Sinkershausen
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Unser Stadtteil Sinkershausen
Die Sinkershausener Scheanke (Schinken)

Blick ueber Sinkershausen
Blick über Sinkershausen
                                                                                                               Foto: Bernd Nassauer 28/06/2000


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Daten zu Sinkershausen *Stand 21.12.2006
 
PLZ:
Fläche:
Höhe über NN:
Höchste Erhebung:
Einwohner:
Gesamte Großgemeinde:
35075
622 ha
Dorfmitte 312 m
(Wikeberg) 421 m
311 Einwohner
13.210 Einwohner

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Ortslage Sinkershausen

Sinkershausen liegt 3,5 km nordostwärts von Gladenbach. Es ist ein zweigliedriges Dorf in einem Talkessel der Allna. Im Jahre 1271 wird es zum erstenmal in einer Urkunde erwähnt. Es geht dabei um eine Schenkung der Witwe des Marburger Bürgers Rudolf Rinka. Diese Frau, eine Begine (Anm.: Klosterfrau ohne Gelübde) mit Namen Hilla, schenkt dem Deutschen Ritterorden in Marburg ihre Zinseinkünfte aus Gütern, die in der Gemarkung Sinkershausen liegen. Damit bekommt der Orden eine seiner ersten Einnahmequellen im Raum Gladenbach. Eine andere liegt in Mornshausen. Ein halbes Jahr hundert später hat der Orden weiter Fuß gefaßt und hat Besitztümer in Form von Äckern und Höfen in Rachelshausen, Weidenhausen, Schlierbach, Wommelshausen, Friebertshausen und Weitershausen. Im Wappen von Sinkershausen ist bis heute die Erinnerung an die Zeit des Deutschen Ritterordens festgehalten. Das Kreuz in der Mitte ist aus dem Kreuz im Wappenschild des Ordens und aus dem Brustkreuz der Brüder hervorgegangen. Der Ortsname geht vermutlich auf Personennamen zurück. "Bei den Häusern des Sindger" ist wohl die ursprüngliche Form.
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Vorgeschichtliche Funde und Bodendenkmäler

Im Jahre 1930 wurden oberhalb des Lehmbachs "an den Fuchslöchern" (ostw. der Straße nach Gladenbach) eine durchbohrte Arbeitsaxt und ein flaches Steinbeil gefunden. Sie stammen aus der jüngeren Steinzeit und dürften damit etwa 5000 Jahre alt sein. Wie die entsprechenden Funde in Diedenshausen, weisen sie auf eine frühe Besiedlung des Gebietes hin.
Langstreifenfluren mit erkennbaren Stufenrainen sind im südlichen Teil des Wilkenberges zu finden. Sie reichen bis an den alten Fuhrweg von Weitershausen nach Bellnhausen. Vom Kalten Feld bis in den Wald am Mittelscheid verlaufen ebenfalls alte Raine. Reste von 6 ehemaligen Rainen, z. T. bis 1,6 m hoch, mit riesigen, über 500 Jahre alten Eichenwurzeln liegen am Hang westlich des Irrbaches. Dort gibt es auch mehrere alte Köhlerplätze. Ostnordostwärts der Rauhen Hardt sind alte Raine vorhanden, die westlich des alten Weges nach Diedenshausen beginnen. Sie befinden sich meist im Freiland, nicht im Wald. Schließlich gibt es noch Langstreifenfluren südlich der Straße nach Bellnhausen.


Arbeitsaxt und Steinbeil (nach mv. vor- u. frühgesch. Denkm. Hessen, 1973)

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Aus der Geschichte Sinkershausens

