Karte |
Unser Stadtteil Rüchenbach
Die Rüchenbacher
Huinknoase (Honignasen) |
Rüchenbachs Fachwerkkirche...
...eine schlichte Kapelle
in Ständerfachwerk aus dem 15. Jahrhundert,
steht heute unter Denkmalschutz.
Foto: Bernd Nassauer 28/06/2000
Themenlinks:
Daten
zu Rüchenbach *Stand 21.12.2006
 |
PLZ:
Fläche:
Höhe über NN:
Höchste Erhebung:
Einwohner:
Gesamte Großgemeinde: |
35075
389 ha
Dorfmitte 245 m
(Herzberg) 346 m
242 Einwohner
13.210 Einwohner |
Ortslage
Weidenhausen
Rüchenbach liegt 3 km
ostwärts der Kernstadt im Allnatal. Durch den relativ geschlossenen
Ortsteil führte früher eine Botenstraße von Dillenburg
über Gladenbach nach Marburg.
Vorgeschichtliche
Funde und Bodendenkmäler
Südlich von Rüchenbach
gibt es ein 800 m langes Rainsystem am Hanskopf. Am Südosthang der
Höhe 346 finden sich Reste eines Langstreifensystems, das etwa 500
m lang ist und aus 12 Rainen besteht. Weitere Relikte von 5 Stufenrainen
liegen südlich des Werbels (Höhe 315). Nördlich davon kann
man einige gut erhaltene Raine sehen. Ganz unter Wald liegt ein kleines
Streifensystem am Hang nördlich des Seitentälchens, das nach
Osten in das Allnatal mündet.
Es reicht z.T. in die Gemarkung
von Friebertshausen.
Ein Kalksteinbruch in der
Nähe des Ortes birgt viele wertvolle Versteinerungen.
Foto: Bernd Nassauer 28/06/2000 |
An
der rechten Strassenseite der Strasse Rüchenbach – Mornshausen a/S.,
in der Nähe der Straßenkreuzung der B 255 ist ein besonderes
Naturdenkmal - eine alte, tiefbeastete, freistehende Fichte.
Es stehen noch 2 ca. 150
Jahre alte Ulmen auf dem Friedhof in Rüchenbach.
Der Ort hat außerdem
in seiner waldreichen Umgebung viele Relikte frühmittelalterlicher
Streifenfluren von zum Teil Kilometerlänge. |
Aus
der Geschichte Rüchenbachs
Rüchenbach wird 1324
als Rudichenbach zum ersten Mal in den Amöneburger Kellereiakten erwähnt.
Es war zur Hälfte dem Erzstift Mainz zehntpflichtig. Nach einer Vermögensschätzung
aus der Zeit um 1400 gab es damals sieben Hausgesäße, darunter
vier Bauern. Ein Mann verdiente sich nebenher als Wächter ein Zubrot
und die Pfennigvera war vermutlich für das Einsammeln des Gemeinen
Pfennigs, einer Reichssteuer, zuständig.
Die vier Höfe haben
sich im Laufe der Zeit geteilt, neue kamen dazu. 1586 gab es sieben und
1619 zehn Bauern, außerdem fünf bzw. vier Nebenerwerbslandwirte.
Zu den ältesten gehört Warsch, ein Hof des Deutschen Ordens.
Er wurde nie geteilt, baute aber um 1570 eine neue Hofreite und überließ
der Gemeinde einen Teil der alten für eine Kirche. Der Hausname stammte
von Jost Becker, dem Wagner, der den Hof nach dem Dreißigjährigen
Kriege übernahm.
