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Unser Stadtteil Weitershausen
Die Weitershäuser
Spatze (Spatzen) |
Ortseingang von Weitershausen
Foto: Bernd Nassauer 28/06/2000
Themenlinks:
Daten
zu Weitershausen *Stand 21.12.2006
 |
PLZ:
Fläche:
Höhe über NN:
Höchste Erhebung:
Einwohner:
Gesamte Großgemeinde: |
35075
404 ha
Dorfmitte 253 m
(Hardt) 341 m
341 Einwohner
13.210 Einwohner |
Größe
der Gemarkung
Fläche: 404 ha
Höhe über NN:
Dorfmitte 253 m; Höchste Erhebung: (Hardt) 341 m
Ortslage
Weitershausen
Weitershausen wird in Reimers
Ortslexikon (1985) folgendermaßen charakterisiert:
Dorf mit komplexem Grundriß
in Tallage an der Einmündung des Krebsbaches in die Ohe. Geschlossener
Ortskern im Westen. Im Nordosten lockere, lineare Gehöftanordnung
beiderseits der Straße Dilschhausen - Diedenshausen. Straße
Sinkershausen - Nesselbrunn führt durch den südlichen Ortsbereich.
Vorgeschichtliche
Funde und Bodendenkmäler
Am Osthang der Hardt finden
sich hangabwärts die Reste von vier Stufenrainen, hangaufwärts
weitere fünf im Mischwald. Streifensysteme finden sich außerdem
südwestlich vom Ortsteil dicht an der Regierungsbezirksgrenze und
südsüdwestlich.
Die im Westteil der Gemarkung
liegenden Raine sind weniger gut erhalten als die im Ostteil.
Etwa 1 km südlich im
Gebiet der "Frauenbirken", das übrigens keine Birken mehr enthält,
befinden sich weitere Stufenraine, 600 m lang, teilweise aber stark verackert.
Aus
der Geschichte Weitershausens Dorf und Gerichtssitz
Im Mittelalter gehörte
Weitershausen ganz und die in der Nähe liegen den Dörfer Dilschhausen
und Elnhausen je zur Hälfte zum Gericht Reizberg. Die andere Hälfte
der bei den zuletzt genannten Orte lag im Gericht Kaldern. Diese beiden
Gerichte waren ebenso wie das Gericht Gladenbach aus alten germanischen
Hundertschaften hervorgegangen. Reizberg wird in der gleichen Urkunde wie
Gladenbach 1237 als ,,judicium Roydesberg" zum ersten Mal genannt. Dieses
Gericht hatte stets die gleiche territoriale Zugehörigkeit wie das
Gladenbacher gehabt. Es gehörte dem Lahngau an, der Grafschaft Gleiberg
und der Grafschaft Ruchesloh. Nach der Aufteilung Oberhessens bzw. nach
dem Dreißigjährigen Kriege kam Weitershausen zur Landgrafschaft
Hessen-Kassel, und es gehörte von 1807-1813 zum Kanton Kaldern im
Königreich Westfalen und ab 1821 zum Kreis Marburg. Das zuständige
Gericht wurde 1828 das Landgericht, 1850 das Justizamt und 1867 das Amtsgericht
Marburg.
Während das Gericht
Gladenbach 1323 von den Edelherren von Merenberg geschlossen in landgräflichhessische
Hände überging, entstand in der Reizberger Hundertschaft ein
spürbares Machtvakuum, das so gleich benachbarte Geschlechter an zog,
und in dem ein Ortsadel, wie z.B. in Weitershausen gedeihen und sich auch
halten konnte. Angehörige des niederen Adels erwarben schließlich
sogar Gerichtsrechte.
Die Grafen von Nassau, die
im Gericht Gladenbach zugunsten des Landgrafen Position um Position aufgeben
mußten, gewannen im Reizberg an Boden. Das Kloster Fulda, das in
Weitershausen Besitz erworben hatte, richtete gar eine eigene Vogtei ein
und setzte einen Vogt ein, der die in diesem Raum befindlichen fuldischen
Güter verwaltete und der gleichzeitig Gerichtsherr über seine
Leibeigenen war. Diese Vogtei ist zwar erst 1419 und dann wieder 1481 bezeugt,
als das Kloster die Döringe, die mit den Herren von Weitershausen
stammverwandt waren, damit belehnte, sie dürfte aber schon im frühen
Mittelalter entstanden sein. Einen Hinweis kann man darin sehen, daß
der Mönch Eberhard zwischen 1150 und 1160 den letzten Gleiberger Grafen
Wilhelm als Inhaber fuldischer Lehen aufführte, die man in Weitershausen,
Ebsdorf und Kirtorf vermutet. In jedem Fall scheint die Immunität
des Klosters Anlaß für eine Sonderentwicklung Weitershausens
gegeben zu haben.