Am 13. Dezember 1271 schenkte die Begine (Betschwester) Hille, die Witwe des Marburger Bürgers Rudolf Rinka, dem Deutschen Orden zu Marburg Einkünfte in Höhe von 16 Schillingen Pfenniggeld aus ihren in "Synkershusin" gelegenen Gütern und acht Jahre später verzichtete Albert gen. Rinka gegenüber dem Deutschen Orden auf alle Güter, die Rudolf Rinka in "Sinkershusin" hinterlassen hatte. Das war offensichtlich ein rechtlich anfechtbarer Akt, denn 1288 wurde die Witwe Hyldemudis verurteilt, die vollen Abgaben für die genannten Güter an die Begine Hille zu entrichten.
1292 tauschte der Ritter Peter von Buchenau seine Güter in Kombach gegen Güter, die er dem Kloster überlassen hatte, als seine Tochter dort aufgenommen wurde. Er verzichtete auf die Kombacher Güter, überließ die anderen aber offenbar auch dem Kloster, denn die Kalderner Klostergüter gingen 1540 an die Universität Marburg über und wurden 1577 von zwei Lehnsleuten bewirtschaftet. Im Jahre 1300 bestätigte Geba von Allna eine Schenkung ihres Bruders an den Deutschen Orden. Es handelte sich um verschiedene Liegenschaften, darunter auch in "Synkershusen".

Ableitung des Wappens von Sinkershausen.
Von links nach rechts: Brustkreuz des Hochmeister - Brustkreuz der Ordensbrüder - altes Wappen des Hoch- und Deutschmeisters - Wappenschild des Ordens - Wappen von Sinkershausen mit dem Blatt aus dem Malkomesiuswappen.

1333 verkauften Gylbrecht von Weitershausen (Wytershusin) und seine Ehefrau der Witwe des Wetzlarer Schöffen Heinemann, die auch Hille hieß, Einnahmen aus Liegenschaften in Sinkershausen und einigen anderen Orten, damit diese in der Lage war, ein Seelgerede (Messe) für ihre Eltern und einige andere Verstorbene zu stiften. Der jährlich eingehende Zins betrug eine halbe Mark, zwei Gänse, 2 Hühner und ein Fastnachtshuhn.
Der Deutsche Orden hatte durch zwei wichtige Schenkungen schon früh im Gericht Gladenbach Fuß gefaßt und schrittweise auch Besitz in anderen Dörfern erworben. Sinkershausen dürfte dabei eine nicht unwichtige Rolle gespielt haben, zumal 1395 der Marburger Bürger Hermann Swengke dem Orden noch einen ganzen Hof mit Ländereien übertrug. Diesen Besitz rundete eine weitere Erwerbung im Jahre 1536 noch ab. Der Deutsche Orden erwarb vom Kloster Altenburg Gefälle in mehreren Orten des Hinterlandes, darunter erneut in Sinkershausen. Im Dorf gab es um 1400 14 Hausgesäße, eine Zahl, die in den nächsten 300 Jahren nicht wieder erreicht werden sollte. 1502 waren es nur noch acht und erst 1577 stieg die Zahl wieder auf elf.
Unter den Bewohnern von 1400 waren acht Bauern, die übrigen verdienten bei einigen eigenen Ländereien als Knechte, Hirte oder Wächter ihren Unterhalt. Die Siedlung muß sich übrigens dicht um die Kirche herum geschart haben, denn es wohnte da ein Dippel am Kirchhof, ein Henkel hinter der Kirche, ein Rüffel vorm Kirchhof und Hänschen, Rüffels Bruder, vor dem Kirchhof.
1585 gab es unter den 11 Bewohnern neun Pferdebesitzer. Bis auf einen hatten alle jeweils drei Pferde. Dar angemessen müssen alle Höfe an nähernd gleich groß gewesen sein. Das aber würde bedeuten, daß in der Zwischenzeit einige Teilungen statt gefunden haben, denn um 1400 hatten die Höfe ein Vermögen von 40 Gulden, nur zwei ragten heraus, der eine mit 200, der andere mit 80 Gulden. 1630 waren es immer noch neun Pferdehalter mit insgesamt 21 Pferden.
1577 besaß hier die Universität Marburg drei Höfe und verschiedene Liegenschaften, der Deutsche Orden zwei Höfe und die Feigen einen Hof. Philipp Rode hatte zusammen mit dem Landgrafen und der Martinskirche einen Hof, aus dem er 25 Albus, zwei Gänse, zwei Hähne und zwei Hühner erhielt. Der jährliche Zins des Landgrafen betrug 14 Albus und die Kirche bekam 10 Albus, eine Gans, einen Hahn und ein Huhn. Der Besitzer mußte außerdem dem Gladenbacher Kirchenkasten noch drei Albus und drei Heller bezahlen.
1633 logierten in Sinkershausen Teile von Rittmeister de Wredes Kompanie, die versorgt werden wollten und die das Dorf einschließlich der Schäden, die sie anrichteten, 355 Taler 23 Albus kosteten. Zu Übergriffen gegen Menschen ist es nur in einem Falle gekommen, denn Hans Wagner konnte dem handgreiflichen Corporal noch rechtzeitig entwischen. Phillipp Burck aber berichtete: "Des Quartirmeisters Knecht hab ihn geschlagenn aber er were geflott (geflöht, bestohlen) worden, das ihm sein schiege darüber vergessen were".
1635 starben von den 26 bedepflichtigen Einwohnern 10 an der Pest. Allerdings konnten noch alle 10 Häuser weiterhin bewirtschaftet werden. Das änderte sich nach 1640. Die Kaiserlichen requirierten und richteten 1640 Schäden bei acht Häusern für 1507 Reichstaler, 40 Albus an. Die Bewohner büßten 1 Pferd ein, 21 Schweine, 6 Bienenstäcke, 382 Mött Korn, 16 Mött Weizen, 26 Mött Gerste, 13 Mött Erbsen, 123 Mött Hafer und 32 Wagen Heu und am Ende des langen Krieges waren noch vier Häuser bewohnt, die gemeinsam nur einen Pflug hatten. Vier weitere standen leer.
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Das Wachstum nach dem Kriege:

Häuser
 
1666
1700
1750
1780
1810
11*
16
20
24
28
*davon zwei unbewohnt

Die Einwohner
 
1834 1846 1885 1900 1925 1939 1946 1950 1961 1970
227 290 218 243 238 239 409 407 288 297

1835 "Sinkershaußen, evangl. Filialdorf, 1/2 Stunde von Gladenbach, mit 226 Seelen, welche guten Ackerbau und Viehzucht treiben" (Amtsarzt Dr. Deibel in seiner medizinischen Topographie).

1867 arbeiteten 41 in der Landwirtschaft, 2 im Verkehr und einer als Lehrer. 1961 waren 80 in Land- und Forstwirtschaft, 59 im prod. Gewerbe, 13 in Handel und Verkehr und 16 in Dienstleistungen und sonstigen Berufen beschäftigt.
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Der Mittelscheidsteich - eine "so praktische Bewässerungsanlage"

In einer Beschreibung des Großherzogtums Hessen-Darmstadt aus dem Jahre 1830 wird Sinkershausen folgendermaßen beschrieben: "Sinkershausen hat vortreffliches Ackerland und Wiesenland, doch ein total verarmtes Dorf, und durch frühere schlechte Gemeindeverwaltung tief gesunken, daß sowohl die Gemeinde als die Mehrheit der dasigen Bürger für sich materiell konkurs sind. In der Nähe wurden erfolglose Versuche auf Steinkohle gemacht. "In den folgenden Jahren aber geht es, wenn auch mit Rückschlägen durch Unwetter und harte Winter (1835, 1839, 1845), aufwärts. Im Jahre 1847 verkauft der Steuerkommissär Eckhard zu Gladenbach mit fünf anderen Teilhabern das ehemalige Hartigsche Mittelscheidgebiet an den Staat. Es wurde damit Domanialgut. Wiesen wurden dort zu Ackerland gemacht, Obstbäume wurden angepflanzt. Bis 1864 waren es: 118 Apfelbäume, 61 Birnbäume, 5 Kirschbäume, 1 Zwetschenbaum, 2 Nußbäume, 1 Kastanie. Im Jahre 1861 wurde eine Bewässerungsanlage für die Wiesen im Mittelscheid geschaffen. Amtmann Schliephake zu Gladenbach berichtet darüber: "Die Bewässerungsanlage auf den Domanial wiesen im Mittelscheid ist eine durchaus gelungene und schöne - eine so practische, dass sie nicht nur dem Hinterländer sondern jedwelchem Landwirthe als Muster angeführt werden kann. Der Sammelteich erhalt das Wasser nicht allein durch Regen, sondern auch durch Quellen aus der Seite des Zuflußkanals, und was wohl zu beachten, aus einem alten verlassenen, und unausgesetzt mit Menge versehenen Schieferstollen. Von dem Teichwasser kann nicht nur die ganze, unterhalbliegende Thalfläche Vollständig bewässert werden, sondern auch noch eine ziemliche Fläche der Wiesen in dem jenseits des Ackerfeldes ziehenden Thale. . . Als in diesem Frühjahr die Anlage vollständig aus geführt war, wurde der Sammelteich vorerst schwach abgelassen, um sich von der Richtigkeit der Grabenarbeiten überzeugen zu können; später wurden die Schleusen stärker geöffnet und es reichte die Wassermenge für ca. sechs Tage aus, um die ganze Fläche abwechselnd und mehrmal vollständig unter Wasser zu setzen." Wie R. Acker in seinen Aufzeichnungen ferner mitteilt, galt die Anlage als Musteranlage und wurde mehrfach von landwirtschaftlichen Vereinen besucht.
