Karte |
Unser Stadtteil Weidenhausen
Die Weidenhausener Stiemper
(Stümper) |
Blick
vom kleinen Eisenturm über Weidenhausen.
(links
im Hintergrund ist Römershausen, und weiter hinten Rachelshausen zu
erkennen)
Foto: Bernd Nassauer 28/06/2000
Themenlinks:
Daten
zu Weidenhausen *Stand 21.12.2006
 |
PLZ:
Fläche:
Höhe über NN:
Höchste Erhebung:
Einwohner:
Gesamte Großgemeinde: |
35075
917 ha
Dorfmitte 247 m
(Hohe Wald) 458 m
2.529 Einwohner
13.210 Einwohner |
Ortslage
Weidenhausen
Weidenhausen liegt 3 km südwestlich
der Kernstadt. Es wird als "Dorf mit komplexem Grundriß inmitten
eines breiten Talkessels der Salzböde" beschrieben (Hist. Ortslex.
1986). Die Justushütte, lndustrieansiedlung seit 1835 befindet sich
auf dem linken Ufer der Salzböde. Eisenerz wird dort seit diesem Jahr
verhüttet und weiterverarbeitet Der Hochofenbetrieb wurde 1883 eingestellt.
Seitdem ist
die Hütte Eisengießerei
zur Herstellung von Herden und Öfen, seit 1960 liegt der Schwerpunkt
der Produktion auf Werkzeug-, Maschinenguß und Formenbau.
Vorgeschichtliche
Funde und Bodendenkmäler
Im Frühjahr 1970 fand
der Schüler Karl-Friedrich Schneider in einer "flachen, schwach nach
Osten geneigten Seitenmulde des Kehlnbachtales westlich von Gladenbach,
noch im östlichen Gemarkungsteil von Weidenhausen", einen bearbeiteten
Diabasstein. Es war eine steinzeitliche Jagdwaffe (0. Schäfer, 1970,
Hinterl. Gesch.bl. 49 [4]). Nachdem der Fund gereinigt war, sah man Rillen
"wie eine Kreuzverschnürung, sowohl in der Längsrichtung als
auch in der Querrichtung rundum. Eine Rückfrage beim Landesarchäologen
von Hessen, Prof. Dr. H. Schoppa, ergab folgenden Befund:
Es handelt sich um ein meist
als Rillenkeule bezeichnetes Steingerät, das vermutlich als Schleuderstein
oder Schleuderkeule gedient hat. In der Regel haben solche Steingeräte
aus der Zeit von 4000 bis 1800 v. Chr. nur eine umlaufende Rille. Dieser
jungsteinzeitliche Fund mit zwei Rillen ist damit etwas Besonderes. Am
Fundplatz selbst ergab eine spätere Nachsuche noch weitere Steingeräte.
Otto Schäfer, Ballersbach, der den Fund dann beschrieb (1970) faßt
zusammen: Es läßt sich erkennen, wie auch die Gegend zwischen
Weidenhausen, Erdhausen, Kehlnbach und Gladenbach schon von der Steinzeit
an durch Menschen bewohnt und benutzt worden ist, mögen es auch zunächst
nur beschränkt seßhafte Sammler und Jäger gewesen sein.
Bemerkenswert ist die Nähe der Fundstelle zur alten Heerstraße
in Erdhausen, die früher Heerdt-Straße genannt wurde, was möglicherweise
auf eine keltische Herkunft des Namens hindeutet.
 |
Fundstücke:
Rillenkeule,
(oben u. mitte) Weidenhausen
(nach 0. Schäfer 1970),
die zeitliche Zuordnung
macht Schwierigkeiten.
Altsteinzeitlicher Abschlag
(Stein mit Bearbeitungsspuren),
Weidenhausen.
(Nach mv. vor- u. frühgesch.
Denkm. Hessen, 1973) |
Aus
der Geschichte Weidenhausens
1336 verkauften Dammo von
Muschenheim und Kraft von Bellersheim die Einkünfte aus ihren Gütern
in ,Widinhusin juxta Gladinbach' an den Deutschen Orden in Marburg.