Der Gerichtsbezirk Reizberg,
dessen Gericht ursprünglich auf dem Reizberg, einem Hügel unmittelbar
nördlich von Oberweimar tagte, war im 15. Jahrhundert ungeteiltes
Lehen der Schenken von Schweinsberg, der Vögte von Frohnhausen und
der Herren von Weitershausen. Die Gerichtsinstitution aber bestand wahrscheinlich
schon seit einiger Zeit, spätestens seit das Gericht nicht mehr auf
dem Hügel unter freiem Himmel tagte, aus zwei Gerichtsstühlen,
dem zu Oberweimar und dem zu Weitershausen.
Die Niedergerichtsbarkeit
und zum Teil auch die Hochgerichtsbarkeit des Gesamtgerichtes, die die
Gerichtsjunker an sich gezogen hatten, übten diese als Lehensträger
der Grafen von Nassau-Saarbrücken aus.
Das Vogteigericht in Weitershausen
war zwar kein Vorgänger des ordentlichen Gerichtes, dürfte aber
ein Anlaß für eine Teilung des Reizberger Gerichtes und die
Errichtung eines ordentlichen Gerichtes in Weitershausen gewesen sein.
Das Gericht, das 1565 zum ersten Mal belegt ist, umfaßte die Orte
Weitershausen, Nesselbrunn mit dem Niederhof und die Reizberger Hälfte
von Dilschhausen. Die drei ungebotenen Dinge (mit Dingpflicht) fanden freitags
nach Dreikönigen (6. Januar), nach Walpurgis (1. Mai) und nach Michaelis
(29. September) statt.
Der Zehnte war 1344 Lehen
der Herren von Falkenstein, das möglicherweise auch auf die Grafen
von Nassau zurückgeht (vergleiche dazu die Geschichte des Gladenbacher
Patronats). Sie hatten es an die Herren von Bicken weitergegeben, die dieses
Lehen der Familie Rode übertrugen. Von den Falkensteinern ging es
an den Erzbischof von Trier über, der es bereits vor 1417 besaß
und 1492 den Herren von Dernbach über trug.
1600 waren die Herren von
Breidenbach, genannt von Breidenstein, damit belehnt worden.
Grundherren gab es in Weitershausen
viele. 1335 waren die von Weitershausen und von Sichertshausen im Ort begütert.
1339 verkauften Kraft von Weitershausen und seine Frau ihr Gut in Weitershausen.
1429 hatten die Herren von Fleckenbühl hier Grundbesitz und im gleichen
Jahr verpfändeten die von Breidenbach, genannt Breidenstein, dem Spital
zu Biedenkopf einen Hof zu Weitershausen. 1494 verfügte der Landgraf
von Hessen über sechs dienstbare Pflüge und vor 1528 hatte das
Kloster Kaldern einen ihm zustehenden Hof. Der Landgraf von Hessen trat
erst verhältnismäßig spät auf, hatte aber um 1400
einige Hörige. 1496 stand ihm die Gülte aus der Mühle zu.
Die
erste Nennung
In einer Urkunde von 1238
wird Weitershausen zum ersten Male er wähnt. Es geht darin um einen
Streit zwischen dem Pfarrer von Kaldern und Wiegand von Friedensdorf und
seinen Ganerben wegen Gütern und der Holzmark von Guntershausen (Guntershausen
ist ein Dorf rechts der Lahn, das vermutlich bei der Entstehung der Biedenkopfer
Vorstadt im 14. Jahrhundert in der Gemarkung Biedenkopf aufging). Beides
wurde Pfarrer und Kirche von Kaldern zugesprochen. In der Berufung aber
änderten die mit der Überprüfung der Entscheidung beauftragten
Pfarrer (Pleban) von "Widereshusen", Michelbach und Wetter nach erneuter
Untersuchung und Verhör der Zeugen den Spruch da hingehend ab, daß
die Kirche nur ein Viertel der Guntershäuser Holzmark erhielt. Der
neue Spruch wurde u.a. auch von Weitershäuser Einwohnern (Berthold,
Albert, Gerhard und 8. Schmied) testiert.