In unserem Jahrhundert versumpfte die Stelle. Der Teich verschwand. Erst in den Jahren 1960-1961 stauten Kinder beim Spiel den Abfluß. Ein kleiner Teich bildete sich. Er wurde dann fachmännisch vom Hessischen Forstamt in Gladenbach wieder angelegt. Man schuf zwei Teiche, zwischen denen ein Damm verlief. Die Anlage wurde zum Angeln verpachtet. Im angrenzenden Wald wurde eine Schutzhütte errichtet. Die Verpachtung endete im Jahre 1980. Beide Teiche wurden renaturiert und Erholungsuchenden zugänglich gemacht.
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Graubenhof und Breidenbacher Hof
 
Alle Höfe in Sinkershausen waren Landsiedelhöfe, d. h. sie waren Lehen der Universität Gießen oder des Deutschen Ordens in Marburg. Mit einer Ausnahme - dem Graubenhof (heute "Leumanns" im Besitz der Familie Burk)! Das war ein Freihof. Er gehörte seit dem Jahre 1690 einer Familie Malcomesius zu Gießen. Sie hatte ihn allerdings an zwei Hofleute mit Namen Becker verpachtet. Diese und ihre Nachkommen bewirtschafteten den Hof jahrzehntelang. Im Jahre 1770 zog Ludwig Daniel Malcomesius, Obristlieutnant im Dienste des Kurfürstentums Köln, mit seiner Frau Anna Sybilla, geb. Speit, nach Sinkershausen, um den Hof selbst zu führen. Er starb an einer ,"hitzigen Brustkrankheit und wurde den 13. Sept. 1787 begraben, alt 74 Jahre." Er wurde vom protestantischen Pfarrer beerdigt, obwohl er selbst beim Eintritt in kurkölnische Dienste katholisch geworden war. Seine Frau, aus kölnischem Gebiet stammend und ebenfalls katholisch, starb einige Jahre später am 1. Januar 1793.

Im Oktober 1789 aber schon hatte der Amtmann Krebs der Regierung in Darmstadt mitgeteilt, daß der Hof in sechs Teile geteilt werden solle, da keins der Kinder des Oberstleutnants den Hof übernehmen wollte; Nach einigem Hin und Her wurde der Hof aber dann nur in zwei Teile geteilt. Den einen erhielt Johann Daniel Burk, den anderen Johannes Jost Burk. Das waren Brüder, die zwei Töchter Malcomesius geheiratet hatten. Die Burks stammten aus Bellnhausen und waren Pächter auf dem Graubenhof. Der Teil des Erbes, den Johann Daniel Burk, verheiratet mit Katharine Malcomesius, er halten hatte, blieb in geschlossenem Besitz der Familie bis heute. Der Teil des Johann Jost Burk dagegen wurde unter dessen Erben aufgeteilt. 