Dann fließen die Quellen
spärlicher. Nur 1382 wird nochmal ein ,Lodewig von Wydenhusin' als
Altarist zu Kirchberg erwähnt, der zusammen mit seinen Brüdern
,von Wydinhusen by Gladenbach' einen Garten bei Marburg an einen Marburger
Bürger verkauft.
Um 1400 gab es 18 Häuser,
von denen nach der Höhe des ermittelten Vermögens acht landwirtschaftliche
Vollerwerbsbetriebe waren. Mehr als die Hälfte der Familien, darunter
auch der Heger des Seibertshäuser Waldes, konnten von ihrer kleinen
Landwirtschaft allein nicht leben. Sie hatten einen Zuerwerb als Hirte,
als Dienstknecht, und wahrscheinlich gab es zu dieser Zeit auch schon -
vielleicht durch eine Waldschmiede bedingt, ein produzierendes Handwerk.
Die Reparaturrechnungen der Burg Blankenstein weisen später jedenfalls
immer wieder auf Weidenhäuser Handwerker hin.
1502 waren es 19 Häuser,
darunter vermutlich bereits zwei Mühlen, denn es gab einen Mollers
Clas und Mollers Jacop. Familiennamen waren zu der Zeit noch sehr selten.
Bereits 1546 war die Zahl
der Hausgesäße auf 39 hochgeschnellt. Das kann man den Musterungslisten
entnehmen und 1577 bestätigt das Oberhessische Dorfbuch, es gibt 46
bewirtschaftete Häuser, 10 ihrer Besitzer können mit je einem
Wagen dienstverpflichtet werden. 1585 gab es 47 Haus-,
darunter 27 Pferdebesitzer.
Es gab insgesamt 46 Pferde
im Dorf.
Zwei Höfe und einige
einzelne Grundstücke waren den Herren von Schwalbach zinspflichtig,
ein Hof, das sog. Seibertshäuser Gut, dem Philipp Rode, ein Hof dem
Daniel Lüncker vom Hof Hülsbach,
zwei Höfe nebst verschiedenen
weiteren Grundstücken der Universität Marburg, ein Hof der Familie
Breitrück zu Homburg und vier Höfe dem Deutschen Orden, der außerdem
noch diverse Liegenschaften als Pfand inne hatte.
Die Zahl der Höfe hatte
sich also nochmals erhöht, das Verhältnis Voll- zu Nebenerwerbsbetrieben
so gar zugunsten kleinerer, aber noch lebensfähiger Landwirtschaften
verschoben. Im Kriegsjahr 1630 gab es bei 44 Hausgesäßen, 36
Pferdehalter. Die Zahl der Pferde lag sogar noch um eins höher als
1585.
Der Dreißigjährige
Krieg spielte dem Dorf besonders böse mit. Die vielen Kriegssteuern,
eingeschleppte Krankheiten und ständige Besetzungen durch verschiedene
Truppenteile warfen es in der Entwicklung weit zurück. Über die
Einquartierungen des Jahres 1634 berichten die Akten Genaueres. Danach
trieben es die Offiziere am schlimmsten. Wen wundert's, wenn sich ihre
Söldner dann genauso verhielten? Lorenz Lentze gab an: "Ja, er were
blow und schwartz vom Rittmeister geschlagen worden." Curt Naumann: "Ja,
er selber sey vom Rittmeister braun und blaw geschlagen worden."
Caspar Michel: "Ja er selber
were vom Rittmeister übel geschlagen worden. Item Hans Stauß
wehr auch von einem reuter sehr geschlagen worden . . 2 Jungen /Reiterjungen/
ha- benn Cuntzen heintzgenn Hansenn metgen notzüchtigen wollen, habens
uff die Erde geworffen undt das Maul zu gehalten. Sey ohngefehr 13 Jahr
altt. Der Hoffmeister aber hab diese Jungen der maßen gezüchtigt,
das sies nit wohl leugnen können." Rupert Lutz: "Ja er selbst were
so gebrügelt wordenn, könne die Warzeichen noch wohl vorweisen."
