Weidenhausen
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Unser Stadtteil Weidenhausen
Die Weidenhausener Stiemper (Stümper)

Blick auf Weidenhausen
Blick vom kleinen Eisenturm über Weidenhausen.
(links im Hintergrund ist Römershausen, und weiter hinten Rachelshausen zu erkennen)
                                                                                                                         Foto: Bernd Nassauer 28/06/2000


Themenlinks:
 

Daten zu Weidenhausen *Stand 21.12.2006
 
PLZ:
Fläche:
Höhe über NN:
Höchste Erhebung:
Einwohner:
Gesamte Großgemeinde:
35075
917 ha
Dorfmitte 247 m
(Hohe Wald) 458 m
2.529 Einwohner
13.210 Einwohner

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Ortslage Weidenhausen

Weidenhausen liegt 3 km südwestlich der Kernstadt. Es wird als "Dorf mit komplexem Grundriß inmitten eines breiten Talkessels der Salzböde" beschrieben (Hist. Ortslex. 1986). Die Justushütte, lndustrieansiedlung seit 1835 befindet sich auf dem linken Ufer der Salzböde. Eisenerz wird dort seit diesem Jahr verhüttet und weiterverarbeitet Der Hochofenbetrieb wurde 1883 eingestellt. Seitdem ist
die Hütte Eisengießerei zur Herstellung von Herden und Öfen, seit 1960 liegt der Schwerpunkt der Produktion auf Werkzeug-, Maschinenguß und Formenbau.
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Vorgeschichtliche Funde und Bodendenkmäler

Im Frühjahr 1970 fand der Schüler Karl-Friedrich Schneider in einer "flachen, schwach nach Osten geneigten Seitenmulde des Kehlnbachtales westlich von Gladenbach, noch im östlichen Gemarkungsteil von Weidenhausen", einen bearbeiteten Diabasstein. Es war eine steinzeitliche Jagdwaffe (0. Schäfer, 1970, Hinterl. Gesch.bl. 49 [4]). Nachdem der Fund gereinigt war, sah man Rillen "wie eine Kreuzverschnürung, sowohl in der Längsrichtung als auch in der Querrichtung rundum. Eine Rückfrage beim Landesarchäologen von Hessen, Prof. Dr. H. Schoppa, ergab folgenden Befund:
Es handelt sich um ein meist als Rillenkeule bezeichnetes Steingerät, das vermutlich als Schleuderstein oder Schleuderkeule gedient hat. In der Regel haben solche Steingeräte aus der Zeit von 4000 bis 1800 v. Chr. nur eine umlaufende Rille. Dieser jungsteinzeitliche Fund mit zwei Rillen ist damit etwas Besonderes. Am Fundplatz selbst ergab eine spätere Nachsuche noch weitere Steingeräte. Otto Schäfer, Ballersbach, der den Fund dann beschrieb (1970) faßt zusammen: Es läßt sich erkennen, wie auch die Gegend zwischen Weidenhausen, Erdhausen, Kehlnbach und Gladenbach schon von der Steinzeit an durch Menschen bewohnt und benutzt worden ist, mögen es auch zunächst nur beschränkt seßhafte Sammler und Jäger gewesen sein. Bemerkenswert ist die Nähe der Fundstelle zur alten Heerstraße in Erdhausen, die früher Heerdt-Straße genannt wurde, was möglicherweise auf eine keltische Herkunft des Namens hindeutet.
 

Werkzeugfunde Fundstücke:
 
 

Rillenkeule,
(oben u. mitte) Weidenhausen (nach 0. Schäfer 1970),
die zeitliche Zuordnung macht Schwierigkeiten.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Altsteinzeitlicher Abschlag
(Stein mit Bearbeitungsspuren),
Weidenhausen.
(Nach mv. vor- u. frühgesch. Denkm. Hessen, 1973)

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Aus der Geschichte Weidenhausens