Blick auf den Ortskern mit Graubenhof (Leumanns Hof) und Kirche

Die Besitzungen des Breidenbacher Hofes (heute Familie Berge, Hausname "Bärtz") stammen z. T. aus Gütern, die auf dem Verkaufswege von den Herren von Breidenbach zu Breidenstein über die hessischen Adelsgeschlechter Milchling und Schenk an Alexander von Döring in Elmshausen gelangt waren, und zwar in den Jahren von 1575 bis 1590. Ein anderer Teil des Besitzes stammt aus Lehnsgut der Marburger Oberpfarrei und ein dritter schließlich ist Eigentum, das von einer Erbengemeinschaft in Marburg erworben wurde. In den Archiven taucht dann im Jahre 1788 der Name dieses Lehnsgutes im Zusammenhang mit einem Antrag auf Verkaufsgenehmigung auf: Der Besitzer Ludwig Barth möchte einen Teil des Lehnsgutes verkaufen.
 


Als einziger "Freihof" galt der im Besitz der Beamten- und Offiziersfamilie "Malcomesius
zu Giessen" befindliche "Graubenhof", der noch heute unter dem Namen "Leutnantshof" bekannt ist.
Leutnantshof
-Freihof Malcomesius-
Foto: Bernd Nassauer   28/06/2000

Die Malcomesius waren eine alteingesessenen hessisch
Beamten- ,Offiziers- und
Gelehrten-Familie,
die den Hof
seit ca. 1690 an zwei Hofleute namens Becker verpachtet hatten.

Es heißt in dem Antrag: Der Supplicand (Anm.: Antragsteller) besitzt ein starkes Lehnguth, worüber er alle 8 Jahre eine Landsiedelleye (Anm.: auf 8 Jahre vergebenes Lehen) bei F. (= fürstlicher) Renthey empfängt und jährlich 25 alb. 6 den. Zinss, 3 alb. 3 den. Leyegeld, zwey Gäns und 2 Hahnen davon liefert." Ludwig Barth will seinem Schwager, dem Lehrer Stöcker in Bellnhausen, drei Äcker altes Lehnsgut für 220 fl. verkaufen. Verkäufe dieser Art waren damals an der Tagesordnung, weil fast alle Höfe verschuldet waren. Barth erhielt die Genehmigung und verkaufte die Äcker. Im wesentlichen aber blieb der Hofbesitz zusammen. Der Hof ist damit heute noch einer der größten in Sinkershausen.
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Historisches Schmuckstück im alten Ortskern - die Kirche

Die historische Chorturmkirche im alten Ortskern Sinkershausens gehört zu den bemerkenswerten Denkmälern des Hinterlandes. Erbaut wurde sie vermutlich im 13. Jahrhundert. So wie im Hausbau, errichtete man in früheren Zeiten die Kirchen in Fachwerkkonstruktion. Vor allem die Gefährdung der Holzbauten bei Brandschatzungen und die relativ schnelle Verwitterung des Baumaterials brachten vielerorts eine Bevorzugung der Steinbauten. Ein weiterer Grund für die solidere Bauweise waren die oft unsicheren Zeiten. Die kleinen Dorfkirchen erhielten deshalb einen wehrhaften Charakter. Dies erklärt wahrscheinlich auch die außergewöhnlich dicken Mauern der Sinkershäuser Kirche. Dennoch fehlen der Kapelle die Merkmale einer klassischen Wehrkirche.
Kirche und Kirchenraum sind relativ groß angelegt, bedenkt man, daß es im 13. Jahrhundert, als das Gotteshaus geplant und gebaut wurde, nur wenige Höfe im Ort gab. 1629 zählte das Dorf laut Chronik 10 Haushaltungen. Die großzügige Bauweise läßt darauf schließen, daß man das zu künftige Wachstum des Dorfes optimistisch einschätzte und auch finanziell gut gestellt war. Die Kirche ist das älteste noch erhaltene Gebäude im Dorf. Da es keine Inschriften gibt, läßt sich die genaue Erbauungszeit nicht feststellen.
 

