Runzhausen
Karte
Unser Stadtteil Runzhausen
Die Runzhäuser Struhkäpp (Strohköpfe)

Ortseingang von Runzhausen
Ortseingang Runzhausen                                            Foto: Bernd Nassauer  28/06/2000


Themenlinks:
 
Weiterführende Linkseiten:

Daten zu Runzhausen *Stand 21.12.2006
 
PLZ:
Fläche:
Höhe über NN:
Höchste Erhebung:
Einwohner:
Gesamte Großgemeinde:
35075
540 ha
Dorfmitte 321 m
(Allberg) 528 m
698 Einwohner
13.210 Einwohner

nach oben

Ortslage Runzhausen

1334 erstmals Urkundlich als Ramizhusen erwähnt. Dorf des Amtes Blankenstein.
Runzhausen liegt 3 km nordwestlich der Kernstadt. Der Hauptkomplex des relativ geschlossenen Ortes befindet sich auf einem nach Süden auslaufenden flachen Hang.
Straßen von Rachelshausen/Römershausen münden am Spreth in die alte Landstraße von Gießen nach Biedenkopf (heute B 453). Silberbergbau wird 1733 erwähnt, Kupfer- und Nickelbergbau im 19. Jahrhundert. Oberhalb des Stadtteils entspringt unweit der "Herrn-Heege" die Allna, die durch ein Mühlenreiches Tälchen, ihren Weg nach der Lahn sucht.

Wer gut zu Fuss ist, kann von Runzhausen den Wanderweg über den 503,7 m hohen Hünstein mit Aussichtsturm nach Holzhausen gehen.
 
Dorfkirche zu Runzhausen
Foto: Bernd Nassauer 28/06/2000
Mittelpunkt des Ortes ist die Kirche,
die nach einer Inschrift von Georg Blecher im Jahre 1781 erbaut wurde.
 
 
 
 
 

Es ist ein quadratischer Holzfachwerkbau mit einem allseitig abgewalmten Dach und einem im unteren Teil vierseitigen, im oberen Teil achtseitigen beschieferten Dachreiter.

Solche Kirchen, im späten 18. Jahrhundert errichtet, erhielten im Volksmund die Bezeichnung »Kaffeemühlen«.

nach oben

Vorgeschichtliche Funde und Bodendenkmäler

Aus der Altsteinzeit (vor rund 10 000 Jahren) gibt es Belege für Besiedlung. Man fand beim Ausbau eines Waldweges unter einer 20 cm dicken Humusschicht 41 Trümmer von Geräten (vor allem Klingen) aus schwarzem Kieselschiefer. Im Gebiet der Wüstung Idenshausen wurden auf einem Ackerrain unterhalb der alten Höhenstraße bei Aus grabungsarbeiten vor 30 Jahren Scherben aus der Latenezeit (ab 500 v. Chr.) sowie aus dem Mittelalter gefunden. Es handelt sich um Reste von ziegelroten Vorratsgefäßen.

Fundstücke
Steinzeitfunde, Runzhausen (nach Inv. vor - u. frühgesch. Denkm. Hessen, 1973).

Mehrere alte Stufenraine liegen unterhalb südlich vom alten Höhenweg in einem Eichenwald südostwärts von Runzhausen. Einige Raine auf der Südseite des Würtenberges reichen in die Kehlnbacher Gemarkung hinein. Weitere Reste alter Rainsysteme findet man am Nordhang des Lommel (Höhe 385), südostwärts des Ortsteils an der Bundesstraße und im Gebiet des Quelltälchens der Allna.
nach oben