Am schlimmsten traf es Hans
Benner: "Ja, er selbst were vom Stallmeister 2 mahl übel geschlagen,
so hab ihn auch der Rittmeister
geschlagen. Nein, er were so hart geschlagen worden das er ganz verstabeltt
worden und gezittert hette, da hetten die leut nitt anderß gemeintt
er hab die schwere notth."
Die Aufzählung könnte
fortgesetzt werden.
Die Pest forderte 1635/36
51 Opfer unter den 101 bedepflichtigen Einwohnern, also ca. 50 Prozent
und es standen von 45 Häusern 15 leer. Das Jahr 1640 wurde nochmal
ganz besonders schlimm.
Es wurden requiriert: 5
Pferde, 20 Stück Rindvieh, 26 Schweine, 147 Schafe, 24 Bienenstöcke,
4 Mött Hirse, ? Mött
Korn, 13 Mött Weizen, 52 Mött Gerste, 34 Mött Erbsen, 4
Mött Wicken,
25 Mött Heidelkorn,
363 Mött Hafer und 152 Wagen Heu.
Die gesamten Abgaben und
Schäden hatten einen Wert von 3321 Reichstalern 34 Albus 6 Pfennigen.
Mehrere Personen wurden von ihrer Einquartierung oder von Plünderern
mißhandelt.
Nach diesem Schreckensjahr
waren nur noch 26 Häuser bewohnt und bewirtschaftet, 17 standen leer.
1648 nach dem unseligen Hessenkrieg, in dem allein 8 Personen mit den Niederhessen
fortgezogen waren, standen - und das war dann auch die Bilanz von 30 Jahren
Krieg - von 43 Häusern 24 leer. Ein großer Teil von ihnen war
beschädigt und lohnte den Wiederaufbau nicht mehr. Aber da für
fehlten auch die Menschen.
Das
Wachstum nach dem Kriege:
Häuser
|
1666
|
1700
|
1750
|
1780
|
1810
|
|
35+
|
43
|
66
|
65
|
70
|
+ davon fünf unbewohnt
Die Einwohner
|
1834
|
1846
|
1885
|
1900
|
1925
|
1939
|
1946
|
1950
|
1961
|
1970
|
|
449
|
562
|
700
|
945
|
1230
|
1477
|
2020
|
2170
|
2146
|
2245
|
1835 "Weidenhaußen,
ein verarmtes evang. Filialdorf, mit 430 Einwohnern, welche sich mit Ackerbau,
Strumpfstricken ernähren. Sie haben 5 Mahl- und 4 Oelmühlen"
(Amtsarzt Dr. Deibel in seiner medizinischen Topographie).
1867 arbeiteten 42 Personen
in der Landwirtschaft, 3 in der Forstwirtschaft, 4 in Bergbau und Hüttenwesen,
47 in Gewerbe und Industrie, 3 im Verkehrswesen, 59 verrichteten persönliche
Dienstleistungen, einer war in der Schule und 2 in der Gemeindeverwaltung
beschäftigt.
1961 gab es in der Land-
und Forstwirtschaft 164 Erwerbspersonen, 584 im prod. Gewerbe,
134 in Handel und Verkehr,
111 in Dienstleistungen und sonstigen Berufen.
Man
mengt Sauerteig mit Mehl, Wasser und Salz . . . - vom Brotbacken
In seiner Chronik von Weidenhausen
hat der Hauptlehrer Julius Durchholz im Jahre 1943 das Brotbacken beschrieben:
Wo das Brotbacken im eigenen
Haushalt noch üblich ist, geschieht es in folgenden Arbeitsgängen:
1. Der Hub: Man mengt Sauerteig
mit Mehl, Wasser und Salz und läßt so lange säuern, oft
die ganze Nacht hindurch.