Dorfkirche zu Sinkershausen
Foto: Bernd Nassauer 28/06/2000

 
 
 
 
 
 
 
 

Inschriften, die Auskunft über die Erbauung geben könnten, fehlen leider. Bei der Renovierung im Jahre 1925 wurden im Innern Wandmalereien entdeckt, von deren Erhaltung wegen des schlechten Zustandes abgesehen wurde.

In den Kirchenbüchern ist zu lesen, daß 1922 eine Renovierung des romanischen Bauwerkes stattfand. Da bei wurden im Inneren Wandmalereien freigelegt. Von deren Renovierung sah man ab, da sie sich in einem schlechten Zustand befanden. 1932 beanstandete Kirchenbaumeister Hofmann (Herborn) das Überstreichen der Wandmalereien. Eine grundlegende Instandsetzung der Kirche erfolgte 1954. Eine Ausmalung übernahm der Kirchenmaler Velte.
Im Zweiten Weltkrieg war verfügt worden, daß die vorhandene Glocke von 1810 nicht zum Einschmelzen abgeliefert werden mußte. Die Glocke hatte einen Durchmesser von 60 Zentimeter und war 150 Kilogramm schwer. Am 14. März 1969 wurde in Sinn eine neue zweite Glocke gegossen, worüber damals sogar das Fernsehen berichtete. Beim Einbau dieser Glocke erhielt die alte Glocke einen Riß, so daß diese umgegossen werden mußte. Am 17. August 1969 wurden die beiden Glocken mit dem ebenfalls neuen elektrischen Läutwerk in Betrieb genommen. Die bunten Fenster mit biblischen Darstellungen stellte Erhard Jakobus Klonk (Marburg) her. Sie wurden 1961 ein gesetzt.
Wegen Mängel am Deckenputz schloß man die Kirche im Mai 1977 bis zur Instandsetzung vorsichtshalber. Im vergangenen Jahr erhielt die Kirche anstelle des Harmoniums eine Orgel.
Beim Rückblick auf die Kirchengeschichte ist auch interessant, daß bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts in dem Gotteshaus Kinder bis zum 6. Lebensjahr beigesetzt wurden. Da mit das Gebäude keinen Schaden nahm, legte man um die Kirche einen Kirchhof an. Die übrigen Leichen wurden um die Mutterkirche zu Gladenbach begraben. 1577 wurde Sinkershausen nach Gladenbach eingepfarrt. Für die pfarramtliche Versorgung der Sinkershäuser Kirche waren seither immer die jeweiligen Pfarrer der ersten Pfarrei in Gladenbach zuständig. (G. u. H. Berge)
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Aus der Schulchronik