Zu den alten Höfen
gehörte auch ein Lehen des Klosters Kaldern, das um 1670 geteilt wurde
und dessen eine Hälfte Hens Dabertshäuser (Hinz) seinem Schwiegersohn
Johannes Weiershäuser (Gehans) abtrat. Aus einem zweiten Hof des Klosters
Kaldern entstand 1610 "Gatte", als Schwiegersohn Caspar Garthen die Hälfte
des Lehens erhielt. Der Stammhof bekam nach dem Dreißigjährigen
Kriege nach Hans Kuhl den neuen Hausnamen "Kuhn". Auch das Lehen der Gladenbacher
Martinskirche wurde geteilt. Den neu entstandenen Hof nannte man nach Theiß
Scheffer künftig "Deis", der alte bekam im 19. Jahrhundert nach Happel
den Namen "Happels". Bernhards war ein lehnsfreier Hof, der seinen Hausnamen
schon im 16. Jahrhundert erhielt. Den interessantesten Hausnamen aber erhielt
der Iwe-Hof, der nach dem Dreißigjährigen Kriege aus kleineren
Lehen und lehnsfreien Gütern entstand. Er wurde nach den Initialen
des Besitzers Johannes Weber genannt. Aus der Neuordnung nach diesem Kriege
entstanden auch die Höfe Piddersch, dessen erster Besitzer Peter Kuhl
war, und Liesekette, der nach der langjährigen Besitzerin Elisabeth
Katharina Ram, geb. Garthen, benannt wurde. Mit Hans Burck, der die aufgegebene
Hofreite des Deutsch-Ordens-Hofes wieder herrichtete (Hanse), mit der Übernahme
stillgelegter Häuser durch Philipp Bruder (Lippse), Conrad Weigand
(Orts nach dessen Frau Ortchen), Peter Ram (Petisch) und Elisabeth Kuhl
und ihres Mannes Conrad Vormschlag (Lieses) schloß in der ersten
Hälfte des 18. Jahrhunderts die Aufbau- und Neuordnungsperiode ab.
Der Dreißigjährige
Krieg hatte also auch in diesem Ort viel Unheil gestiftet. Er war geradezu
zu einem Markstein in der Dorfgeschichte geworden. 1633 meldete Caspar
Heck, der Besitzer des Bernhards-Hofes, der 1645 das Dorf verließ,
um seine Familie über Wasser halten zu können, die Söldner
hätten " ihn uff das statlichste abgebrügellt, hett Wein sollen
schaffen", auch Johann Zimmermann, damals Bürgermeister, bestätigte:
" Ja er were wacker gebrügellt worden". Ebert Roßkam (aus seinem
Hof ging später Gehans hervor) ging es nicht besser, " ein reuter
von Allendorff undt sonst noch zweene ha ben ihn wacker abgebrügellt
undt darnach über den Zaum geworften". Die Vermögenseinbußen,
die den 13 Einwohnern entstanden, betrugen 105 Taler 30 Albus.
Die Pest hinterließ
unter der erwachsenen Bevölkerung 1635 keine Spuren. Trotzdem standen
danach von 17 Häusern sieben leer oder blieben unbewirtschaftet. Nur
im Falle von Jost Backus konnte nachgewiesen werden, daß er und seine
Frau mit den Soldaten gezogen waren.
1640 waren die Schäden
um einiges höher. Den acht Bauern fehlten nach Abzug der kaiserlichen
Besatzung 7 Schweine, 114 Mött Korn, 8,5 Mött Weizen, 7 Mött
Gerste, 3,5 Mött Erbsen, 3 Mött Wicken, 0,75 Mött Heidelkorn,
3,75 Mött Hafer und 19 Wagen Heu. Der Gesamtschaden betrug 436 Reichstaler
33 Albus 6 Pfennige.
Der Hessenkrieg in den letzten
Kriegsjahren sorgte dafür, daß weitere zwei Häuser unbewohnt
zurückblieben, so daß bei Kriegsende von 15 Häusern nur
noch fünf bewirtschaftet wurden. Vier Personen büßten noch
mit dem Leben.
Das
Wachstum nach dem Kriege:
Häuser
|
1666
|
1700
|
1750
|
1780
|
1810
|
1849
|
|
12*
|
14
|
19
|
17
|
19
|
21
|
* davon stand noch eins leer
Einwohner
Einwohner
|
1830
|
1846
|
1885
|
1900
|
1925
|
1939
|
1946
|
1950
|
1961
|
1970
|
|
139
|
147
|
152
|
149
|
175
|
154
|
251
|
245
|
185
|
179
|
1835 "Rüchenbach, evangl.
Filialdorf, 1/a Stunde von Gladenbach, mit 137 Einwohner, welche Ackerbau
und Viehzucht treiben" (Amtsarzt Dr. Deibel in seiner medizinischen Topographie).
1867 arbeiteten 83 Personen
in der Landwirtschaft, 5 in Gewerbe und Industrie, einer in der Schule.