2. Das Gesäuerte: Spätestens
fünf Stunden vor dem Backen wird der Hub mit Mehl, Wasser und Salz
steif gemacht und muß mindestens drei Stunden gehen.
3. Der Teig: Wenn der Vordermann
den Ofen ansteckt, wird der Teig gemacht, indem der Rest des Mehls mit
dem Gesäuerten verknetet wird, daß der Teig noch bis zum "Ausbrechen",
d. h. Brotformen gehen kann. Der fertige Teig wird mit Mehl bestreut und
zugedeckt. Zuvor jedoch ist es üblich, den Teig mit einem besonderen
Zeichen zu versehen. In der vorigen Generation wurde dabei ein Segensspruch
gemurmelt, in der Regel: "Gott segne das Brot!" oder "Gott segne den Teig!"
Heute ist dieser Brauch so gut wie erloschen. Die Zeichen, die hier folgen,
werden mit dem Finger gemacht.
Nur wo enge Doppellinien
auftreten, sind mit dem Messer eingedrückt worden.

Die ersten vier Zeichen sind
mit den Zinken einer Gabel eingedrückt, die beiden nächsten geritzt.
Das siebente Zeichen ist der Abdruck eines Schlüsselringes, das letzte
wird mit einer Stricknadel oder einem zugespitzten Hölzchen eingedrückt.
Weit in der Mehrzahl wird das dritte Zeichen angewandt.
Weitaus überwiegend
ist das einfache Kreuz. Ist das Brot ins Backhaus gebracht worden, dann
werden die einzelnen Laibe, vor allem bei gemeinsamem Backen mit anderen
Familien, mit dem Brotlaibzeichen versehen. Solche Zeichen sind hier:

Bei der Getreideernte wird
die "Goarwe" (Garbe) einmal gebunden, die Sichelung zweimal. Die Garben
werden zu je fünf zusammengestellt, und zwar eine in die Mitte, die
anderen vier um sie herum.
So ist es bei Hafer, Gerste,
Weizen. Beim Roggen nimmt man neun Garben, also 1 + 8.
Das Ganze nennt man einen
"Heuchel" (Haufen). Ein Hut wird hier nicht gesetzt, wohl aber in Ober-
und Niederweidbach.
Großfeuer
am 18. 9. 1944 - aus dem Bericht der Volksschul-Oberklasse
Am Montag, dem 18. 8., um
fünf Uhr nachmittags erklangen die Sturmglocken. Feuer im Dorf!
Aus der Scheune von Jakob
Peil, Hauptstraße, schlugen die Flammen empor. Der Motor soll sich
heiß gelaufen haben, und Funken sind ins Stroh gefallen. Wer den
Motor angestellt hat, war nicht zu ermitteln. Es wurde auch behauptet,
daß er von selbst angesprungen sei.
Es war ein heißer
Tag. Seit Wochen war es ungewöhnlich trocken gewesen. So griff das
Feuer rasch um sich. Bis ans Löschen zu denken war, hatten die Flammen
auf Mertes (Jost Wege) Scheune übergegriffen. In den Scheunen lag
noch das ganze Getreide, zumeist ungedroschen. Im Nu schlugen die Flammen
zum Dach hinaus. Inzwischen kamen die Leute, die fast alle auf den Kartoffeläckern
waren, nach Hause gelaufen. Ihre Versuche, mit Eimern und Handspritzen
dem Feuer zu Leibe zu gehen, waren vergeblich. Man mußte sich darauf
beschränken, das Vieh aus den Ställen zu retten.
Mit Mertes Scheune hing
Priemers (Heinrich Müller) Scheune zusammen, und in wenigen Minuten
ging auch sie in Flammen auf.
Die Feuerwehr erschien auf
dem Brandplatz. Sie fuhr mit beiden Spritzen auf. Aber die Schläuche
waren nicht gleich zur Hand. Dann wollte der Motor nicht gleich anspringen.