Es gibt eine noch frühere
Erwähnung des Namens Weitershausen, die aber zur Altersbestimmung
des Ortes nicht herangezogen werden kann, weil sie sich offensichtlich
auf das Geschlecht derer von Weitershausen bezieht. 1223 waren Konrad von
"Witerhusen" neben dem Ritter Arnold von Lindenborn und den Plebanen von
Grüsen und von Gemünden Zeugen eines Verkaufs von Gütern
in Ellnrode an das Kloster Haina. Der Vertrag wurde sowohl in Gemünden
als auch danach in Speckswinkel konfirmiert: "regnante d Friderici Romanorum
imperatore, d Sifrido archiepiscopo presente in Mogontia d Wigando regente
curam abbatie eiusdem ecclesie Aulisburg", also in der Regierungszeit Kaiser
Friedrichs, des Erzbischofs Siegfried von Mainz und des Abtes Wiegand von
Aulisburg.
Die
Entwicklung des Dorfes
Die Sonderstellung Weitershausens,
die schon im hohen Mittelalter erkennbar ist, minderte die zentrale Rolle
Oberweimars in der Reizberger Hundertschaft ganz erheblich, indem sie dort
die Entstehung eines Zentrums verhinderte.
Sie wirkte sich aber auf
die Dorfentwicklung selbst kaum aus. Es gab 1577 17 Hausstände und
1630 waren es 16. Erst nach dem Dreißigjährigen Kriege stieg
die Zahl langsam auf 21 im Jahre 1681 an. Haupteinkommensquelle war die
Landwirtschaft. Im Jahre 1630, also mitten im Kriege, gab es fünf
Höfe mit drei Pferden, zwei Höfe mit zwei Pferden und einen Hof
mit einem Pferd Sechs Betriebe hatten keine Pferde. Es gab also einerseits
einen erheblichen Anteil an großen Höfen, auf der an deren Seite
aber auch viele Familien, die ihr Haupteinkommen anderweitig suchen mußten.
Der Ort entfernte sich also doch mehr als andere von der reinen landwirtschaftlichen
Orientierung. Das zeigt sich im Jahre 1747 besonders deutlich. Es gab fünf
Schmiede, vier Leinweber, zwei Schneider, einen Schreiner, einen Wagner,
einen Maurer, einen Wirt, einen Müller, fünf Spielleute, einen
Tagelöhner, zwei Tagelöhnerinnen und eine Strick- und Näherin.
1838 betrieben 12 Familien Landwirtschaft, acht Gewerbe und vier waren
Tagelöhner. Bei diesem Verhältnis blieb es ungefähr bis
in die sechziger Jahre unseres Jahrhunderts. 1961 gab es in der Land- und
Forstwirtschaft 75, im produzierenden Gewerbe 20,
in Handel und Verkehr 8
und in Dienstleistungen und sonstigen Berufen 4 Erwerbspersonen.
Die
Einwohner
|
1747
|
1838
|
1885
|
1925
|
1939
|
1950
|
1961
|
|
128
|
150
|
163
|
162
|
154
|
227
|
160
|
Die Entwicklung der Einwohnerzahlen
zeigt deutlich, daß die durch Gericht und Kirche bedingte zentrale
Bedeutung (wir würden heute viel leicht von einem Unterzentrum sprechen)
nach und nach wieder verloren ging. Die Einwohnerzahlen gingen dadurch
zurück, während in den anderen Dörfern, die 1974 mit der
Stadt Gladenbach zusammengeschlossen wurden, diese Zahlen seit nahezu 200
Jahren konstant anstiegen. Der Zustrom an Heimatvertriebenen und Flüchtlingen
änderte daran auch nichts.
Das
Kirchspiel Weitershausen
Bedingt durch die Sonderentwicklung
im öffentlich-rechtlichen Bereich fand auch eine Sonderentwicklung
auf kirchlichem Gebiet statt. Oder war es umgekehrt? Weitershausen gehörte
seit der Einführung des Christentums zu "Martins-Weimar", wie man
in Kirchkreisen Oberweimar damals nannte. In Oberweimar stand die Taufkirche
des Hundertschaftsbezirks, die - wie die Gladenbacher Kirche auch - dem
heiligen Martin geweiht war. Oberweimar war auch Sitz des kirchlichen Sendgerichtes
und gehörte zum Dekanat Amöneburg. 1238 wird zum ersten Mal ein
Pleban in Weitershausen erwähnt. Es bestand also hier zu jener Zeit
bereits ein eigenes Kirchspiel, zu dem 1577 Nesselbrunn und die Reizberger
Hälfte von Dilschhausen gehörte. Es entsprach dem späteren
(?) Sprengel des Gerichts Weitershausen. Ob dieser Sprengel noch dem Archipresbyter,
dem Erzpriester in Martinsweimar zustand oder ob die Pfarrei Weitershausen
zu diesem Zeitpunkt bereits einen eigenen Pastor hatte, ist ungewiß.