1961 gab es 59 Erwerbspersonen in der Land- und Forstwirtschaft, 35 im
prod. Gewerbe, 4 in Handel und Verkehr und 7 in Dienstleistungen und sonstigen
Berufen.
Alte
Grenzsteine als Zeugen der Vergangenheit
Alte Grenzsteine, als Zeugen
einer längst vergangenen Zeit, findet man in unserer Gemarkung zwischen
Belscheid, Wüsteburg und Istebach. Dort verläuft die Gemarkungsgrenze
zwischen Nanz-Willershausen, Lohra und Rüchenbach.

Diese Gemarkungsgrenze war
bis zum preußisch-österreichischen Krieg im Jahre 1866 ein Teilstück
der alten Grenze zwischen Hessen-Darmstadt und Hessen-Kassel.
Anläßlich einer
volkskundlichen Wanderung unseres Geschichts- und Heimatvereins am 17.
6. 1980, an der über 80 Personen aus unserem Dörfchen teilnahmen,
wurden alte Relikte in Wald und Flur besichtigt, Flurnamen erläutert
und an dem oben erwähnten Abschnitt der alten Landesgrenze entlang
gewandert, wobei auf die Geschichte dieser Grenze näher eingegangen
wurde.
Die ersten markanten Steine
entlang dieser Grenze wurden im heimischen Raum im Jahre 1669 gesetzt.
Dies ergab eine Bestandsaufnahme, die im Winter 1979/1980 von unserem Geschichts-
und Heimatverein durchgeführt wurde. Dabei wurden alle noch vorhandenen
Grenzsteine von der Wasserscheide zwischen Frohnhausen und Nesselbrunn,
dem Stein Nr. 387, bis zum Stein Nr. 530 am Abhang des Schneeberges, westlich
von Rodenhausen, registriert. Diese Steine aus dem Jahre 1669 tragen die
Beschriftung HESS-DARM = Hessen-Darmstadt und HESS CASSEL = Hessen-Kassel.
Steine jüngeren Datums stammen aus den Jahren 1738, 1754, 1820, 1830
und 1853. (Vermutlich Ersatzsteine.) All diese Steine sind beschriftet
mit HD = Hessen-Darmstadt und HG = Hessen-Kassel.
Zwei Grenzsteine auf dieser
langen Strecke, sie stehen im Istebach an unserem Wanderweg, machen eine
bemerkenswerte Ausnahme, nicht nur was die Jahreszahl, sondern auch was
die Beschriftung anbelangt. Diese Steine stammen aus dem Jahre 1812 und
erinnern an die napoleonische Zeit. Auf der einen Seite sind sie beschriftet
mit GH = Großherzogtum Hessen und auf der anderen Seite mit KW =
Königreich Westfalen. Dieses Königreich Westfalen, unter Jerome
Bonaparte, wurde 1807 gegründet und endete bereits ein Jahr nach der
Steinsetzung im Jahre 1813.
Mord
im Hirzbach anno 1844
Selten trifft man wohl eine
Gegend, die frei oder verschont geblieben ist von Taten, die das Licht
scheuen; mögen das Diebstähle, Raubüberfälle, Lustmorde
oder sonstige dunkle Vergehen sein. Orte, wo solche Taten geschehen sind,
werden von den Bewohnern der Nachbargemeinden gemieden. Es "spukt" dort
oder es ist nicht ganz "just". Auch von einem der schönsten Plätzchen
der hiesigen Gegend hörte ich häufig diese Ausdrücke. Es
ist auf der Gemarkungsgrenze zwischen Rüchenbach und Willershausen,
im Hirzbach. Ein schöneres Ruheplätzchen wie unter diesem herrlichen
Buchenwald hat die Gegend nicht aufzuweisen. Nicht weit entfernt führt
die Marburger Straße entlang, in deren Nähe, wo sie in den Wald
eintritt, ein uralter Grenzstein steht.
Wirklich hat es einmal einen
Tag ge geben, da war es hier nicht "just". An einem schönen Frühlingsnachmittag,
nach Mitteilungen im Jahre 1844, als eben die Lerchen in den milden Strahlen
der untergehenden Sonne gen Himmel stiegen, das Bächlein Hirzbach
vom Eise befreit, mit lustigen Weisen des Frühlings nach der Allna
hinunterplätscherte, schritten zwei hessische Bauern den Feldweg von
Rüchenbach kommend langsam dem Tälchen zu.