Noch vor 150 Jahren hielten in Sinkershausen wie in den meisten Orten dieser Größenordnung die Schulmeister ihren Unterricht in Privaträumen ab. Verheiratete Lehrer unterrichteten im eigenen Haus, unverheiratete "bald in diesem, bald in jenem Haus, wo sie mit ihren Schulkindern aufgenommen wurden." Der Bildungsstand dieser Lehrer war - und das ist schon angesichts der sehr niedrigen Besoldung verständlich - gering. Im Bericht eines Visitators (Anm.: Vertretung der Schul- und Kirchenaufsicht, in der Regel ein Pfarrer) aus dem Jahre 1792 heißt es für das Hinterland: "Wie wenig Schulmeister, welche nicht in einem Schulseminario gebildet, verstehen den Catechismum. Es ist auch nicht von ihnen zu fordern, meistens sind es Leute aus der Gemeinde, welche bei ihrer Danthierung (Anm.: Ansässigwerdung) den Schuldienst um ein nicht nennenswerten Lohn versehen, in dem mir anvertrauten Kirchspiel stehen außer dem hiesigen (in Gladenbach) sehr geringe und bekommen nicht den Lohn eines Tagelöhners." Immerhin war in Sinkershausen seit dem Jahre 1753 ein vom Pfarrer Weissgerber geprüfter Lehrer tätig. Er war damals 22 Jahre alt: Hartmann Friebertshäuser aus Diedenshausen. Nach dem Urteil des Pfarrers war er "für das Schulampt zu verwalten tüchtig." Er war noch im Jahre 1770 dort tätig, betreute 18 Schulkinder und bekam von jedem Kind 13 alb. und etwa 4 Mött Korn.
Hartmann Friebertshäuser starb nach 40 Jahren Dienst am 1. März 1797. Sein Sohn folgte ihm im Amt, gut vorbereitet, denn in den letzten Jahren hatte er als Adjunkt dem Vater beim Unterrichten geholfen. Aber immer noch war die Stelle in Sinkershausen eine der am schlechtesten besoldeten im Hinterland. Ein eigenes Schulgebäude gab es noch nicht, und der Schulbesuch war nur für das Winterhalbjahr geregelt. Aber Friebertshäuser hatte doch, wie der Pfarrer und Schulinspektor Hüffell aus Gladenbach in einem Bericht an das Consistorium (Anm.: Kirchen- u. Schulverwaltung) schrieb, "in seinem eigenen Haus eine luftige, helle, gesunde Schulstube gebauet, welch er zugleich, da sie gros ist, mit bewohnet hat."


Lehrer Becker mit seinen Schülern im Schuljahr 1892/93

Bemerkenswert noch dies: Die Kinder brachten im Winter Holzscheite zum Heizen mit. Aber diese wurden nicht auf die Besoldung des Lehrers angerechnet, weil sie "ja der Kinder halben" verbrannt wurden! Im Jahre 1797 legte Lehrer Johann Ludwig Friebertshäuser - immerhin schon 38 Jahre alt und im Schuldienst erfahren - die Prüfung vor dem Consistorium in Gießen ab. Bis zum Jahre 1846 bildeten Sinkershausen und Frohnhausen einen Schulverband.
Erst im Jahre 1846 wird ein Gebäude erworben und als Schulhaus eingeweiht, "die sog. ahle Schoul", seit 1931 im Besitz der Familie Nassauer. Lehrer für Sinkershausen und Frohnhausen waren bis 1881 Lehrer Kinkel und von da an Christian Becker aus Steinperf, beides markante und heute noch bekannte Lehrerpersönlichkeiten. Becker versah den Dienst bis 1922.
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Heiratserlaubnis für einen Schullehrer durch Königliche Regierung

Am 17. August 1886 stellte der Lehrer Christian Becker in Sinkershausen den Antrag, seine Heirat mit Katharina Schneider aus Frohnhausen zu genehmigen. Katharina Schneider war am 16. März 1868 geboren; zur Zeit des Antrags also 18 Jahre alt. Deshalb war wohl hier eine Genehmigung durch die Königlich-Preußische Regierung in Wiesbaden notwendig. Die Abteilung für Kirchen- und Schulsachen bearbeitete den Antrag schnell, und schon am 25. August 1886 ging der Bescheid aus Wiesbaden ab, am 28. August war er in Gladenbach, am 29. in Sinkershausen . "Auf das Gesuch vom 17. d. Mts. wird Ihnen eröffnet, daß Ihrer Verehelichung mit Katharina Schneider von Frohnhausen bei Gladenbach dienstlich nichts im Wege steht. Diese Verfügung haben Sie dem Herrn Schulinspektor Braun vorzuzeigen, gez. Unterschrift". Schulinspektor Braun, 2. Pfarrer in Gladenbach (1873-1902), erhielt das Schreiben dann von Lehrer Becker und sandte es am 6. Sept. 1886 mit einer Notiz zurück:" ... mit dem Ersuchen, an einem der nächsten Tage, vielleicht am kommenden Mittwoch, einmal zu mir zu kommen." Was dabei besprochen wurde, steht nicht in den Akten. Die standesamtliche Trauung fand am 18. Oktober 1886 statt, die kirchliche in Sinkershausen am 31. Oktober. Christian Becker wurde nach mehr als 40 Jahren Dienst als Lehrer an einklassigen Schulen am 18. September 1922 pensioniert. Wenige Tage danach starb seine Frau. Er selbst verbrachte seinen Lebensabend in Gladenbach und ist dort am 19. März 1945 gestorben.
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Zeittafel Sinkershausen
 