Jedenfalls erhielt die Kirche reiche Zuwendungen und Stiftungen, so daß
eine Besetzung der Pastorenstelle sicher nicht lange auf sich warten ließ.
Das Patronat über die
Kirche stand den Grafen von Nassau zu, 1358 den Grafen von Nassau-Dillenburg,
die es an die Herren von Linne weiterverliehen hatten. 1492 besetzten die
Herren von Dernbach die Pfarrstelle und 1542 die von Weitershausen.
Von Anfang an bestanden
kirchliche Verbindungen zu Gladenbach, schließlich gehörten
beide Kirchspiele zum gleichen Dekanat Amöneburg und zur Propstei
St. Stephan zu Mainz. Deshalb beauftragte beispielsweise der Offizial des
Propstes am 23. Juni 1316 den Pleban von Weitershausen (Wythershusen) mit
der Einführung des ersten heute namentlich bekannten Gladenbacher
Pastors in seine neue Kirche.
Ein weiteres Verbindungsglied
war Diedenshausen, das bis ins 15. Jahr hundert Filiale von Weitershausen
war, obwohl es gerichtlich und sendgerichtlich bereits zu Gladenbach gehörte.
Gewissermaßen als Ausgleich kam 1816 die zum Gericht Caldern gehörende
Hälfte Dilschhausens zum Kirchspiel Weitershausen. Die beiden Dorfteile
hatten sich zu einer selbständigen Kirchengemeinde vereinigt.
Die Pfarrei muß ordentlich
dotiert gewesen sein. Zu ihrem Besitz gehörte Eigen- und Lehensgut.
Vom Lehensgut empfing der Pfarrer jährlich den Lehnszins. Das Eigengut
bewirtschaftete er selbst. Es waren 31,56 ha Ackerland, 9,32 ha Wiesen
und 7,25 ha Wald. Es handelte sich dem Vernehmen nach um besten Boden.
Das war natürlich kein Wunder, denn einmal übertrug man der Kirche
nichts Minderwertiges, zum anderen stammte der Hof aus einer Zeit des Mittelalters,
in der noch nicht durch Rodland Qualitätseinbußen hingenommen
werden mußten. Nach der Flurbereinigung soll das Pfarrland, das heute
verpachtet ist, nicht mehr die gleiche Güte gehabt haben.
Die Pfarrstelle ging 1937
ein. Die Zahl der Gemeindeglieder ließ die Erhaltung einer eigenen
Pfarrstelle nicht mehr zu. Weitershausen wurde eine Hilfspfarrstelle der
Pfarrei Michelbach und vom dortigen Pfarrer mitverwaltet. Das nicht mehr
benötigte Pfarrhaus, das eigentlich ein Iandwirtschaftliches Gehöft
war, verkaufte man einschließlich Scheune, Stauungen und Gärten.
Nach 1945 verwaltete der Pfarrer von Elnhausen das Kirchspiel.
Nach dem Kriege kamen viele
Flüchtlinge. Sie benutzten das Weitershäuser Gotteshaus mit,
und so entstanden katholische Aktivitäten, die sich befruchtend auf
das Leben der evangelischen Kirchengemeinde auswirkten. Es wurde ein Kirchenchor
gegründet, und schließlich erhielt die verwaiste Gemeinde im
Jahre 1950 eine selbständige Hilfspfarrstelle zugewiesen, die mit
dem Pfarrer Hans Battenberg besetzt wurde. Jetzt fehlte das Pfarrhaus,
ein neues wurde erworben. Die Vakanz ging formal mit der Berufung des Pfarrers
Heinrich Enners im Jahre 1951 endgültig zu Ende. Seitdem hat das Kirchspiel
wieder einen eigenen Pfarrer, der allerdings - das war eine Folge der geringen
Größe - die Marburger Kliniken mitversorgen muß.
 |
Die hochgelegene
bildhübsche spätromanische Kirche mit gotischem Chor stammt aus
dem 13. Jahrhundert und steht am Aufgang zur "Hardt" und hatte ursprünglich
ein Kreuzgewölbe.
Sie besitzt eine steinerne
Wendeltreppe sowie einen
vergoldeten Abendmahlskelch
aus dem 17.Jahrhundert. |
|
Fotos: Bernd Nassauer 28/06/2000 |
Die
Pfarrer
Seit der Reformation wirkten
folgende Pfarrer:
| 1528
- |
Daniel Wigela (Weigel).