Der eine, ein alter Mann
von mittlerer Größe mit ehrwürdigen Zügen, freundlichen
Augen und langen geraden Haaren auf dem Kopf, auf dem ein mächtiger
Dreimaster thronte. Er trug die damalige, kleidsame Tracht der Oberhessen,
blendendweißen Kittel, kurze Manchesterhosen, blaue Strümpfe
und niedrige Schuhe mit schweren Messingschnallen. Es waren Vater und Sohn,
letzterer nach Rüchenbach verheiratet (in Rühls- oder Waschhof),
wo ihn der Vater, ein reicher Bauer aus Kehna, heute besuchte. So kamen
sie bis in das Tälchen, machten Halt und nach wenigen herzlichen Worten
und einem Händedruck kehrte der Sohn zurück und der Vater schritt
dem Wäldchen zu, um vor Nacht die Heimat noch zu erreichen. Langsam
stieg er, auf sei nen Krückstock gestützt, die kleine Anhöhe
empor und blieb, als er die ersten Bäume erreicht hatte, stehen, atmete
auf und schaute zurück. Die Sonne sank schon hinter die hinterländischen
Berge. Noch einmal schaute er nach seinem Sohn. Dann holte er tief Luft
und schritt eins- zwei-drei, da, ein scharfer Schuß - ein leises
Ach! Der brave, alte Hesse brach sterbend zusammen. Aus dem Buschwerk trat
nach einiger Zeit eine finstere Gestalt, sah sich scheu um, kniete dann
hastig auf sein Opfer nieder, durchsuchte dessen Taschen und fand nur ein
paar Heller. Ein scheußlicher Fluch entfuhr wohl den verbissenen
Lippen des Mannes mit der schwarzen Seele.
Der reiche Bauer war umsonst
gemordet. Das Scheusal zog sein Opfer zwischen die Büsche, riß
etwas Reisig ab, breitete es über die Leiche und verschwand, wie es
gekommen war.
Der Hirzbach rieselte weiter,
die Vögel kamen zu den Büschen zurück, tiefe, stille Nacht
senkte sich über den Grenzstein hin, hier über den fliehenden
Mörder und dort über den Leichnam unterm grünen Reisig.
Bis spät in die Nacht hinein erwarteten den Unglücklichen die
Seinen. Keine Ahnung hatte sein Sohn in Rüchenbach, als um Mitternacht
von den Anverwandten aus Kehna über den Verbleib des Vaters nachgefragt
wurde. In dem Glauben, der alte Vater sei zu seinem Sohn nach Allna, wurde
auch dort angefragt, jedoch nirgends fand man eine Spur. Sofort stieg der
Gedanke auf, er müsse unterwegs verunglückt sein. Der ganze Wald
wurde noch in der selben Nacht durchsucht. Vergebens! Da, beim ersten Morgengrauen,
fanden sie den Vermißten unter seiner grünen Hülle, einiger
Kleidungsstücke beraubt.
Und wer war jene dunkle
Gestalt? Vergeblich fragt man die Gerichtsakten. Vergeblich hat die Gendarmerie
aus Marburg, vergeblich hat die Ortspolizei mit allen streitbaren Männern
der Umgegend die Wälder, Winkel und Schluchten durchsucht. Die hohe
Summe, die auf des Mörders Kopf gesetzt war, hat niemand verdient.
Zu derselben Zeit brannte
in Lohra die Kaplanei (Schulhaus mit Scheune) nieder. Im Monat Juni fand
man eines Morgens den Leichnam eines Mannes auf der Ziegelhütte bei
Lohra. Der Name des Toten war in fast ganz Oberhessen bekannt und gefürchtet.
Man nannte ihn kurzweg: "Zieglers Fritz". Wer kann sagen, wie jener Gerichtete
zu Mord und Brandstiftung in Beziehung stand?
Zeitgenossen von ihm rühmten,
er habe Freundestreue bis in den Tod gehalten, über geringe Vergehen,
die er sich zuschulden kommen ließ, viele bittere Tränen geweint.
Der Hirzbach fließt
jetzt wieder hell und licht, das halbe Jahrhundert hat die blutigen Spuren
verwischt. Der Grenzstein steht noch als Wächter an der althessischen
Grenze als stummer Zeuge aus alten Tagen. Von der Ziegelhütte aber
bei Lohra gilt das Dichterwort: "Und du bist von der Erde verschwunden.
