Forstwirtschaft 27, im prod. Gewerbe 34, in Handel und Verkehr 9 und im
Dienstleistungsgewerbe oder in sonstigen Berufen 5 Erwerbspersonen.
Adlerjagd
im Hinterland - aus den Erinnerungen eines Römershäusers
Lehrer Ferdinand Stöcker,
im Jahre 1854 als Sohn des damaligen Lehrers von Römershausen dort
geboren, hat im Jahre 1937 seine Erinnerungen für die 700-Jahr-Feier
Gladenbachs aufgeschrieben. Sie erschienen damals in den Mitteilungsblättern.
Er schreibt: ,,Schon als
kleiner Junge ging ich oft mit meinem Petter (Peter Müller) aus Römershausen
und dem Jagdgenossen Christoph Sude aus Rachelshausen und einem Herrn Renk
aus Weidenhausen auf die Jagd. Mein Petter hatte mehrere Jagden. Ein gutes
Rehrevier war bei Hütte. Eines Tages wollten wir den Rehbestand prüfen,
nichtschießen. Zu dritt wanderten sie gegen Abend in der Nähe
des "Schindwasens", einem Bergrücken, auf dem eine alte Tanne stand.
Auf einem herausragenden Ast sahen sie einen großen Vogel. Habicht,
Uhu? Fischreiher? Plötzlich strich der Vogel ab und schwebte bald
hoch in der Luft. Jäger Sude rief aus:
"Ich schieße - und
wenn es der leibhaftige Teufel ist!" ,,Im Nu", erinnerte sich Stöcker,
böllerten mehrere Schüsse, aber ohne Erfolg!" Christoph Sude
hatte in den einen Lauf Rehposten geladen. Als dieser letzte Schuß
abging, sahen wir, daß der Vogel flügellahm war. In Spiralen
ging er nieder und landete auf der Wiese. Nun konnten wir feststellen,
daß es ein Adler war. Wie kam das Tier hierher? Offenbar hatte sich
der Vogel im Nebel von der Schweiz her verflogen. Was nun? Der Adler hatte
sich sofort in Verteidigung auf den Rücken gelegt.,, Die Hunde wurden
angeleint, man versuchte, die Fänge des Adlers zusammenzubinden. Das
war nicht leicht. Man deckte die Augen zu, dann erst konnte man den wehrhaften
Vogel fesseln und nach Hütte transportieren. Im Dunkeln trat die kleine
Jagdgesellschaft dann den Heimweg nach Römershausen an. Zu Hause wurde
der Vogel gesäubert und verbunden. Er trank Wasser aus einem Glas
und fraß auch etwas Fleisch. Am nächsten Morgen meldete der
Petter den Fall an die Oberförsterei in Gladenbach. Die erstattete
schriftlich Meldung an die Großherzogliche Regierung in Darmstadt
(das Ereignis fand vor 1866 statt). Von da kam Weisung, das Tier gut zu
versorgen und dann auf Staatskosten nach Darmstadt zu bringen. Wie Stöcker
erzählt, war das ein großes Ereignis für die Umgegend!
Eine wahre Völkerwanderung begann. Der Vogel wurde nach Darmstadt
befördert. Später wurde erzählt, daß das Tier gut
an gekommen und geheilt wurde. Dort soll der Adler noch einige Jahre gelebt
haben und nach seinem Tode ausgestopft im Museum aufbewahrt worden sein.,,
Der Jäger bekam Schußgeld, und die Sache war erledigt."
Die
Linde, die eine Ulme ist
 |
In
der Ortsmitte steht ein bemerkenswertes Naturdenkmal (Foto
li: H. Goerss) : eine jahrhundertealte Ulme,
auch Rüster genannt
mit etwa 3,5 m Stammumfang.
Es handelt sich um eine Bergulme mit dem wissenschaftlichen Namen Ulmus
glabra. Seit wohl mehr als 500 Jahren versieht sie die Funktion einer Dorflinde.
Und das ist sie auch für die Römershäuser:
die Linde, die für
Generationen Treffpunkt der Jugend während später Sommerabende
war. Vor rund dreißig Jahren, als man Vorbereitungen zur 700-Jahr-Feier
(1955) traf - die dann allerdings nicht verwirklicht werden konnten -,
erschien in der Tagespresse (1954) ein Artikel über den ehrwürdigen
und markanten Baum. Darin erzählt der damals älteste Römershäuser,
Johannes Kirch: Der Baum sei für die Römershäuser "die Linde,
unter deren breit auseinanderstrebenden Ästen sich die ganze Dorfgeschichte
abgewickelt habe. Naturkundler und botanische Fachleute schätzten
ihr Alter auf weit über 700 Jahre.