1336 verkauften Dammo von Muschenheim und Kraft von Bellersheim die Einkünfte aus ihren Gütern in ,Widinhusin juxta Gladinbach' an den Deutschen Orden in Marburg.
Dann fließen die Quellen spärlicher. Nur 1382 wird nochmal ein ,Lodewig von Wydenhusin' als Altarist zu Kirchberg erwähnt, der zusammen mit seinen Brüdern ,von Wydinhusen by Gladenbach' einen Garten bei Marburg an einen Marburger Bürger verkauft.
Um 1400 gab es 18 Häuser, von denen nach der Höhe des ermittelten Vermögens acht landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe waren. Mehr als die Hälfte der Familien, darunter auch der Heger des Seibertshäuser Waldes, konnten von ihrer kleinen Landwirtschaft allein nicht leben. Sie hatten einen Zuerwerb als Hirte, als Dienstknecht, und wahrscheinlich gab es zu dieser Zeit auch schon - vielleicht durch eine Waldschmiede bedingt, ein produzierendes Handwerk. Die Reparaturrechnungen der Burg Blankenstein weisen später jedenfalls immer wieder auf Weidenhäuser Handwerker hin.
1502 waren es 19 Häuser, darunter vermutlich bereits zwei Mühlen, denn es gab einen Mollers Clas und Mollers Jacop. Familiennamen waren zu der Zeit noch sehr selten.
Bereits 1546 war die Zahl der Hausgesäße auf 39 hochgeschnellt. Das kann man den Musterungslisten entnehmen und 1577 bestätigt das Oberhessische Dorfbuch, es gibt 46 bewirtschaftete Häuser, 10 ihrer Besitzer können mit je einem Wagen dienstverpflichtet werden. 1585 gab es 47 Haus-,
darunter 27 Pferdebesitzer.

Es gab insgesamt 46 Pferde im Dorf.
Zwei Höfe und einige einzelne Grundstücke waren den Herren von Schwalbach zinspflichtig, ein Hof, das sog. Seibertshäuser Gut, dem Philipp Rode, ein Hof dem Daniel Lüncker vom Hof Hülsbach,
zwei Höfe nebst verschiedenen weiteren Grundstücken der Universität Marburg, ein Hof der Familie Breitrück zu Homburg und vier Höfe dem Deutschen Orden, der außerdem noch diverse Liegenschaften als Pfand inne hatte.
Die Zahl der Höfe hatte sich also nochmals erhöht, das Verhältnis Voll- zu Nebenerwerbsbetrieben so gar zugunsten kleinerer, aber noch lebensfähiger Landwirtschaften verschoben. Im Kriegsjahr 1630 gab es bei 44 Hausgesäßen, 36 Pferdehalter. Die Zahl der Pferde lag sogar noch um eins höher als 1585.

Der Dreißigjährige Krieg spielte dem Dorf besonders böse mit. Die vielen Kriegssteuern, eingeschleppte Krankheiten und ständige Besetzungen durch verschiedene Truppenteile warfen es in der Entwicklung weit zurück. Über die Einquartierungen des Jahres 1634 berichten die Akten Genaueres. Danach trieben es die Offiziere am schlimmsten. Wen wundert's, wenn sich ihre Söldner dann genauso verhielten? Lorenz Lentze gab an: "Ja, er were blow und schwartz vom Rittmeister geschlagen worden." Curt Naumann: "Ja, er selber sey vom Rittmeister braun und blaw geschlagen worden."
Caspar Michel: "Ja er selber were vom Rittmeister übel geschlagen worden. Item Hans Stauß wehr auch von einem reuter sehr geschlagen worden . . 2 Jungen /Reiterjungen/ ha- benn Cuntzen heintzgenn Hansenn metgen notzüchtigen wollen, habens uff die Erde geworffen undt das Maul zu gehalten. Sey ohngefehr 13 Jahr altt. Der Hoffmeister aber hab diese Jungen der maßen gezüchtigt, das sies nit wohl leugnen können." Rupert Lutz: "Ja er selbst were so gebrügelt wordenn, könne die Warzeichen noch wohl vorweisen."
Am schlimmsten traf es Hans Benner: "Ja, er selbst were vom Stallmeister 2 mahl übel geschlagen,
so hab ihn auch der Rittmeister geschlagen. Nein, er were so hart geschlagen worden das er ganz verstabeltt worden und gezittert hette, da hetten die leut nitt anderß gemeintt er hab die schwere notth."
Die Aufzählung könnte fortgesetzt werden.

Die Pest forderte 1635/36 51 Opfer unter den 101 bedepflichtigen Einwohnern, also ca. 50 Prozent und es standen von 45 Häusern 15 leer. Das Jahr 1640 wurde nochmal ganz besonders schlimm.
Es wurden requiriert: 5 Pferde, 20 Stück Rindvieh, 26 Schweine, 147 Schafe, 24 Bienenstöcke,
4 Mött Hirse, ? Mött Korn, 13 Mött Weizen, 52 Mött Gerste, 34 Mött Erbsen, 4 Mött Wicken,
25 Mött Heidelkorn, 363 Mött Hafer und 152 Wagen Heu.
Die gesamten Abgaben und Schäden hatten einen Wert von 3321 Reichstalern 34 Albus 6 Pfennigen. Mehrere Personen wurden von ihrer Einquartierung oder von Plünderern mißhandelt.