Der Pflug geht über Dich hin." Nur im Volksmund lebt ihr Name noch
fort und schon ist die Zeit gekommen, wo die Kinder fragen, warum man diesen
Ort die Ziegelhütte nennt.
Diesen Bericht, den Lehrer
A. Racky am 2. März 1890 aufgrund eines Artikels im "Sonntagsboten
aus Kurhessen" 30 (5) in die Schulchronik von Rüchenbach eingetragen
hat, ergänzt Hermann Linne: Das Wäldchen im Hirzbach, von dem
die Rede ist, steht nicht mehr. Es war ca. 1,5 ha groß und lag mitten
in der Feldmark. Bei der Flurbereinigung erhielt der Besitzer des Wäldchens,
mein Vater, die Auflage: "Der Wald ist innerhalb von 10 Jahren nach Beendigung
der Flurbereinigung zu roden!"
Das
Goldauto - eine heitere Geschichte aus einer ernsten Zeit
Ein Rüchenbacher Chronist
berichtet im August 1924 über den Ausbruch des 1. Weltkrieges und
erzählt dabei folgende heitere Geschichte:
Bei Ausbruch des Krieges
lief eine Nachricht durch ganz Deutschland.
Ein russisches Auto, von
Frankreich kommend, versucht, mit viel geladenem Gold quer durch Deutschland
nach Rußland zu gelangen. Aufpassen!
Auch die Rüchenbacher
wollten das "Goldauto" abfangen und trafen vor kehrende Maßnahmen.
Quer über die Dorfstraße wurde beim Backhaus, in dem die Wachstube
eingerichtet war, ein Seil gespannt und die älteren Bürger, vom
Schlage des Karl Wagner, standen dort mit Vorder- und Hinterladern bewaffnet
auf der Wacht.
Eines Abends kommt der Dr.
Kaltenschnee von Gladenbach mit seinem Auto angefegt. Der Dr. hat es eilig
und will schnell weiterfahren, aber die Büchse des Karl Wagner gebietet
ihm halt. "Ich bin doch der Dr. Kaltenschnee und muß dringend zu
einem Patienten." Darauf der tapfere Karl: Daas konnste äach glaich
saa, domm Schinnoos, alleweil häste baal die Schwernuth g'hatt!"
Soweit unser Chronist. Übrigens:
Der Fahrer mit dem Goldauto wurde in Rüchenbach nicht gefangen.
(H. Linne,
Okt. 1981)
Sprüche,
Lieder und Redensarten
Ene, dene, ditsche, datsche,
wiwele, wiwele, witsche,
watsche,
wiwele, wiwele, wu?
Aus bist du!
Huppe, huppe Weire,
Pärner in de Seire,
Pärner en de Bonsebach,
es mei Peifche ausgekracht
DroB, droß Drill,
der Bauer hur e Fill.
Dr Bauer hor e bonde Kouh,
die läft de Lotze Mehle
zou.
Miller, mach' des Deerche
zou,
es kimmt e Kläppche
Reuter!
Lusse komme, lusse komme,
es sei doch kee Benhäuser.
Hopp, galopp, Kartoffelsopp,
en Gäiße häingt de Ranze.
Gieh mr fott, du goschtig
Minsch, ich will fit mit dr danze.
Ho, ho, ho, dr Kimmelmann
es da!
Er läft die Gaß
als nuff und nab:
Ihr Weiber, käft mr
Kimmel ab'
Hoppsassa, stirbt mei Fra,
gieh ich in die Werrera,
käf ich mir e aner
Fra,
däi soll sei, hibsch
en fei,
schiener wäi Schmidts
Annekathrei.
Best de kraank?
Mit der Noas en Schraank,
mit der Noas em Bodder dippe,
kann nit werre rausgehippe.
Seid ihr die Fra vo Glorebach?
Kommt heren, schneid ach
Brut!
Och ne, ich sei vo Bottehorn
- dos hut jo noch ke Nut!
Däwwe uffem Haus,
Hoas innerm Haus,
treiwe de grißte Bauer
aus em Haus.
En Richebach, en Richebach,
do gih de Koih uf Stelze;
die Gääste ho
Ga masche an,
die Hoinger kann mer melke.