Der durch Mauerwerk an den
halbmeterhohen Wurzeln vor Windbruch geschützte Baumveteran ist zu
einem Bestandteil dieser Gemeinde geworden. |
| Johannes Kirch
berichtet weiter über diesen Treffpunkt, vor allem der jungen Leute:
"Wenn man nicht unter der Linde war, dann war es auch nichts." Er erwähnt
auch, daß der Baum für die Zimmerleute von Vorteil war. Im breiten
Schattenfächer schlugen sie die Zimmerbank auf. Das war so "während
vieler Jahre gang und gäbe." Als Treffpunkt für die Familien
und als Ort der öffentlichen Bekanntmachung blieb die Bedeutung des
Baumes bis heute erhalten. Als Bekanntmachungen noch mit der Ortsschelle
angekündigt wurden, rief man "...Treffpunkt unter der Linde." Am Sonntag
nach dem Kirchgang läßt sich unter der Linde noch gut ein Schwätzchen
halten. Für lange Sommerabende bieten die gewölbten Wurzeln willkommene
Sitzgelegenheit. Mit einer Pfeife oder Zigarette im Mund läßt's
sich hier gut über den Tagesablauf nachdenken. Im Gespräch des
Jahres 1954 erinnert der damalige Bürgermeister Heinrich Teutsch daran,
daß bis 1926 zwischen dem Backhaus und der Linde ein Brunnen stand
und daß im Jahre 1953 im Geäst des Baumveteranen eine Eule (vermutlich
ein Waldkauz) ihre Jungen auf gezogen habe. Seine abschließen den
Worte über die Linde, die eine Ulme ist, lauten. "Unsere Linde ist
voller Leben und der ganze Ort wartet schon ungeduldig auf die ersten diesjährigen
Knospentriebe."
"Die Dorflinde"
(leider zur Zeit arg beschnitten)
Foto: Bernd Nassauer 28/06/2000
|
Wie
eine Oase in der Wüste - aus der Geschichte des Obst- und Gartenbauvereins
Am 21. April 1911 wurde in
Römershausen der Obst- und Gartenbauverein gegründet (Römershausen
und Rachelshausen). 1. Vorsitzender war Lehrer Rudloff, 2. Vorsitzender
Herr Hof, Rechner Herr Sude aus Rachelshausen, Schriftführer J. Kirch
und Beisitzer die Herren J. Scheld, J. J. Happel, L. Happel. 7 Mitglieder
waren in Rachelshausen ansässig, 24 aus Römershausen. Eine Satzung
in Buchform wurde erstellt, und sogar Briefbogen und -umschläge mit
gedrucktem Briefkopf wurden angeschafft. Auf Anraten des damaligen Landrats
Daniel wurde der Verein Mitglied beim Kreisobstverband und beim Nassauischen
Landes-Obst- und Gartenbauverein in Geisenheim. Dadurch wurden finanzielle
Beihilfen seitens des Regierungspräsidenten möglich. Im Juni
1911 schloß der Verein mit der Gemeinde Römershausen einen Vertrag
über die Benutzung eines Grundstückes auf den "langen Birken".
Dort sollte eine Baumschule
entstehen. Die Fläche war 3600 qmgroß. Diese Baumschule auf
den langen Birken (gesprochen: ,"die lange Birke') spielte dann durch Jahrzehnte
bis heute eine wichtige Rolle für den Verein. Das Stück wurde
abgeholzt, ein Dutzend Wagen voll Mist wurden angefahren,
und die Mitglieder aus Rachelshausen
lieferten Kalk. Wer an diesen Arbeiten nicht teilnahm,
mußte pro Tag 2 Mark
in die Vereinskasse zahlen.
In dieser Zeit, also schon
recht früh, wurden schon Pläne gefaßt, Nisthöhlen
für Vögel aufzuhängen. Lehrer Rudloff hielt einen Vortrag
über das Kopulieren. Praxis und Theorie waren also von Anfang an in
der Vereinsarbeit miteinander verbunden, und sogar die Berücksichtigung
des Naturschutzes fehlte nicht. Im Jahre 1912 muß die Anlage schon
sehenswert gewesen sein. Ein Protokoll widmet ihr folgenden bemerkenswerten
Satz: "Denn wie eine Oase in der Wüste prangte die Anlage in ihrer
Herbstesfülle."