Nach diesem Schreckensjahr waren nur noch 26 Häuser bewohnt und bewirtschaftet, 17 standen leer. 1648 nach dem unseligen Hessenkrieg, in dem allein 8 Personen mit den Niederhessen fortgezogen waren, standen - und das war dann auch die Bilanz von 30 Jahren Krieg - von 43 Häusern 24 leer. Ein großer Teil von ihnen war beschädigt und lohnte den Wiederaufbau nicht mehr. Aber da für fehlten auch die Menschen.

Das Wachstum nach dem Kriege:

Häuser
1666
1700
1750
1780
1810
35+
43
66
65
70
+ davon fünf unbewohnt

Die Einwohner
1834
1846
1885
1900
1925
1939
1946
1950
1961
1970
449
562
700
945
1230
1477
2020
2170
2146
2245

1835 "Weidenhaußen, ein verarmtes evang. Filialdorf, mit 430 Einwohnern, welche sich mit Ackerbau, Strumpfstricken ernähren. Sie haben 5 Mahl- und 4 Oelmühlen" (Amtsarzt Dr. Deibel in seiner medizinischen Topographie).
1867 arbeiteten 42 Personen in der Landwirtschaft, 3 in der Forstwirtschaft, 4 in Bergbau und Hüttenwesen, 47 in Gewerbe und Industrie, 3 im Verkehrswesen, 59 verrichteten persönliche Dienstleistungen, einer war in der Schule und 2 in der Gemeindeverwaltung beschäftigt.
1961 gab es in der Land- und Forstwirtschaft 164 Erwerbspersonen, 584 im prod. Gewerbe,
134 in Handel und Verkehr, 111 in Dienstleistungen und sonstigen Berufen.
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Man mengt Sauerteig mit Mehl, Wasser und Salz . . . - vom Brotbacken

In seiner Chronik von Weidenhausen hat der Hauptlehrer Julius Durchholz im Jahre 1943 das Brotbacken beschrieben:
Wo das Brotbacken im eigenen Haushalt noch üblich ist, geschieht es in folgenden Arbeitsgängen:
1. Der Hub: Man mengt Sauerteig mit Mehl, Wasser und Salz und läßt so lange säuern, oft die ganze Nacht hindurch.
2. Das Gesäuerte: Spätestens fünf Stunden vor dem Backen wird der Hub mit Mehl, Wasser und Salz steif gemacht und muß mindestens drei Stunden gehen.
3. Der Teig: Wenn der Vordermann den Ofen ansteckt, wird der Teig gemacht, indem der Rest des Mehls mit dem Gesäuerten verknetet wird, daß der Teig noch bis zum "Ausbrechen", d. h. Brotformen gehen kann. Der fertige Teig wird mit Mehl bestreut und zugedeckt. Zuvor jedoch ist es üblich, den Teig mit einem besonderen Zeichen zu versehen. In der vorigen Generation wurde dabei ein Segensspruch gemurmelt, in der Regel: "Gott segne das Brot!" oder "Gott segne den Teig!" Heute ist dieser Brauch so gut wie erloschen. Die Zeichen, die hier folgen, werden mit dem Finger gemacht.
Nur wo enge Doppellinien auftreten, sind mit dem Messer eingedrückt worden.

Brotzeichen

Die ersten vier Zeichen sind mit den Zinken einer Gabel eingedrückt, die beiden nächsten geritzt. Das siebente Zeichen ist der Abdruck eines Schlüsselringes, das letzte wird mit einer Stricknadel oder einem zugespitzten Hölzchen eingedrückt. Weit in der Mehrzahl wird das dritte Zeichen angewandt.