Aus der Geschichte Runzhausens

Runzhausen wird 1334 zum ersten Male urkundlich erwähnt. Der Ritter Kraft von Hohenfels trug am 11. Oktober des Jahres dem Grafen von Nassau seine Gülte aus dem Dorfe Ramizhusen bei Blankenstein in Höhe eines jährlichen Zinses von zwei Mark Geld an und empfing sie sofort wieder als Burglehen zurück. Ramizhusen war unser Runzhausen. Es ist verwunderlich, daß die Ritter diesen Besitz ausgerechnet einem erklärten Feind des hessischen Landgrafen antrugen. Das war ein Affront, der sich nur dadurch erklären läßt, daß sich die Hohenfelser vom Landgrafen bedroht fühlten, aber nicht gewillt waren, ihren Runzhäuser Grundbesitz aufzugeben. Der Grund könnte in der zu jener Zeit stark benutzten Siegener Hohen Straße gelegen haben, die zusätzliche Einnahmen versprach.
1344 ließ Eckhard der Schwarze von Bicken, der auch Patron der Gladenbacher Kirche war, eine Aufstellung seines gesamten Besitzes anfertigen. In seinem "Mann- und Güterbuch der von Bicken" wird auch Runzhausen, das den Bickenern zehntpflichtig war, genannt.
Es hieß diesmal Rameshaußen.
Zur Gemarkung gehört eine Wüstung namens ldenshausen, im Volksmund Minzhausen genannt.
Diese Bezeichnung entstand aus der Flurbezeichnung "Im ldenshäuser". Diese Siedlung dürfte
schon in karolingischer Zeit aufgegeben worden sein, jedenfalls haben Ausgrabungen 1954 karolingische Keramiken zutage gefördert.
Runzhausen war ein reines Bauerndorf, das im 19. Jahrhundert anläßlich der Industrialisierung
einen Strukturwandel zur Arbeiterwohnsitzgemeinde vollzog.
Um 1400 gab es 10 Hausgesäße, darunter sieben Vollerwerbsbetriebe. Zwei Häuser gehörten Knechten und eins dem Hirten. Diese Zahlen änderten sich nur geringfügig. 1502 waren es 11 Häuser.
Aber in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts nahm die Einwohnerzahl beträchtlich zu. 1585 gab es 24 Hausbesitzer, neun von ihnen hielten insgesamt 21 Pferde.
Die starke Zunahme der Bevölkerung erklärt sich nur durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze in dem inzwischen in Gang gekommenen Erzabbau, die eine Abwanderung verhinderte. Aus einem Briefwechsel des Blankensteiner Amtmanns Wilhelm Krug mit der landgräflichen Regierung aus dem Jahre 1616 wissen wir, daß bei Runzhausen ein Bergwerk wieder betrieben werden sollte, das "vor 50 Jahren im Schwank gewesen und damals verloschen" war. Die Zeit der Eröffnung dieses Bergwerkes fiel also genau mit der Zeit des Bevölkerungsanstieges zusammen. 1730 wurde ein weiterer Versuch gemacht, die im Amt stillgelegten Bergwerke erneut zu erschließen, und man grub wieder um bei Runzhausen und Rachelshausen in den Allbergen nach "pretiosen Metallen." Dieser Silberbergbau führte wieder zu einem Anstieg der Bevölkerung und zum Neubau von Häusern. Nach erhalten gebliebenen Bergwerkslohnzetteln arbeiteten mehrere Einwohner vor Ort unter dem Schichtmeister Gebhard Leithäuser, und viele verdienten sich durch Zulieferung und fahrende Dienste zusätzliches Geld.
Leider mußte die Grube, die bereits fünf Lachter tief vorgetrieben war, 1733 geschlossen werden. Die Ausbeute betrug bis dahin nur ca. 10 kg Silbererz.
Im Dreißigjährigen Krieg (1618-48) richtete 1633 Rittmeister Wilhelm de Wredes Kompanie Verluste und Schäden für 344 Taler 8 Albus 3 Pfennigen an, darunter allein 25 Taler 12 1/2 Albus für "ein Gästerey", die der Corporal, "so bei Hanß Schmitten losirt hatt", veranstaltete. 1640 betrugen die Schäden und Verluste 842 Reichstaler 33 1/2 Albus. 1635/36 waren von 60 bedepflichtigen Einwohnern 26 an der Pest gestorben und es standen, nachdem im Hessenkrieg nochmal vier Personen umgekommen waren, bei Kriegsende schließlich 18 Häuser leer. Nur noch acht wurden bewohnt. Trotzdem blieb eine Kontinuität in der Landwirtschaft unverkennbar. Höfe wie Äch, Berg, Faiches, Flips, Grein, Neckels, Henn und Weils überlebten den Krieg und behielten auch ihre alten Hausnamen bei. Dinges und Wernisch erhielten einen neuen Hausnamen. Hans, Hansekobs, Kaspisch, Pirrisch, Scholmestisch, Schreinisch und Warsch entstanden im Rahmen von Neuordnungen in oder kurz nach dem Kriege.
nach oben