Und die Zapfstellen gaben kein Wasser, denn die Wasserleitung war - wie
jeden Tag - abgestellt. Der alte Bach-Wege mußte erst nach dem Wasserbassin
über der Waldmühle laufen und das Wasser anstellen.
So war es kein Wunder, daß
das Feuer unaufhaltsam weitergriff und die Ställe und Wohnhäuser
dieser Höfe, dazu auch den Lienhof (Johannes Müller) erfaßte.
Nur das massive Wohnhaus von J. Peil konnte den Flammen trotzen. Die Leute
konnten nur noch versuchen, die Möbel, das Gerät und Geschirr
zu retten. Es brannten nun die vier Höfe in einer Reihe, und die Gefahr
war groß, daß die Flammen noch weiter um sich griffen oder
auf die andere Straßenseite hinüberschlugen.
Schon räumten die Angrenzenden
ihre Möbel aus. Da setzten die Feuerwehren ein.
Mittlerweile waren nämlich
die Feuerwehren fast aller Nachbardörfer eingetroffen. Die ersten
am Platz waren die Erdhäuser. Nachdem der Brandweiher (in der Badeanstalt)
aufgezogen war, bekamen die Staue am Bach genug Wasser um alle Spritzen
zu versorgen, so daß zeitweilig acht Spritzen Wasser abgaben. Die
Gladenbacher Motorspritze fuhr auf, hatte aber kein Benzin mehr, um ihre
Tätigkeit aufzunehmen. Sie mußte sich zuerst von den Weidenhäusern
Benzin entleihen. Und die Weidenhäuser hätten selbst keins gehabt,
wenn nicht acht Tage vorher ein amerikanischer Flieger seinen Benzinkanister
an der Himmerichswiese abgeworfen hätte, aus dem sie noch 85 Liter
Treibstoff bergen konnten.
Das meiste leistete die
Biedenköpfer Motorspritze, die dreimal soviel Wasser aufnehmen konnte
als die Weidenhäuser. Die Spritzen richteten ihre Strahlen vor allem
auf die an grenzenden Gebäude, um ein weiteres Ausbreiten des Feuers
zu verhindern. Glücklicherweise war es fast windstill, und so gelang
es, das Feuer abzudämmen. Bei Lien konnte noch die Scheune gerettet
werden.
Von Gladenbach und von Mornshausen
rückte je eine Kompanie SS an, die dort in Quartier lagen. Sie wurden
eingesetzt, um die ausgebrannten Dachstühle niederzureißen.
Um sieben Uhr war die Wucht des Feuers gebrochen. Die Motorspritzen von
Herborn und Dillenburg konnten wieder abrücken,
ohne in Tätigkeit getreten
zu sein. Das Heu über den Viehställen und das Stroh in den Scheunen
flackerte freilich immer wieder von neuem auf, aber die Brandwachen von
Weidenhausen und Erdhausen genügten, um das Feuer niederzuhalten.
Als am anderen Morgen der
Schaden überblickt werden konnte, waren drei Häuser, drei Scheunen
und vier Ställe den Flammen zum Opfer gefallen. Dazu die gesamte Heu-
und Getreideernten das Ackergerät und die landwirtschaftlichen Maschinen
von den vier Höfen. Das Vieh und das Mobiliar konnte gerettet werden.
Der Schaden mag einen Betrag von 50 bis 60 000 M erreicht haben.
Die Aufräumungsarbeiten
nahmen noch mehrere Tage in Anspruch.
An ihnen beteiligte sich
das ganze Dorf, einschließlich der größeren Schulkinder.
Hochwasser
am 8. 2. 1946
Am Freitagmorgen, als meine
Mutter aufstand, hörte ich sie sagen: "Ach, du liebe Zeit, der Hof
steht unter Wasser!" Ich sprang schnell aus dem Bett und riß das
Fenster auf. Richtig, der Hof stand voll Wasser! An den Rand des Wassers
legte ich ein Stück Holz, um zu sehen, ob es stieg oder fiel. Es dauerte
nicht lange, da schwamm mein Stück Holz mit dem Wasser fort. Der Vater
ärgerte sich,
denn er konnte nicht in
die Werkstatt. Dann mußte ich in die Schule. Als ich am Mittag aus
der Schule kam, lief das Wasser schon über die Straße weg. Bei
uns war es schon in den Kuhstall gekommen.