Weitaus überwiegend ist das einfache Kreuz. Ist das Brot ins Backhaus gebracht worden, dann werden die einzelnen Laibe, vor allem bei gemeinsamem Backen mit anderen Familien, mit dem Brotlaibzeichen versehen. Solche Zeichen sind hier:

Brotzeichen

Bei der Getreideernte wird die "Goarwe" (Garbe) einmal gebunden, die Sichelung zweimal. Die Garben werden zu je fünf zusammengestellt, und zwar eine in die Mitte, die anderen vier um sie herum.
So ist es bei Hafer, Gerste, Weizen. Beim Roggen nimmt man neun Garben, also 1 + 8.
Das Ganze nennt man einen "Heuchel" (Haufen). Ein Hut wird hier nicht gesetzt, wohl aber in Ober- und Niederweidbach.
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Großfeuer am 18. 9. 1944 - aus dem Bericht der Volksschul-Oberklasse

Am Montag, dem 18. 8., um fünf Uhr nachmittags erklangen die Sturmglocken. Feuer im Dorf!
Aus der Scheune von Jakob Peil, Hauptstraße, schlugen die Flammen empor. Der Motor soll sich heiß gelaufen haben, und Funken sind ins Stroh gefallen. Wer den Motor angestellt hat, war nicht zu ermitteln. Es wurde auch behauptet, daß er von selbst angesprungen sei.
Es war ein heißer Tag. Seit Wochen war es ungewöhnlich trocken gewesen. So griff das Feuer rasch um sich. Bis ans Löschen zu denken war, hatten die Flammen auf Mertes (Jost Wege) Scheune übergegriffen. In den Scheunen lag noch das ganze Getreide, zumeist ungedroschen. Im Nu schlugen die Flammen zum Dach hinaus. Inzwischen kamen die Leute, die fast alle auf den Kartoffeläckern waren, nach Hause gelaufen. Ihre Versuche, mit Eimern und Handspritzen dem Feuer zu Leibe zu gehen, waren vergeblich. Man mußte sich darauf beschränken, das Vieh aus den Ställen zu retten.
Mit Mertes Scheune hing Priemers (Heinrich Müller) Scheune zusammen, und in wenigen Minuten ging auch sie in Flammen auf.
Die Feuerwehr erschien auf dem Brandplatz. Sie fuhr mit beiden Spritzen auf. Aber die Schläuche waren nicht gleich zur Hand. Dann wollte der Motor nicht gleich anspringen. Und die Zapfstellen gaben kein Wasser, denn die Wasserleitung war - wie jeden Tag - abgestellt. Der alte Bach-Wege mußte erst nach dem Wasserbassin über der Waldmühle laufen und das Wasser anstellen.
So war es kein Wunder, daß das Feuer unaufhaltsam weitergriff und die Ställe und Wohnhäuser dieser Höfe, dazu auch den Lienhof (Johannes Müller) erfaßte. Nur das massive Wohnhaus von J. Peil konnte den Flammen trotzen. Die Leute konnten nur noch versuchen, die Möbel, das Gerät und Geschirr zu retten. Es brannten nun die vier Höfe in einer Reihe, und die Gefahr war groß, daß die Flammen noch weiter um sich griffen oder auf die andere Straßenseite hinüberschlugen.
Schon räumten die Angrenzenden ihre Möbel aus. Da setzten die Feuerwehren ein.

Mittlerweile waren nämlich die Feuerwehren fast aller Nachbardörfer eingetroffen. Die ersten am Platz waren die Erdhäuser. Nachdem der Brandweiher (in der Badeanstalt) aufgezogen war, bekamen die Staue am Bach genug Wasser um alle Spritzen zu versorgen, so daß zeitweilig acht Spritzen Wasser abgaben. Die Gladenbacher Motorspritze fuhr auf, hatte aber kein Benzin mehr, um ihre Tätigkeit aufzunehmen. Sie mußte sich zuerst von den Weidenhäusern Benzin entleihen. Und die Weidenhäuser hätten selbst keins gehabt, wenn nicht acht Tage vorher ein amerikanischer Flieger seinen Benzinkanister an der Himmerichswiese abgeworfen hätte, aus dem sie noch 85 Liter Treibstoff bergen konnten.
Das meiste leistete die Biedenköpfer Motorspritze, die dreimal soviel Wasser aufnehmen konnte als die Weidenhäuser. Die Spritzen richteten ihre Strahlen vor allem auf die an grenzenden Gebäude, um ein weiteres Ausbreiten des Feuers zu verhindern. Glücklicherweise war es fast windstill, und so gelang es, das Feuer abzudämmen. Bei Lien konnte noch die Scheune gerettet werden.
Von Gladenbach und von Mornshausen rückte je eine Kompanie SS an, die dort in Quartier lagen. Sie wurden eingesetzt, um die ausgebrannten Dachstühle niederzureißen. Um sieben Uhr war die Wucht des Feuers gebrochen. Die Motorspritzen von Herborn und Dillenburg konnten wieder abrücken,
ohne in Tätigkeit getreten zu sein. Das Heu über den Viehställen und das Stroh in den Scheunen flackerte freilich immer wieder von neuem auf, aber die Brandwachen von Weidenhausen und Erdhausen genügten, um das Feuer niederzuhalten.
Als am anderen Morgen der Schaden überblickt werden konnte, waren drei Häuser, drei Scheunen und vier Ställe den Flammen zum Opfer gefallen. Dazu die gesamte Heu- und Getreideernten das Ackergerät und die landwirtschaftlichen Maschinen von den vier Höfen. Das Vieh und das Mobiliar konnte gerettet werden. Der Schaden mag einen Betrag von 50 bis 60 000 M erreicht haben.
Die Aufräumungsarbeiten nahmen noch mehrere Tage in Anspruch.
An ihnen beteiligte sich das ganze Dorf, einschließlich der größeren Schulkinder.
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Hochwasser am 8. 2. 1946