Das Wachstum nach 1648:

Häuser
1666
1700
1750
1780
1810
14
18
34
38
38

Einwohner
1834
1885
1925
1939
1946
1950
1961
1970
239
273
355
403
593
615
577
641

Die Gemeinde bewältigte den Strukturwandel vom Bauerndorf zur Arbeitergemeinde verhältnismäßig leicht. Schließlich hatte sie einschlägige historische Erfahrungen im 16. und im 18. Jahrhundert gemacht, die eine größere Flexibilität im Verhältnis zwischen Ortsbürgern und Beisassen, die sich auf keine solide Landwirtschaft stützen konnten, bewirkten und die zu mehr Toleranz und Akzeptanz führten, als man gemeinhin findet. Es kam zur Gründung von handwerklichen Kleinbetrieben, die schnell zu einer neuen wirtschaftlichen Basis wurden und die den Übergang in die Gegenwart erleichterten.
1835 "Runzhausen, evangl. Filialdorf, 3/4 Stunden von Gladenbach, hat 240 wohlhabende Einwohner, welche Ackerbau und Viehzucht treiben". (Amtsarzt Dr. Deibel in seiner medizinischen Topographie)
1867 arbeiteten 67 Erwerbspersonen in der Landwirtschaft, 1961 113 in Land- und Forstwirtschaft, 136 im prod. Gewerbe, 21 in Handel und Verkehr und 9 im Dienstleistungsgewerbe oder in sonstigen Berufen.
nach oben

Die Glocke aus dem Mittelalter

"Ist das nun der Gemüsemann oder der Eisenhändler?" - so fragte sich der neue Runzhäuser Pfarrer, als er zum erstenmal die Glocke seiner Gemeinde hörte: Ein gleichbleibend helles, dünnes Bimmeln aus der Gegend um die Kirche kurz vor Beginn des Gottesdienstes, der im Jahre 1982 noch im Gemeindesaal statt fand. Die Runzhäuser wußten es besser, es war die Kirchenglocke, seit 1781 per Hanfseil geläutet, der Zeit von Küster Bruder. Das Alter der Glocke wußte niemand zu nennen, es war nur ein "leises Ding" und "wenn der Wind falsch steht, dann hört man's nicht mal bis zum Kleeberg". Die Gemeinde wäre ihr "leises Ding" am liebsten gegen eine kräftige neue Glocke oder noch besser zwei Glocken losgeworden. Da der Guß einer zweiten Glocke in der Tat zweckmäßig ist, erfolgte eine Untersuchung des Glockenturmes so wie der alten Glocke durch Sachverständige einer Glockengießerei. Die Überraschung der Experten war groß: "Es handelt sich um eine gut erhaltene Bronzeglocke von 1400 mit einem unteren Durchmesser von 420 mm, einer flachen Haube, oben enger im Durchmesser, leicht konische gerade Flanken und einem breit ausladenden Rand. Sie besitzt zwei fast gleich starke und gleich langanhaltende Untertöne (,d' und ,fis'), die ihr einen ausgeprägten Durterz-Charakter verleihen". Die alte Runzhäuser Glocke ist zugleich eine der ersten mittelalterlichen Glocken mit einer gotischen Minuskelinschrift, die die Entstehungszeit und Widmung angibt (MCCCC - 1400, JHS - Jesus). Der heute als zu dünn und leise empfundene Klang stellt das Nonplusultra der Glockentonkunst vor nahezu 600 Jahren dar.
Möglicherweise mahnt und ermuntert die uralte Glocke schon seit dieser Zeit Menschen in Runzhausen und ordnet die Zeit. Altere Einwohner erinnern sich noch sehr gut an die auf dem Kirchenspeicher befindliche Turmuhr, deren Hammer zu jeder vollen Stunde auf die Glocke anschlug. Vermittels eines Schlaghammers, gegen den die in den Jochlagern bewegte Glocke während des Läutens anschlug, wurde bereits im Mittelalter unsere Glocke geläutet - der eingehängte Läuteklöppel kam später auf. Auch nach der Stillegung der Turmuhr wußten die Runzhäuser bis vor kurzem noch beide Techniken miteinander zu kombinieren! Der Eisenhammer ist inzwischen, da er trotz Lautverstärkung die Glocke schädigte, ein Stück weit entfernt. Das Glockenläuten ordnete noch bis in die 30er Jahre das tägliche Leben in unserem Dorfe. Je nach Jahres zeit fand das Früh- oder Wachläuten um 5 oder 6 Uhr statt. Um 11 Uhr erinnerte die Glocke daran, daß die Mittagszeit nahte, und um 12 Uhr wurde zum Essen geläutet. Im Anschluß an das Essengeläute wurden außerdem noch die Backhauslose gezogen und nach dem Feierabend läuten hatten die Kinder auf dem Hofe der Eltern zu sein. Durch Glockenläuten wurden Todesfälle vermeldet und erhielten die Verstorbenen das letzte Geleit zum Friedhofe. Selbstverständlich wurde auch das neue Jahr eingeläutet, und im Falle von Feuersbrünsten und Katastrophen warnte und rief die Glocke die Dorfgemeinschaft zur Hilfe. Zur Zeit wird die Glocke außer zu allen Gottesdiensten sowie während des Vaterunsers im Gottesdienst noch als Sterbeglocke an dem auf den Tod folgenden Vormittag zwischen 8.00 und 9.00 Uhr und vor Beerdigungen geläutet. Das Läuten der Tageszeiten als Mittags- und Abendläuten soll nach der noch ausstehenden Sanierung des Glockenturmes und Anfertigung einer zweiten Glocke wieder aufgenommen werden, Feuersbrünste dagegen werden auch künftig von der Sirene auf dem Dache des Dorfgemeinschaftshauses gemeldet.