Er wird 1531 zum letzten Mal erwähnt |
| 1548
- 1567 |
Nicolaus Fabri (Schmidt) |
| 1565 - 1603 |
Peter Seip |
| 1603
- 1606 |
Georg Myluis, Schwiegersohn
des Vorhergehenden.
Er trat zum reformierten
Glauben über, und wurde 1616 Pfarrer in Dautphe |
| 1611 - 1619 |
Johannes Ursinus |
| 1619
- 1624 |
Heinrich Riemenschneider,
vorher Rektor an der Stadtschule zu Marburg.
Er wurde 1624 bei Einführung
des lutherischen Bekenntnisses entlassen |
| 1625
- 1639 |
Kaspar Thomas. Er führte
das lutherische Bekenntnis im Kirchspiel wieder ein.
Die Generalkirchenvisitationskommission
erlegte ihm 162? auf, in dem, seit 1626 mit Weitershausen
wiedervereinigten Diedenshausen
alle 14 Tage zu predigen und mittwochs eine Betstunde zu halten |
| 1639 - 1673 |
Heinrich Störr |
| 1673
- 1701 |
Johannes Loenitzer.
Er war vorher Metropolitan
in Lohra gewesen und hatte dann eine Privatschule in Marburg eingerichtet |
| 1701 - 1721 |
Engelhard Conradi |
| 1721
- 1733 |
Heinrich David Allendorf,
Vater des bekannten Kirchenlieder-Dichters Johann Ludwig Konrad Allendorf |
| 1733 - 1764 |
Philipp JustusThummius |
| 1765
- 1785 |
Johann Friedrich Wilhelm
Welker. In seiner Zeit (1778) wurde das Pfarrhaus gebaut, das 1938 verkauft
wurde |
| 1785 - 1815 |
Heinrich Gottlieb Pein |
| 1815 - 1833 |
Johann Ludwig Exter |
| 1833 - 1854 |
Wilhelm Ludwig Schlund |
| 1855
- 1869 |
Wilhelm Heldmann. Pfarrer
Heldmann bewirtschaftete das Pfarrgut noch und hielt selbst vier Pferde |
| 1870 - 1878 |
Wilhelm Ursprung |
| 1878 - 1895 |
Theodor Ernst |
| 1895 - 1918 |
Otto Waas |
| 1919 - 1928 |
Gottfried Kahlerdann war
die Stelle ein Jahr vakant |
| 1930 - 1937 |
Johannes Fürer |
| 1937
- 1951 |
die Pfarrstelle ist unbesetzt |
| 1951
- 1957 |
Heinrich Enners.
In den letzten Jahren wurde
die Stelle wegen der Erkrankung des Pfarrers von Elnhausen aus mitversorgt |
"Fleiß,
Sparsamkeit und Ordnung" - aus einem behördlichen Fragebogen des Jahres
1859
Wenige Jahre vor dem Ende
des Kurfürstentums Hessen wurde noch einmal eine Bestandsaufnahme
gemacht. Fragebogen gingen an die Gemeinden. Und so antwortete der Bürgermeister
von Weitershausen am 7. Okt. 1859:
Lage des Ortes: liegt in
dem Tal, das durch die Vereinigung von West nach Südwest laufender
Täler und weiterer Becken sich ausdehnt. Es lehnt sich mit seiner
nördlichen Seite einen steil aufsteigenden Berg den Hardt, der auf
seinem letzten Vorsprung eine Reihe Häuser sowie die Kirche trägt.
Unmittelbar über demselben liegen noch einige Ländereien, dann
kommt der Wald. Der Bach führt den Namen Ohe und fließt durch
den ganzen Ort und nimmt noch andere Bächlein auf. Eine Landstraße
führt nicht durch den Ort. Nächste erreichbare Stadt: Marburg
21/2 Std. Im Darmstädtischen liegt Gladenbach, 1 Std. entfernt. Der
Ort hat 158 Seelen und 27 Familien.
Zeichnen sich die Bewohner
durch etwas aus? Ja, durch Fleiß, Sparsamkeit und Ordnung. Sämtliche
Einwohner bekennen sich zur lutherischen Konfession.
Wo liegt die Kirche? Sie
liegt in der Mitte der nördlichen Häuserreihe hoch auf dem letzten
Vorsprung des Hardtberges.
Hat die Kirche einen Turm
mit Glocken und einer Uhr? Ja, mit 3 Glocken und einer Uhr.
Wann ist dieselbe gebaut?
Ist nicht bekannt, ist jedoch 1700 fast ganz erneuert worden.
Ist dieselbe reich oder arm?