Am Freitagmorgen, als meine Mutter aufstand, hörte ich sie sagen: "Ach, du liebe Zeit, der Hof steht unter Wasser!" Ich sprang schnell aus dem Bett und riß das Fenster auf. Richtig, der Hof stand voll Wasser! An den Rand des Wassers legte ich ein Stück Holz, um zu sehen, ob es stieg oder fiel. Es dauerte nicht lange, da schwamm mein Stück Holz mit dem Wasser fort. Der Vater ärgerte sich,
denn er konnte nicht in die Werkstatt. Dann mußte ich in die Schule. Als ich am Mittag aus der Schule kam, lief das Wasser schon über die Straße weg. Bei uns war es schon in den Kuhstall gekommen.
Die Kuh stand mit den Hinterfüßen im Wasser. Wir mußten sie trocken stellen. Der Vater legte ein paar Klötze übereinander und Bohlen darüber. Die Kuh schien schnell begriffen zu haben, was hier gemacht wurde. Sie stellte sich von selber auf die Bohlen, um ins Trockene zu kommen.
Das Wasser war inzwischen immer noch gestiegen. Auf einmal bekam unser Brennholz Beine und begann munter im Hofe herumzuschwimmen. Dem Vater blieb nichts anderes übrig, als in die Gummistiefel zu steigen und die Holzstücke mit einer Schippe wieder einzufangen. Die Hühner hatten sich auf einen Sandhaufen gerettet, der noch aus dem Wasser hervorguckte. Dort konnten sie aber nicht in der Nacht bleiben. So mußten wir sie abends einfangen und in den Hühnerstall tragen. Hier blieben sie zwei Tage lang eingesperrt, bis sich das Wasser wieder verlaufen hatte.
Um Mitternacht hatte das Wasser seinen höchsten Stand erreicht. Bei uns war keiner schlafen gegangen. Wir saßen alle in der Stube beisammen und horchten, wie der Regen an die Scheiben schlug und wie der Bach, der nun schon die ganze Straße anfüllte, rauschte und gurgelte. Als das Wasser nicht mehr stieg, gingen meine Mutter und ich schlafen; nur der Vater blieb die Nacht über auf. Am nächsten Morgen konnte man schon deutlich sehen, wie das Wasser zurückgegangen war.
Die Treppenstufen an unserem Haus waren schon wieder frei, und bis zum anderen Tag konnte man auch auf den Hof hinaus. Da sah man denn, was das Wasser angerichtet hatte.
Alles war mit Schlamm, Sand und Steinen bedeckt. In unseren Kellern hatte das Wasser bald einen Meter hoch gestanden.

(Für die Chronik von Hans Wege u. a. verfaßt)

 


Justushütte in den zwanziger Jahren.                                                      Chronik Weidenhausen