(P. Voß)
nach oben

Zeittafel Runzhausen
 
1900 Konrad Koch ist Bürgermeister
1908 Erster Einsatz der Dreschmaschine
1911 Gründung der Spar- und Darlehenskasse
1913 Pflanzung einer Linde zur Erinnerung an den hundertsten Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig
1914 1. Weltkrieg - am 20. 4. 1915 erste Gefallenenmeldung, es werden acht weitere folgen
1920 Stromversorgung in Runzhausen.
Einweihung des Ehrenmals und Pflanzen einer Linde auf dem Friedhof
1923 Ludwig Friebertshäuser wird Bürgermeister.
Der Nachtwächter gibt seinen Dienst auf
1925 Bau des Hochbehälters und der Wasserleitung
1926 Die Allna wird im Dorfbereich verrohrt
1933 Der Sportplatz wird gebaut
1935 Der Dorfteich wird zugeschüttet
1942 Der Tränkebach wird im Dorf bereich verrohrt
1945 Bilanz des Zweiten Weltkrieges: 33 Gefallene und Vermißte
1948 Gemeindehaus in der Dorfmitte (später Volksbank)
1950 Von 615 Einwohnern sind 200 Heimatvertriebene
1959 Bau der neuen Schule
1960 Das Lehrerwohnhaus wird gebaut.
Runzhausen wird mit Bellnhausen und Rachelshausen Vikarstelle Pfarrer Christian Gensch
1965 Alte Schule abgebrochen.
Kinderspielplatz an der Kleebergstraße neu erbaut
1966 Selbst. Pfarramt, Pfarrer Virgil Howard
1968 Die Freie ev. Gemeinde bezieht ihr neu erbautes Gemeindehaus Umkleidehaus auf dem Sportplatz gebaut
1969 Letzter Einsatz der Dreschmaschine
1970 Der ev. Gemeindesaal wird gebaut.
Neuer Hochbehälter gebaut.
Fusion der Spar- und Darlehenskasse mit der Volksbank Gladenbach 
1973 Jugendbaracke der ev. Kirchengemeinde gebaut
Bau der Schutzhütte
1976 Umbauarbeiten Dorfgemeinschaftshaus
1978 Kinderspielplatz am DGH
1979 Schlachtraum am DGH
1980 Bau der Friedhofshalle
1984 Feuerwehrgerätehaus am DGH
650-Jahr-Feier

nach oben


Quelle: Blume/Runzheimer Gladenbach © 2010, Bernd Nassauer, Gladenbach
Home URL: www.stadt-gladenbach.de