Bereits im Herbst des darauffolgenden
Jahres hört man von "üppigem Wuchs" in der ,,Plantage und von
einer reichen Ernte. Das große Ereignis feierte man mit einer Kartoffelbratpartie
bei Würstchen, Bier und Gesang. Ein schweres Gewitter unterbrach das
Fest - allerdings nur für kurze Zeit.
Während des 1. Weltkrieges
tat der Verein etwas für die im Felde stehenden Mitglieder: Er schickte
Pakete. Nach dem Krieg ging es mit neuen Kräften an die Vereinsarbeit.
Es gab sogar Überschüsse in der Kasse: 113,75 Mark. Man bewilligte
bei dieser Kassenlage dem Rechner für seine gute Arbeit 6.- Mark pro
Jahr. Der Betrag wird ausdrücklich als "großzügig" vermerkt.
Arbeit gibt es auf der langen Birke in Hülle und Fülle: Eine
Weißdornhecke ist zu pflanzen, ein Zaun zu ziehen und das Gelände
muß mit Kali gedüngt werden.
Im Jahre 1926 gibt Lehrer
Rudloff sein Amt nach 15jähriger Tätigkeit ab. 1. Vorsitzender
wird Lehrer A. Müller. Am 12. Juli 1928 kauft der Verein von der Firma
Gebr. Kaltenbach in Lörrach eine Obstmühle und eine Obstpresse
- Marke "Obst Maxe".
Die Rechnung befindet sich
noch bei den Vereinsakten: 114,70 Reichsmark. Die Benutzung des Obst-Max
kostete pro Tag 0,50 Reichsmark.
Im Jahre 1930 wurde eine
Obstausstellung ausgerichtet. Im Jahre 1937 wurde für längere
Zeit zum letzten Mal eine Versammlung mit Protokoll abgehalten. Man erinnerte
daran, daß der Verein jetzt schon 25 Jahre alt sei. Das Gründungsprotokoll
wurde noch einmal vorgelesen. Erst nach dem Kriege gab es wieder eine Generalversammlung.
Sie
fand am 12. März 1949 statt. Ein neuer Vorstand wurde gewählt:
1. Vorsitzen der Lehrer A. Müller, 2. Vorsitzender
H. Happel, Schriftführer
G. Kaut, Rechner A. Scheld, Beisitzer F. Sude (Rachelshausen). Der Monatsbeitrag
wurde auf 20 Pfennig festgesetzt. 1950 wurde Lehrer Lommatzsch 1. Vorsitzender.
Es folgten Jahre mit wechselnder Beteiligung an den Vereinsveranstaltungen.
,,Man sieht, es geht auf
und ab", vermerkt die Vereinschronik.
1971 feiert der Verein sein
60jähriges Bestehen mit Ausrichtung der Kreis-Obstbau-Ausstellung
am 10. Oktober. Als letzter noch lebender Mitbegründer wird der 76jährige
Heinrich Lang geehrt. Der Verein erhält durch diese Veranstaltung,
deren Leitung Dr. Schulz hatte und die auch von Landrat Dr. Sorge besucht
wurde, einen ,,riesigen Auftrieb". Die positive Entwicklung hält an.
1976 führt der Verein Regie, als sich Römershausen am Wettbewerb
,,Unser Dorf soll schöner werden" beteiligt. Ein dritter Platz ist
der schöne Erfolg. 1978 gibt es einen Blumenwettbewerb mit Preisverleihung
bei der Tagung des Landesverbandes in Bad Endbach. Danach wird auf Anregung
des Vereins eine Grenzbegehung mit Einweihung der Schutzhütte organisiert.
Ein gelungenes Fest fand statt, Bürgermeister Siegfried Dellnitz hielt
die Einweihungsrede (1980). Die Grenzbegehung wurde in zwei Teilen (1979,
1980) durchgeführt. Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war dann
die mehrtägige Feier zum 75jährigen Jubiläum des Vereins
in der Zeit vom 10. bis 12. Oktober 1986.