1680 9. Mai: Erlaß einer Feldpolizeiordnung für Sinkershausen. Die 3 größten Bauern - Hans Burk, Deiss Barth, Hans Leinweber - sind für die Durchführung verantwortlich
1700 Im Gegensatz zu anderen Gemeinden gibt es in Sinkershausen keine Schafzucht
1709 Ein extrem kalter Winter mit nachfolgendem schlechten Sommer
1716 Mord! In den Schieferkauten an der Sinkershäuser Grenze wird eine ermordete Weibsperson (erschossen, erschlagen) gefunden
1737 Kirchenordnung, Regelung der Amtstätigkeit von Pfarrer und Diakon, Rechte und Pflichten der Gemeinde Sinkershausen werden festgelegt
1767 Erfolglose Schürfung auf Steinkohle in der Gemarkung
1775 68 Einwohner, Großviehhaltung: 44 Pferde, 50 Ochsen, 28 Kühe
7. Juni: Ertrunken in Oberförster Hartigs Teich (Mittelscheid) zwei Leute aus Bellnhausen, nach dem Waschen von Schafen
1805 179 Einwohner
1809 Erstmalig: Anlage eines dorfeigenen Friedhofes (noch 1786 von den Pfarren in Gladenbach abgelehnt), am Ortsausgang nach Diedenshausen, benutzt bis zum Jahre 1902
1830 Sinkershausen besteht aus 32 Häusern und hat 230 Einwohner
1845 5./16. Juni: Schweres Unwetter mit Hagelschlag
1846 Erwerb eines Hauses als Schulhaus
Ortssatzung: Jeder, der von auswärts einheiratet, muß 30 Kronen entrichten.
Wenn er selbst ein Haus errichtet, zahlt er 5 fl.
1847 Mittelscheid-Gut wird Domäne
1849 Ende der Gesamtverwaltung durch eine Bürgermeisterei. Seit einiger Zeit waren Sinkershausen, Frohnhausen, Rüchenbach und Friebertshausen durch ein Bürgermeisteramt verwaltet worden
1861 Bewässerungsanlage im Mittelscheid
1862 Sinkershausen hat 243 Einwohner
1912 Sinkershausen bekommt eine Wasserleitung
1920 Gründung des SV Sinkershausen
1923 Elektrische Stromversorgung
Größere Rodungsarbeiten zum Neugewinn von Ackerland in der Flur Bornsbergacker (am Bornsberg)
1925/26  Renovierung der Kirche, seit langer Zeit wieder Gottesdienst
1929/30  Bau einer neuen Schule mit Gruppenarbeitsraum
1947 Spielgemeinschaft (Fußball) mit Frohnhausen
1970 2-4. Schuljahr besucht die Grundschule in Mornshausen, 1. Schj. wird noch in Sinkershausen unterrichtet, dazu die Schulanfänger aus Nesselbrunn, Weitershausen und Diedenshausen
1973 Ende der Schule in Sinkershausen
1975 Bau einer Leichenhalle neben der Kirche
1976 Feuerwehrgerätehaus, Schlachthaus, Zisterne Bau eines Kinderspielplatzes
1979 Einweihung des Sportplatzes, Bau einer Schutzhütte an der Härdt
1985 Einweihung des Sportheimes
1985/86 Bau des Dorfgemeinschaftshauses unterhalb der Schule Abriß der Schule nach längeren Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit Denkmalschutz


Kirche mit früherem, jetzt abgerissenen Haus von Platz, auch Bürgermeisterei
Zeichnung: H.Muth

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Quelle: Blume/Runzheimer Gladenbach © 2010, Bernd Nassauer, Gladenbach
Home URL: www.stadt-gladenbach.de