Sie hat geringe Vermögen, da ihr Hauptvermögen in liegenden Gütern
bestand, diese vererblicht und später abgelöst sind. Sie ist
eine Pfarrkirche, unter ihr im Tal und durch den Weg getrennt, liegt der
Pfarrhof mit 233 Morgen Land, Wiesen und Wäldern. Es besteht auch
ein Schulhaus, es ist geräumig und in dem Anfang der 40er Jahre gebaut.
50 Kinder und ein Lehrer.
Auf welche Weise sorgt die
Gemeinde für ihre Armen? Es sind fast keine Armen vorhanden, wenigstens
solche nicht, die betteln und sich nicht durch ihrer Hände Arbeit
ernähren könnten.
Wieviel Bewohner beziehen
Unterstützung? Regelmäßig unterstützt wird nur einer.
Sind Stiftungen für
Arme vorhanden? Einige geringe Legate für die Armen. Jedoch nicht
bloß für die dieser Gemeinde, sondern auch für die eingrenzende
Gemeinde Nesselbrunn sind bei dem Kirchenkasten vorhanden.
Wo liegt der Totenhof? Er
liegt um die Kirche und ist mit einer Mauer eingefriedigt.
Sind außer dem Pfarrhaus
und Schulhaus noch andere dem Staat oder der Gemeinde gehörige Häuser
am Ort? Noch ein Gemeinde-Hirtenhaus, das zugleich auch Backhaus dient.
Im Ort sind noch 3 Strohdächer, 3 Schieferdächer, als die anderen
mit Ziegeln gedeckt, im ganzen hat der Ort 27 Wohnhäuser.
Die Straßen im Ort
sind bei Regen wetter sehr schmutzig, weil sie nicht gepflastert sind,
weil überall Quellen aufgehen.
Sind öffentliche Brunnen
im Ort? Es quillt im Überfluß am Ort. Im Ort befindet sich eine
Mühle ohne Namen. Im Ort befinden sich 2 hölzerne und eine steinerne
Brücke.
Größe der Gemarkung:
1508 Morgen. Die Gemarkung ist rund und bergig. Es gibt 2 Steinbrüche,
1 Grauwacke, 1 Kalk.
Es bestehen im Ort gar keine
Hufen, die Güter waren früher Leihen, sind aber nach geschehener
Ablösung nun Erbgüter.
Im Ort sind zur Zeit 30 Pferde,
8 Ochsen, 80 Kühe, 115 Schweine und 250 Schafe und 8 Bienenstöcke.
Was ist an Wild vorhanden?
Nur einige Hasen, Rebhühner und Füchse.
Ist die Lage des Ortes kalt
oder warm? Der Ort liegt im Tal, ist geschützt und ziemlich warm.
Sind die Gewitter stark?
Die Gewitter sind stark und anhaltend und die Feldmark leidet durch jeden
schweren Regen durch Abschwemmung der Ackerkrume.
Treten oft zerstörende
Hagelwetter auf? Durchschnittlich alle 25 Jahre.
Worin besteht das Gemeindevermögen
an Land? 1/2 Morgen Wiese, 24 Morgen Huten und Wüstungen, 37 1/2 Morgen
Wald, die Nutzungsberechtigung steht nur 15 Leuten zu.
Hat die Gemeinde Kapitalien
oder Schulden? Sie hat keine Kapitalien und auch keine Schulden. Ihre Einnahmen
sind unbedeutend, die Gemeindeausgaben müssen größtenteils
auf gemeinderechtlichem Wege erhoben werden. Es gibt eine gemeinschaftliche
Feuerspritze mit Elnhausen und Niederweimar.
Der größte Bauer
besitzt 82 Morgen Land, 8 Bauern besitzen 60 Morgen, einer 30 Morgen, einer
19 Morgen, vier 9 Morgen, drei weniger als 5 Morgen, einer hat keinen Grundbesitz
und wohnt auf Miete.
Es gibt folgende Handwerker
am Ort:
1 Schmied, 1 Wagner, 1 Schreiner,
1 Schumacher, 3 Schneider, 3 Leineweber, 1 Zimmermann, 1 Bäcker und
1 Wirt.
Welches Maß und Gewicht
ist in Gebrauch? Das Marburger Maß und Gewicht. An Beamten sind am
Ort: Pfarrer, Schullehrer und Ortsvorstand.
Was verdient jährlich
ein Ackerknecht? 18-30 Taler, eine Magd 10-20 Taler.