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Zeittafel Weidenhausen
 
1817-1825 Bau der Landstraße Biedenkopf-Gladenbach-Weidenhausen-Zollbuche-Gießen
1837 Gründung der Justus-Hütte durch Justus Kilian, Eisengießerei mit Hochofen
1852 Verkauf der Justus-Hütte an Franz Schulz und Johann Dietrich Wehrenbold aus Lühnen an der Lippe
1859 Neuer Friedhof eingerichtet
1869 Gründung des Männergesangvereins
1885 Neubau des Backhauses
1894 Einweihung der Teilstrecke von Niederwalgern bis zu der Eisenbahn Weidenhausen
1900 Einrichtung einer Hilfspredigerstelle
1902 Die Bahnlinie ist jetzt weitergeführt über Hartenrod bis Herborn (Beginn der Arbeiten 1896)
Ein dritter Raum wird für die Schule (mit 192 Schülern) angemietet, bei Johann Jost Premer VI (Schiefesch und Marschners)
1904 Die kirchlichen Filialen Weidenhausen und Römershausen werden selbständige Pfarrei mit Sitz in Weidenhausen
1906 7. Sept.: Einweihung der neuen Schule (heute Sonderschule)
1909 Gründung des Weidenhäuser Turnvereins
1911 Stromleitung von Oberscheld über Endbach, Weidenhausen, Gladenbach bis Dautphe verlegt
1913 Erstes elektrisches Licht in Weidenhausen, behördliche Genehmigung,
das "elektrische Verteilungsnetz" in Betrieb zu nehmen
1916 Eröffnung einer Zigarrenfabrik der Firma Rinn und Cloos aus Heuchelheim im Haus Aßmann auf der Petersburg (heute: Gaststätte ,,Zur Petersburg')
1919 Gründung des Fußballvereins
1925 Gründung des Gewerbevereins
1926 Gründung der Volksbank eGmbH Weidenhausen (Genossenschaft)
1928 Ende der Wasserversorgung aus Hausbrunnen und öffentlichen Brunnenanlagen, Anschluß an eine zentrale Wasserversorgung Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Weidenhausen
1937 Umzug der Zigarrenfabrik Rinn und Cloos in den Neubau auf der Petersburg
1944 Großbrand, der Stallungen und Scheunen von Medders, Peils und Lien stark beschädigt und sämtliche Erntevorräte vernichtet
1945  25. März: Zwei Brandbomben aus amerikanischen Jagdbombern treffen die Justus-Hütte, nur Dachziegel werden verschoben
1946 Kultur- und Heimatverein (Laienspiel, Volkstanz, Schagruppe, später Zweigstelle der Volkshochschule).
Hochwasser im Februar
1948 Als erste Dorfstraße wird die lange Mühlstraße mit einer Teerdecke versehen (Straßenfest der "Mihlstreeßer').
Errichtung einer Pumpstation auf der Waldmühle.
Erste Nachkriegskirmes.
1949 Einrichtung einer Apotheke (F. Wolf, im alten Pfarrhaus).
Eröffnung einer Töpferwerkstatt (A. Ludwig, G. Pfeiffer).
Gründung des Rassegeflügelvereins
1950 Beginn der Verkoppelung (Flurbereinigung)
1951 (-1957) Wiederbelebung des Gewerbevereins
Erstes Weidenhäuser Heimatfest
Umsetzung des Ehrenmals vom Friedhof zum neuen Standort (unterhalb der alten Stelle)
Einweihung eines Gedenkkreuzes für die Vertriebenen
Ausbau des Römershäuser Bachs und Entsumpfung der Salzböde
1954 Erweiterung der Wasserversorgung durch Pumpstation mit Wasseraufbereitungsanlage auf dem Lutzebach
Fertigstellung des Dorfgemeinschaftshauses, 21.-23. August Einweihung im Rahmen des 2. Heimatfestes
1961  Ankunft der ersten italienischen Gastarbeiter (nach 1973 kamen dann auch türkische Gastarbeiter)
1962 9. Okt.: Eröffnung der Zweigstelle der Kreissparkasse
28. Okt.: Einholung der Glocken und Einweihung der neuen evangelischen Kirche
1966 Rücktritt von Bürgermeister Philipp Scheld nach mehr als 25 Amtsjahren (bis 1933 und von 1945 bis 1966)
1966 Neubau für die Schule (Adolph-Diesterweg-Schule)
1970 Die letzte Dampflok auf der Strecke Niederwalgern-Herborn
Bau einer Dorfumgehung (fertiggestellt in 1973)
1974 Eingemeindung Weidenhausens nach Gladenbach, Ende der gemeindlichen Selbständigkeit
1984 6./7. Februar: Hochwasserkatastrophe. Großer Schaden im Gefrierhaus
12. März: Gründung des Heimatvereins

Ferienlager
Ferienlager oberhalb von Weidenhausen

   Foto: Bernd Nassauer 28/06/200 
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Quelle: Blume/Runzheimer Gladenbach © 2010, Bernd Nassauer, Gladenbach
Home URL: www.stadt-gladenbach.de