Die Kuh stand mit den Hinterfüßen
im Wasser. Wir mußten sie trocken stellen. Der Vater legte ein paar
Klötze übereinander und Bohlen darüber. Die Kuh schien schnell
begriffen zu haben, was hier gemacht wurde. Sie stellte sich von selber
auf die Bohlen, um ins Trockene zu kommen.
Das Wasser war inzwischen
immer noch gestiegen. Auf einmal bekam unser Brennholz Beine und begann
munter im Hofe herumzuschwimmen. Dem Vater blieb nichts anderes übrig,
als in die Gummistiefel zu steigen und die Holzstücke mit einer Schippe
wieder einzufangen. Die Hühner hatten sich auf einen Sandhaufen gerettet,
der noch aus dem Wasser hervorguckte. Dort konnten sie aber nicht in der
Nacht bleiben. So mußten wir sie abends einfangen und in den Hühnerstall
tragen. Hier blieben sie zwei Tage lang eingesperrt, bis sich das Wasser
wieder verlaufen hatte.
Um Mitternacht hatte das
Wasser seinen höchsten Stand erreicht. Bei uns war keiner schlafen
gegangen. Wir saßen alle in der Stube beisammen und horchten, wie
der Regen an die Scheiben schlug und wie der Bach, der nun schon die ganze
Straße anfüllte, rauschte und gurgelte. Als das Wasser nicht
mehr stieg, gingen meine Mutter und ich schlafen; nur der Vater blieb die
Nacht über auf. Am nächsten Morgen konnte man schon deutlich
sehen, wie das Wasser zurückgegangen war.
Die Treppenstufen an unserem
Haus waren schon wieder frei, und bis zum anderen Tag konnte man auch auf
den Hof hinaus. Da sah man denn, was das Wasser angerichtet hatte.
Alles war mit Schlamm, Sand
und Steinen bedeckt. In unseren Kellern hatte das Wasser bald einen Meter
hoch gestanden.
(Für die
Chronik von Hans Wege u. a. verfaßt)
Justushütte in den
zwanziger Jahren.
Chronik Weidenhausen
Zeittafel
Weidenhausen
| 1817-1825 |
Bau der Landstraße
Biedenkopf-Gladenbach-Weidenhausen-Zollbuche-Gießen |
| 1837 |
Gründung der Justus-Hütte
durch Justus Kilian, Eisengießerei mit Hochofen |
| 1852 |
Verkauf der Justus-Hütte
an Franz Schulz und Johann Dietrich Wehrenbold aus Lühnen an der Lippe |
| 1859 |
Neuer Friedhof eingerichtet |
| 1869 |
Gründung des Männergesangvereins |
| 1885 |
Neubau des Backhauses |
| 1894 |
Einweihung der Teilstrecke
von Niederwalgern bis zu der Eisenbahn Weidenhausen |
| 1900 |
Einrichtung einer Hilfspredigerstelle |
| 1902 |
Die Bahnlinie ist jetzt
weitergeführt über Hartenrod bis Herborn (Beginn der Arbeiten
1896)
Ein dritter Raum wird für
die Schule (mit 192 Schülern) angemietet, bei Johann Jost Premer VI
(Schiefesch und Marschners) |
| 1904 |
Die kirchlichen Filialen
Weidenhausen und Römershausen werden selbständige Pfarrei mit
Sitz in Weidenhausen |
| 1906 |
7. Sept.: Einweihung der
neuen Schule (heute Sonderschule) |
| 1909 |
Gründung des Weidenhäuser
Turnvereins |
| 1911 |
Stromleitung von Oberscheld
über Endbach, Weidenhausen, Gladenbach bis Dautphe verlegt |
| 1913 |
Erstes elektrisches Licht