(Zusammengestellt
von W. Ferber)
Im
Kirchenbuch geblättert
"Kirchen-Buch, worinnen die
Nahmen der getauften, verehelichten undt Gestorbenen aufgezeichnet sindt"
- so steht es in einem dickleibigen Band mit vergilbten Blättern in
der Pfarrbücherei von Weitershausen. Seit 1624 ist es geführt,
also über einen längeren Zeitraum als in den übrigen Stadtteilen
von Gladenbach einschließlich der Kernstadt. In den meisten Orten
gibt es nur Kirchenbücher, die nach dem Dreißigjährigen
Krieg (nach 1648, Gladenbach ab 1650/51) angelegt worden sind.
Zur
Welt geboren..
Das Kirchenbuch von Weitershausen
beginnt schon im 6. Jahr des Dreißigjährigen Krieges. Der erste
Eintrag erfolgte am 23. Mai 1624. Pfarrer Riemenschneider trug die Taufe
einer Elisabeth, Tochter des Jacob Wagener von Dielshausen (Dilschhausen),
ein. Taufgode, d.h. Patin, "ist gewesen eine Tochter des Johannes Leinweber
aus Dielshaußen". Bei Geburtseinträgen heißt es im Kirchenbuch
oft "zur Welt geboren" , und für viele Kinder ist der Gang durch die
Welt nur kurz gewesen.
Die Kindersterblichkeit
war hoch.
Der erste Band des Kirchenbuches
reicht bis zum Jahre 1772, der zweite bis 1922.
Kirchenbücher sind nicht
nur der Daten wegen für die Familienforschung wichtig, sondern auch
für die heimat und kulturgeschichtliche Forschung.
Aus Lebensdaten und zusätzlichen
Anmerkungen lassen sich Schlüsse auf die Lebensverhältnisse früherer
Zeiten ziehen. Erst in neuester Zeit erkennen z. B. Historiker, "wie kurz
die Lebensspanne vieler Neugeborener tatsächlich war" (Spiegel, 1986,
43) und welche Kindersterblichkeit und Kürze des Erwachsenenlebens
jahrhundertelang in Europa herrschten. Auch unser Kirchenbuch aus Weitershausen
belegt das deutlich, und an manchen Stellen der zerlesenen und abgegriffenen
Blätter taucht das Schicksal einzelner Menschen aus den Zeilen auf.
Und auch die Gefühle des Eintragenden werden dem Leser deutlich. Aus
dem vorigen Jahrhundert sei das Jahr 1826 herausgegriffen. Acht Geburten
sind registriert. Aber nur drei Angehörige dieses Geburtsjahrganges
erreichen das Erwachsenen alter.
Es sterben:
1 Kind im Alter von 2 Monaten,
1 Kind im Alter von 11 Monaten,
1 Kind im Alter von 5 Jahren
2 Monaten,
1 Kind im Alter von 5 Jahren
5 Monaten,
1 Kind im Alter von 8 Jahren
6 Monaten.
...
von Tag zu Tag gearbeitet wie ein Pferd
Das Sterbe- bzw. Beerdigungsregister
verzeichnet nicht immer nur Daten, sondern auch Lebensumstände. Besonderes
Mitgefühl hat der Tod eines Mannes geweckt, der unter bedrückenden
Umständen lebte. So trägt Pfarrer Heldmann im Jahre 1867 ein:
"Johann Jost Prinz. Tagelöhner, Hirt, war verheiratet mit Katharina
Junker, starb den 9. Juli, Morgens 6 - 7 Uhr an den Folgen eines Druckschadens,
den er den 6. Juli auf Schmitts Hof erlitt, als er Opper Kuh bei den Ochs
tat. Er hat viel abhalten müssen und hatte schon ein Bruch, und das
Bruchband war fast ganz in den Unterleib getrieben. Während seines
ganzen Lebens hat er von Tag zu Tag gearbeitet wie ein Pferd. Als er z.
B. sein Häuschen bauen wollte, ging er den Tag über in den Wald
und die Nacht grub er beim ersten Hahnenschrei den Bauplatz aus, war alt
54 Jahre 3 Monate 24 Tage."
Fornicatio
- Kirchenbußen für Unzucht
Die Aufsicht der Kirche,
d. h. des Pfarrers und der Kirchenältesten, über die Moral der
Gemeindemitglieder hat eine lange Geschichte, die bis in die Gegenwart
reicht. Vor allem die Unzucht, als Fornicatio (nach einem lateinischen
Begriff für sexuelle Unzucht) bezeichnet, war Gegenstand besonderer
Aufmerksamkeit.