Zeittafel
Römershausen
| 1919 |
Urbarmachung der ,,Langen
Birke", als Notstandsarbeit durchgeführt |
| 1925 |
Die Gemeinde beginnt mit
dem Bau einer Wasserleitung Bau eines neuen Bethauses der freikirchlichen
Gemeinde |
| 1926 |
Wasserhochbehälter
durch die Fa. Zimmermann, Gladenbach. Erd- und Rohrleitungen durch Fa.
Becker, Runzhausen |
| 1928 |
Beschluß zur Kanalisierung |
| 1929 |
Kanalisierung, Ortsstraßennetz
neu eingedeckt |
| 1938 |
Für die neu gebildete
freiwillige Feuerwehr werden neue Uniformen bestellt |
| 1946 |
Die ersten Heimatvertriebenen
(Ungarn, Jugoslawien, Sudetenland) werden aufgenommen, die Einwohnerzahl
steigt auf 498 |
| 1948 |
Auf der ,,Langen Birke"
wird der neue Sportplatz des Sportvereins ,,Blau-Weiß" eingeweiht.
Der Theaterverein unter
Fritz Stengel als Regisseur führt sein erstes Stück auf: ,,Die
Not der Alten" |
| 1950 |
Anschaffung einer Motorspritze |
| 1951 |
Großbrand im Dorf |
| 1952 |
Ankauf einer zweiten Glocke
für die Kirche |
| 1958 |
Deutliche Fortschritte in
der Motorisierung der Landwirtschaft, Pferde- und Kuhgespanne werden im
Dorfbild immer seltener.
17. Nov.: Grundsteinlegung
zum Dorfgemeinschaftshaus |
| 1959 |
9. Aug.: Römershausen
erhält ersten Preis im Schönheitswettbewerb der Gemeinden (Veranstalter
und Jury: Landwirtschaftsschule Gladenbach)
Einweihung des Dorfgemeinschaftshauses |
| 1960 |
15. Okt.: Straßen-Teilstück
Weidenhausen - Römershausen eingeweiht, anwesend u. a. Landrat Dr.
Sorge, offizielle Vertreter von Kreis und Gemeinde.
In der Chronik heißt
es dazu: ,,Bis vor wenigen Jahren war Römershausen nur über eine
Straße, die über einen steilen Berg führte und im Winter
kaum befahrbar war, zu erreichen.
Die Gemeinde wurde dann
durch den Bau einer neuen Fahrstraße an den Verkehr angeschlossen.
Dadurch bekam sie bessere Verbindung zur Kreisstadt" |
| 1964 |
Teerung der Straße
nach Rachelshausen. Renovierung der Kirche, elektrische Läutanlage,
Heizung. Busverbindung nach Bottenhorn und Gladenbach |
| 1965 |
Ehrung von Bürgermeister
Teutsch (Ehrenplakette des Kreises) für seine zwanzigjährige
Amtszeit.
Der zehn Jahre alte Schüler
Bernd Scheld erhält die Hessische Rettungsmedaille durch
Landrat Dr. Sorge. Er hat
am 21. Juni 1965 ein drei Jahre altes Kind und dessen Mutter,
die nicht schwimmen konnten,
aus dem Badeweiher geholt |
| 1968 |
Für ein Ehrenmal werden
rund 6500 Mark gespendet |
| 1969 |
Errichtung und Einweihung
des neuen Ehrenmals auf dem Friedhof |
| 1970 |
Bürgermeister H. Teutsch
ist 25 Jahre im Amt. Beginn der Diskussionen um die
Verwaltungs- und Gebietsreform |
| 1971 |
10. Okt.: Obst- und Gartenbauverein
begeht sein 60jähriges Bestehen.
Kreisobstbauausstellung
in Römershausen.
Bau eines Milchkühlgebäudes,
Beitritt zum Müllzweckverband. Erste Gespräche mit Gladenbach
über den Zusammenschluß |
| 1974 |
Römershausen
verliert seine kommunale Selbständigkeit und wird Stadtteil von Gladenbach.
Ortsvorsteher ist Bruno Hartner |
| 1978 |
9. Sept.: Gedenkstein zur
Erinnerung an 719 Jahre als selbständige Gemeinde |
| 1981 |
Teilnahme am 22. Wettbewerb
"Unser Dorf soll schöner werden" - im Bezirksentscheid: 4. Platz |
Foto: Bernd Nassauer 28/06/2000
In Römershausen baute
man im vorigen Jahrhundert eine neue Kirche
(massiv, und nach Biedermeier
Art verputzt), nachdem die alte Kapelle baufällig geworden war.
|