In der Wisse weiße
Blomme,
morn soll dei Schätzche
komme.
Schelle, schelle daut nit
wieh,
wer maich schilt, hut Läus
en Flieh.
Hannes, drawannes,
tra Wasser ens Haus.
Die Mäure will wäsche,
des Dibbe läft aus.
De Scheaz es länger
wäi de Rock;
des Mädche es vu Bäirekopp.
Der geht die Bach nunter.
Der hängt sei Maul an
den Krappen.
Der drischt Heu.
Kannst dir's en de Schornstei
schreiwe.
(Gesammelt von Albert Damm
in Rüchenbach, eingetragen in die Chronik von Erdhausen )
Zeittafel
Rüchenbach
| 1854 |
Bau der Straße vom
Sauplatz in Rüchenbach bis Friebertshausen |
| 1925 |
Die Dorfstraße (Ecke
H. Friebertshäuser bis Ecke Friedhof) wird mit Steinen
aus dem "Rüchenbacher
Kalk" in eigener Regie gedeckt.
Dampfwalze aus Limburg (Fa.
Ohl) |
| 1926 |
Wegen erhöhter Unfallgefahr
bei Glatteis wird die Dorfstraße von J. J. Naumann
bis H. Barth kanalisiert |
| 1927 |
Neue Umfassungsmauerfür
den Brandweiher |
| 1935 |
Kamin und Ofen kommen in
die Kirche. Sie kann jetzt endlich beheizt werden |
| 1937 |
Leiternhaus und Spritzenhaus
vor der Kirche werden abgebrochen
4ojähriges Jubiläum
der Hebamme Ortmüller |
| 1929 |
Einrichtung einer Omnibuslinie
von Rüchenbach nach Marburg
(geht wegen geringer Inanspruchnahme
in 1930 wieder ein) |
| 1929-32 |
Flurbereinigung |
| 1932 |
Freiwilliger Arbeitsdienst
führt Drainagearbeiten im Feld aus |
| 1933 |
Einführung des Hand-
und Spanndienstes |
| 1935 |
Beim Erdaushub für
den Brandweiher wird ein Kugeltopf aus dem 13. Jahrhundert gefunden
Gründung der Freiwilligen
Feuerwehr |
| 1938 |
Bepflanzung der Heckenflur
zur Hälfte mit Obstbäumen |
| 1939 |
Der Rüchenbach wird
von Bernhards bis zum Friedhof verrohrt |
| 1939-45 |
16 Gefallene und Vermißte
sind die Bilanz des Zweiten Weltkrieges für Rüchenbach
8 evakuierte und 32 heimatvertriebene
Familien werden nach dem Krieg aufgenommen |
| 1954 |
Bau des Feuerwehrgerätehauses |
| 1956 |
Gründung der Forstbetriebsgemeinschaft |
| 1957 |
Einweihung des neuen Ehrenmals
für die Gefallenen beider Weltkriege |
| 1958 |
Bildung der Kirchengemeinde
Mornshausen, Rüchenbach und Friebertshausen.
Erster Pfarrer ist Herr
Hentschke |
| 1960 |
Zentrale Wasserversorgung
durch Anschluß an die Mittelhessischen Wasserwerke |
| 1962 |
Renovierung der Kirche |
| 1965 |
Die Schule verliert die
Oberstufe. Die Schüler des 5.-8. Schuljahres werden in Gladenbach
unterrichtet |
| 1965 |
Die heutige Forsthausstraße
erhält eine Teerdecke und einen einseitigen Bürgersteig |
| 1966 |
Revierförster Kaut
verkauft das Forsthaus an den Diakonieverband Marburg-Wehrda
Stillegung des Backhauses |
| 1969 |
5Ojähriges Jubiläum
als Ortsdiener für Heinrich Walbrecht (letzter Ortsdiener bis 1974) |
| 1971 |
Rodung der Gemeinde-Obstanlage
in der Rückenflur |
| 1972 |
Verkauf des Gemeinschaftsschulgebäudes
an Karl Waldow |
| 1974 |
Rüchenbach verliert
seine Selbständigkeit und wird Stadtteil von Gladenbach |
| 1975 |
Ausbau der Ortsstraße |
| 1979 |
Gründung des Geschichts-
und Heimatvereins Rüchenbach |
Schulkinder
in Rüchenbach, 1932. Foto: A. Damm
|