Fornicanten mußten
vor dem Pfarrer tätige Reue über ihre sexuellen Fehltritte bekennen,
anderenfalls wurden sie vom Abendmahl ausgeschlossen oder konnten den Ehebund
mit kirchlichem Segen nicht eingehen. Vom 18. Jahrhundert bis zum Jahre
1927 finden sich Einträge darüber, daß zu künftige
Ehepartner sich ,fleischlich vergangen" haben, nun aber ,,Reue empfinden"
und sich heiraten wollen. Die Buße wird abgenommen und zu Protokoll
gebracht, das Protokoll wird vom Pfarrer unterzeichnet. Bet tage in den
einzelnen Monaten wa ren Gelegenheit zu Anzeigen über Unzuchtfälle.
Hier waren vor allem die Kirchenältesten gefordert. Das zeigen die
Einträge. Als im Jahre 1859 der Kirchenälteste längere Zeit
krank war, gab es keine Anzeigen über un- oder voreheliche Schwangerschaften.
Am August-Bettag 1865 wurde vorgebracht, daß eine Dienstmagd aus
Weiershausen auf dem untersten Niederhof schwanger sei, und daß eine
andere verdächtigen Umgang mit einem Knecht aus Sinkershausen habe.
Die Sache solle weiter untersucht werden.
Die erste Eintragung über
Fornicatio stammt vom April 1762. Es geht da bei um eine Kirchenbuße
für einen Fall von "Sünde der Hurerei" und um einen Fall "antizipierten
concubitus" (vorehelicher Geschlechtsverkehr). Briefwechsel über einen
Fall von Un zucht führten die Pfarrer von Caldern und Weitershausen
Ende des vorigen Jahrhunderts. Es ging dabei um eine Magd aus Caldern,
die damals seit einiger Zeit in Dilschhausen arbeitete. Sie war ins Pfarrhaus
zu Caldern gekommen, um zu fragen, ob sie zum nächsten Abendmahl in
Dilschhausen, am Gründonnerstag, eine pfarramtliche Bescheinigung
brauche. Der Pfarrer schreibt "Da ich sie selbst nicht gesehen - ich ruhte
nach dem Essen etwas, da ich nachmittags noch Taufe und Beerdigung in Kernbach
hatte, ließ ich ihr sagen, sie brauche diese Bescheinigung nicht,
weil sie ja schon seit Monaten in Dilschhausen sei." Aber eine Stunde später
wurde ihm mitgeteilt, es sei allgemeines Gerücht, daß das Mädchen
in anderen Umständen sei. Sofort schreibt der Pfarrer von Caldern
an seinen Amtsbruder, in Weitershausen, der für Dilschhausen zuständig
ist, die Magd könne keinesfalls das Sakrament erhalten, bevor sie
ihr Vergehen gestanden habe. Sie wird gerufen, gesteht vor dem Pfarrer
in Caldern und erhält die notwendige Bescheinigung, die allerdings
direkt zum Pfarrer in Weitershausen geschickt wird: "Caldern, den 8. April
1895. Nachdem die Dienstmagd ... von hier, z.Z. in Dilschhausen dienend,
am heutigen Tag vor hiesigem Pfarramt die Censur hat erhalten, steht ihrer
Zulassung zum HI. Abendmahl in Dilschhausen nun nichts mehr im Wege."
Neben der Kirchenbuße
gab es für solche Fälle auch Geldbußen, die von der landesherrlichen
Obrigkeit verhängt wurden. "Unerlaubtes Beylager" war ein Straftatbestand.
Die Abrechnungsbücher des Amtmannes vom Blankenstein sind voll da
von. Die Buße betrug meist mehrere Gulden. Mancher Schuldige ist
aus dem Amt geflohen, aber die Familie hat in der Regel bezahlt, um ihm
weitere Verfolgung durch die Behörden zu ersparen. In einem Fall waren
es 9 Gulden. Das entsprach damals etwa einem Halbjahreslohn für einen
Ackerknecht.
Zeittafel
Weitershausen
| 1932 |
Neubau der Schule des Schulverbandes
Weitershausen-Nesselbrunn |
| 1934 |
Freiwillige Feuerwehr |
| 1935 |
Ev. Kirchenchor |
| 1957 |
Wasserversorgung durch zentrale
Wasserleitung |
| 1961 |
Weitershausen umfaßt
28 Wohngebäude |
| 1964 |
Bau eines Backhauses mit
Schlacht- und Gefrieranlage |
| 1965 |
Bau eines Feuerwehrgerätehauses |
| 1969 |
Ende der Schule |
| 1972 |
Einrichtung eines ev. Gemeinderaumes,
Bau der Friedhofskapelle |
| 1974 |
Ende der kommunalen Selbständigkeit |
| 1978 |
Kanalisation |
| 1986 |
Weitershausen umfaßt
53 Wohngebäude |
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