in Weidenhausen, behördliche Genehmigung,
das "elektrische Verteilungsnetz"
in Betrieb zu nehmen |
| 1916 |
Eröffnung einer Zigarrenfabrik
der Firma Rinn und Cloos aus Heuchelheim im Haus Aßmann auf der Petersburg
(heute: Gaststätte ,,Zur Petersburg') |
| 1919 |
Gründung des Fußballvereins |
| 1925 |
Gründung des Gewerbevereins |
| 1926 |
Gründung der Volksbank
eGmbH Weidenhausen (Genossenschaft) |
| 1928 |
Ende der Wasserversorgung
aus Hausbrunnen und öffentlichen Brunnenanlagen, Anschluß an
eine zentrale Wasserversorgung Gründung der Freiwilligen Feuerwehr
Weidenhausen |
| 1937 |
Umzug der Zigarrenfabrik
Rinn und Cloos in den Neubau auf der Petersburg |
| 1944 |
Großbrand, der Stallungen
und Scheunen von Medders, Peils und Lien stark beschädigt und sämtliche
Erntevorräte vernichtet |
| 1945 |
25. März: Zwei
Brandbomben aus amerikanischen Jagdbombern treffen die Justus-Hütte,
nur Dachziegel werden verschoben |
| 1946 |
Kultur- und Heimatverein
(Laienspiel, Volkstanz, Schagruppe, später Zweigstelle der Volkshochschule).
Hochwasser im Februar |
| 1948 |
Als erste Dorfstraße
wird die lange Mühlstraße mit einer Teerdecke versehen (Straßenfest
der "Mihlstreeßer').
Errichtung einer Pumpstation
auf der Waldmühle.
Erste Nachkriegskirmes. |
| 1949 |
Einrichtung einer Apotheke
(F. Wolf, im alten Pfarrhaus).
Eröffnung einer Töpferwerkstatt
(A. Ludwig, G. Pfeiffer).
Gründung des Rassegeflügelvereins |
| 1950 |
Beginn der Verkoppelung
(Flurbereinigung) |
| 1951
(-1957) |
Wiederbelebung des Gewerbevereins
Erstes Weidenhäuser
Heimatfest
Umsetzung des Ehrenmals
vom Friedhof zum neuen Standort (unterhalb der alten Stelle)
Einweihung eines Gedenkkreuzes
für die Vertriebenen
Ausbau des Römershäuser
Bachs und Entsumpfung der Salzböde |
| 1954 |
Erweiterung der Wasserversorgung
durch Pumpstation mit Wasseraufbereitungsanlage auf dem Lutzebach
Fertigstellung des Dorfgemeinschaftshauses,
21.-23. August Einweihung im Rahmen des 2. Heimatfestes |
| 1961 |
Ankunft der ersten italienischen
Gastarbeiter (nach 1973 kamen dann auch türkische Gastarbeiter) |
| 1962 |
9. Okt.: Eröffnung
der Zweigstelle der Kreissparkasse
28. Okt.: Einholung der
Glocken und Einweihung der neuen evangelischen Kirche |
| 1966 |
Rücktritt von Bürgermeister
Philipp Scheld nach mehr als 25 Amtsjahren (bis 1933 und von 1945 bis 1966) |
| 1966 |
Neubau für die Schule
(Adolph-Diesterweg-Schule) |
| 1970 |
Die letzte Dampflok auf
der Strecke Niederwalgern-Herborn
Bau einer Dorfumgehung (fertiggestellt
in 1973) |
| 1974 |
Eingemeindung Weidenhausens
nach Gladenbach, Ende der gemeindlichen Selbständigkeit |
| 1984 |
6./7. Februar: Hochwasserkatastrophe.
Großer Schaden im Gefrierhaus
12. März: Gründung
des Heimatvereins |
Ferienlager oberhalb von Weidenhausen
Foto:
Bernd Nassauer 28/06/200
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